BIM wird von Auftraggeberseite wenig nachgefragt

Umfrage der Bundesingenieurkammer

Deutsches Ingenieurblatt 1-2/2023
Aus der Branche
BIngK
Ingenieurbüro – Recht & Finanzen
Digitalisierung
BIM

Eine aktuelle Umfrage der Bundesingenieurkammer ist der Frage nachgegangen, wie weit die Digitalisierung durch den Einsatz von BIM im Arbeitsalltag der Ingenieurbüros fortgeschritten ist. An der Online-Befragung im November 2022 nahmen 1.268 Ingenieurinnen und Ingenieure teil. Zu den Befragten zählten Inhaberinnen und Inhaber von Ingenieurbüros sowie Angestellte. Die Ergebnisse zeigen, dass es auf Seiten der Auftraggeber noch Nachholbedarf bei der digitalen Planung und dem Einsatz von BIM gibt.

Die Digitalisierung gilt als zentraler Baustein, um auf den aktuellen Veränderungsdruck am Bau effizient und nachhaltig zu reagieren. Der gesamte Bausektor hat hier noch großes Potenzial, das es auszuschöpfen gilt. Building Information Modeling (BIM) oder das Nutzen von Digitalen Zwillingen verändert das Planen und Arbeiten am Bau. Bei Hochbauprojekten des Bundes soll ab 2023 die digitale Planungsmethode Building Information Modeling verbindlich eingesetzt werden. Auch der Einsatz von BIM bei Infrastrukturprojekten wird stufenweise ausgebaut. Der Bund als Bauherr verspricht sich durch die Digitalisierung mehr Transparenz bei Kosten- und Zeitbudgets insbesondere von Großprojekten.

Eine aktuelle Umfrage der Bundesingenieurkammer ist der Frage nachgegangen, wie weit die Digitalisierung durch den Einsatz von BIM im Arbeitsalltag der Ingenieurbüros fortgeschritten ist. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Befragten aktuell noch nicht mit BIM arbeitet. 28 Prozent gaben an, die Planungsmethode zu nutzen. Immerhin: 28 Prozent derer, die BIM nicht einsetzen, planen zeitnah die Einführung. Die Aussagen variieren stark nach Größe der Büros: Je mehr Angestellte ein Büro hat, desto verbreiteter ist der Einsatz. In Unternehmen mit 100 und mehr Angestellten ist BIM fast schon Standard.

Ein Grund, warum noch nicht mit Building Information Modeling gearbeitet wird, ist oftmals die fehlende Nachfrage durch die Auftraggeber: 59 Prozent der Befragten wurden bisher nicht durch einen öffentlichen Auftraggeber aufgefordert, mit BIM zu planen. Private Bauherren machen die digitale, objektorientierte Planung noch seltener zur Bedingung:

79 Prozent geben an, dass der Einsatz von BIM von ihnen nicht nachgefragt wurde. Nur bei der Technischen Gebäudeausrichtung (TGA) wird die Umsetzung mit Building Information Modeling deutlich häufiger verlangt. „Die Ergebnisse zeigen, dass es auf Seiten der Auftraggeber noch Nachholbedarf bei der digitalen Planung und dem Einsatz von BIM gibt. Wir erwarten hier jedoch in den nächsten Jahren eine Trendwende, liegen die Vorteile für den Bauherrn doch auf der Hand“, erläutert Wilhelmina Katzschmann, Vorstandsmitglied der Bundesingenieurkammer, zuständig für den Arbeitskreis Digitalisierung.

Digitalisierung erhöht Attraktivität als Arbeitgeber

Fast die Hälfte der Ingenieurbüros, die auf die neue digitale Arbeitsweise setzen, machen dies aus Eigeninteresse. Befragte, die BIM bereits anwenden, sehen darin einen Wettbewerbsvorteil (67 Prozent) oder optimieren darüber interne Prozesse (58 Prozent). Rund 50 Prozent wenden BIM an, um die Projektkoordination zu verbessern. Der überwiegende Teil setzt auf das gemeinsame Arbeiten mit Open BIM. Aus den Antworten ging hervor, dass es auch als Chance verstanden wird, durch das digitale Arbeitsumfeld Mitarbeiter zu binden und zu gewinnen. „Nur wenn das Verständnis und die Akzeptanz für die neuen Arbeitsweisen vorhanden sind, wird die dringend notwendige Digitalisierung der Branche den gewünschten Erfolg bringen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Vorteile von BIM für Ingenieurbüros weitreichend sind“, so Katzschmann weiter.

Geringe Honorierung wird kritisiert

Trotz des vorhandenen Interesses an der weiteren Digitalisierung ihres Arbeitsumfelds bei den Ingenieurbüros müssen die Anschubkosten für sie auch wirtschaftlich abbildbar sein. Die Befragten kritisieren, dass es bisher kaum verlässliche Vergütungsstrukturen gibt. Aus ihrer Sicht weist beispielsweise die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) Lücken auf. So kann sie für zusätzliche Leistungen durch Building Information Modeling oftmals nicht eindeutig herangezogen werden. Entsprechend muss dies mit der aktuellen HOAI-Novellierung stärkere Berücksichtigung finden. Wilhelmina Katschmann erklärt hierzu: „Die klein- und mittelständischen Planungsstrukturen sind der Motor des Bauens in Deutschland. Damit BIM in Deutschland schneller umgesetzt wird, müssen entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden.“

Warum Ingenieurbüros bei der Einführung zögern

Ingenieurinnen und Ingenieure, die BIM nicht nutzen, begründen dies damit, dass die Auftraggeberseite es oft bislang nicht fordere. Fast die Hälfte setzt BIM nicht ein, da der hierdurch entstehende zusätzliche Aufwand nicht angemessen vergütet werde. Rund einem Drittel fehlt schlicht die Zeit, um sich eingehender mit der Thematik zu beschäftigen. Auch anfallende Anschubkosten für Software und Weiterbildung sowie Schnittstellenprobleme werden als Gründe genannt, weshalb BIM bisher nicht im Ingenieurbüro verwendet wird. Wilhelmina Katzschmann weist vor dem Hintergrund der Umfrageergebnisse darauf hin. „Das neue BIM-Portal des Bundes dient als
Plattform, auf der zukünftig standardisierte Vorlagen für Auftraggeber und -nehmer zur Verfügung stehen. So können Unsicherheiten
über die Art und den Umfang der Datenbereitstellung reduziert und ein Fundament für die Zusammenarbeit geschaffen werden.“ Mit
Kursen nach dem „BIM-Standard Deutscher Architekten- und Ingenieurkammern” (SDAIK) sollen zudem der Wissenstransfer gefördert
und der flächendeckende Einsatz von BIM beschleunigt werden.