17.06.2019 | Ausgabe 6/2019

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
die Europawahl hat stattgefunden und die Grünen konnten sich darüber freuen, die zweitstärkste Partei in Deutschland zu sein. Es verwundert nicht, dass   eine Partei, die sich – neben vieler anderer Inhalte – massiv für den Klimaschutz und eine bewusste und nachhaltige Lebensweise einsetzt, so starken Zuspruch in Deutschland findet. Seit Jahren denken wir um und beginnen zu reflektieren. Nach wie vor zu langsam, aber dennoch erkennbar.

Wir sagen „nachhaltig“ und meinen dabei häufig „ökologisch bewusst“. Nachhaltigkeitsinitiativen    lesen sich heute beispielsweise so, dass Firmenstandorte ihre ungenutzten Areale wieder begrünen. Wo in den vergangenen Jahren Betonwüsten auf der „grünen Wiese“ entstanden, Logistikzentren oder Bunkerartige Konzernzentralen ganze Landstriche verschandelten, beginnen nun die ersten damit, der Natur wieder Raum zu geben. Ein Unternehmen informierte kürzlich in einer Presseinformation darüber, dass auf dem Firmensitz ein Insektenhotel und Wildblumenwiesen angelegt wurden. Diese Maßnahmen sollen als Bruthilfe und Nahrungsquelle für Wildbienen und andere vom Aussterben bedrohte Insekten dienen. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich mit bewussten Handlungen der ökologische Zustand in Deutschland verbessern lässt.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an Peter Lustig und die bekannte  Fernsehsendung „Löwenzahn“ aus den 1980er-Jahren. Im Vorspann drückt sich eine „Pusteblume“ durch einen Riss im Asphalt und blüht auf. Was für ein starkes und eindrucksvolles Bild. Bereits vor nunmehr fast 40 Jahren drängte sich sensiblen Beobachtern der Gedanke auf, dass ein Zuviel an Bebauung in Form von Gebäuden, Straßen und Plätzen den natürlichen Lebensraum vieler Pflanzen und Lebewesen an den Rand drängt.

Vier Jahrzehnte später hat sich zumindest durchgesetzt, dass wir andere, bessere Möglichkeiten finden müssen, um im Einklang mit unserer Umwelt zu existieren.

Energiesparende oder -neutrale Gebäude oder Fahrzeuge leisten dazu einen nicht unerheblichen Beitrag. Aber sie bleiben eben nur Puzzleteile im großen Ganzen und diese Erkenntnis dringt auch zur kollektiven Wahrnehmung durch. Wir  müssen zum Beispiel Mobilität und Städtebau ganz neu denken. Diese Themen lassen sich nicht auf eine Diskussion über ausreichende Ladestationen oder flächendeckende Solarpanel reduzieren. Es sind ganz neue Konzepte gefragt und die  ranche ist kreativ, unsere Ingenieure sind sehr erfinderisch. Wenn es gelingt, aus starren Denkmustern auszubrechen, können wir das Bild unserer Bau- und Mobilitätskultur ganz neu definieren.

Die Bereitschaft in Politik und Bevölkerung, diesen Weg mitzugehen, scheint jetzt zumindest vorhanden zu sein.


 

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