15.08.2018 | Ausgabe 7/8 2018

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Sommer 2018. Auf der Wetterkarte des Deutschen Wetterdienstes im Juli überwogen Rot- und Orangetöne. Die Urlauber jubeln über das Riviera-Wetter an Nord und Ostseeküste, Eisdielen- und Biergartenbesitzer fühlen sich wie in einem wahr gewordenen Wunschtraum. Endlich mal ein Sommer, der diese Bezeichnung verdient, ist die überwiegende Meinung. Die Schattenseite der Hitze-Medaille: Waldbrandgefahr in Deutschland, vertrocknende Ernten, Wassermangel, verheerende Brände in Europa, verbunden mit dem Verlust zahlreicher Menschenleben.

Die globale Erwärmung, die viele in den vergangenen verregneten Sommern nicht wirklich erkennen wollten, fühlt sich nun doch sehr real an. Und unabhängig von den Konsequenzen, den dieser Klimatrend für die Menschheit, die Flora und die Fauna unweigerlich haben wird (und das schneller, als wir es uns vorstellen möchten), haben die Extremwetterlagen, wie wir sie nun seit ein paar Jahren kennen, große Auswirkungen auch auf den Ingenieur- und Baubereich.

Das beginnt mit dem Bau von Schutzwällen gegen Hochwasser und Überflutungen; das setzt sich fort über Wind- und Wasserkraftwerke sowie Klärwerke und Aufbereitungsanlagen für Wasser; Infrastrukturprojekte müssen auch in Deutschland den sich immer schneller verändernden Gegebenheiten der Umwelt angepasst oder Bauwerke komplett neu konzipiert werden. Denn mit den spürbaren Veränderungen unseres Lebensraums müssen wir auch unsere Bauweisen und -materialien anpassen, verändern und neu überdenken.

Das ist im Prinzip nichts Neues oder verblüffend Überraschendes. In der Entwicklungsgeschichte der Menschheit haben wir sehr geschickt unsere Wohn- und Lebensweisen den Gegebenheiten angenähert und uns die Umwelt entweder nutzbar gemacht oder sie uns sogar unterworfen. Bisweilen wurde der Bogen dabei extrem weit überspannt. Für das Ingenieurwesen bedeutet das: immer mehr Herausforderungen müssen in immer kürzeren Zeiträumen mit immer weniger berechenbaren Parametern bewältigt werden. Neben klaren und eindeutigen Rahmenbedingungen sowie langfristig durchdachten (flexiblen und kreativen) Lösungsansätzen, benötigen die Ingenieure von heute und morgen neben Neugier und Begeisterung für ihren Aufgabenbereich auch eine klare Vorstellung von der Verantwortung, die sie tragen.

Die Ingenieurkammern der Länder und die Bundesingenieurkammer nehmen mit Begeisterung wahr, dass eine konstant wachsende Gruppe junger Menschen mit großem Engagement, innovativen Ideen und durchdachten, sehr klugen Lösungsvorschlägen die Aufgaben des jährlichen Schülerwettbewerbs meistern. An motivierten und intelligenten Nachwuchsingenieuren mangelt es somit theoretisch nicht. Diese mit Selbstvertrauen und Verantwortungsgefühl zu stärken, um den Herausforderungen der Zukunft mit Mut und Verve zu begegnen – das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir alle anzunehmen haben.

Susanne Scherf


Newsletter
Ja, ich möchte den Newsletter von Deutsches Ingenieurblatt abonnieren