12.12.2018 | Ausgabe 12/2018

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
„Energie und Bau“ ist das Schwerpunktthema dieser Ausgabe. Da werden Erinnerungen wach an einen Hauskauf Ende der 90er-Jahre. Nach ungezählten Besichtigungen von Bestandsbauten entschied sich das Paar seinerzeit für einen Neubau. Das Risiko, von versteckten Mängeln in Altimmobilien und teuren Sanierungsmaßnahmen überrascht zu werden, war ausschlaggebend für ihre Entscheidung. Energieausweise, Solarpanels auf dem Dach und Häuser, die ihre Energie selbst gewinnen und weitergeben, waren noch fremd oder wurden nur von wenigen umgesetzt.

Bei den Neubauten schlugen die Planer aber schon vor zwanzig Jahren energiesparende Maßnahmen vor. Und so kam es, dass der Blower-Door-Test am Neubau seinerzeit auch zahlreiche Nachbarn interessiert aus ihren Häusern lockte. „Modischer Krams“ befand einer und alle waren sich einig: „Hatten wir nicht, funktioniert trotzdem alles prima, ist nur Geldschneiderei.“ 

Die jungen Hausbauer ließen sich nicht beirren und vertrauten darauf, dass die energiereduzierenden Maßnahmen an ihrem fortschrittlichen Häuschen zumindest die Verbrauchskosten erheblich minimieren würden. Was, wie sich im Laufe der Zeit herausstellte, auch immer eine Frage des Blickwinkels ist.

Zwei Jahrzehnte später können die im Energiebereich tätigen Ingenieureüber die Innovationen von damals milde lächeln. Insbesondere beim Bauen hat   es rasante Entwicklungen gegeben – der breiten Öffentlichkeit bleiben sie allerdings nach wie vor häufig verborgen.

Dabei sind energetische Konzepte ein integraler und wesentlicher Bestandteil eines Gebäudes. Und die Fragestellung lautet für die Ingenieure heute auch nicht mehr, wie viel Energie sich an einem Gebäude einsparen ließe und welche  Energie es selbst produzieren kann, sondern wie sich das noch maximieren und weiternutzen lässt. Aus der verantwortungsvollen Verbrauchsreduktion der vergangenen Jahre hat sich der Trend zur Optimierung der vorhandenen Ressourcen weiterentwickelt. Je besser die Forschung in dem Bereich ist, je höher die Anforderungen sind, umso wichtiger wird auch die kluge Kombination und  erknüpfung unterschiedlichster Techniken. Selbstlernende Gebäudesteuerungen tragen jetzt schon dazu bei, dass Gebäudeinfrastruktur, Anlagentechnik und ie Speicherung der gewonnen Energie den Verbrauch auf ein Minimum beschränken.

Trotzdem wird beklagt, dass sich nach wie vor viele Deutsche als Sanierungsmuffel im energetischen Bereich zeigen. Trotz Anreizen, Fördergeldern und Amortisationsrechnungen. Die Gründe sind vielfältig – und häufig sind die Investitionen schlicht zu hoch für den Geldbeutel einzelner. Da hilft es ihnen nichts, wenn sie das Geld in ein paar Jahren quasi wieder „eingespart“ haben.

Es ist gut, dass die Ingenieure in berufspolitischen Diskussionen auch diesen  Aspekt immer wieder zur Sprache bringen. Durch ihren direkten Kontakt zu denEndverbrauchern sind sie in beide Richtungen eine wichtige Schnittstelle und  können realistisch beurteilen, welche Maßnahmen erfolgreich und wo Nachbesserungen notwendig sind.

Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Beginn des Jahres 2019, Gesundheit, Erfolg und die Wertschätzung für Ihre Expertise, die Sie verdient haben!


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