Digitale Qualitätssicherung verbessert die Projekte

Prozesse auf der Baustelle etablieren und Mitarbeiter entlasten

Bauplaner 04/2023
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Die schnell wachsende IHR HAUS Sahle Massivbau GmbH hat beschlossen, die Qualitätssicherung zu digitalisieren, um das Personal zu entlasten. Mit dem Einsatz der n.core build-App konnte der Bauträger in einem Pilot­projekt den Zeitaufwand für Begehungen, Dokumentation und Reklamation erheblich senken. Die Qualitätssicherung hat sich derart verbessert, dass die App nun in der gesamten Sahle-Gruppe ausgerollt wird.

Die IHR HAUS Sahle Massivbau GmbH ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Dennoch ist das Arbeitspensum dauerhaft hoch: Zum Teil betreuen die Bauleiter bis zu 80 Häuser gleichzeitig. Die Strukturen mussten daher angepasst werden, beispielsweise, um neue Kollegen effizient und nachhaltig einzuarbeiten. Was in einem kleinen Unternehmen auf Zuruf und dem kleinen Dienstweg erfolgt, funktioniert ab einer bestimmten Teamgröße nicht mehr.

„Was wünschen Sie sich?“, fragte der Geschäftsführer Markus Hagedorn seine 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jahr 2019. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Vorgehen hatte Jannes Emmelmann. Er war damals noch Studentische Hilfskraft und kannte das Wünsch-dir-was-Konzept aus seinem Wirtschaftsingenieurstudium. Bei anderen Unternehmen hatte sich gezeigt, dass die Belegschaft Transformationsprozesse deutlich besser umsetzt und vorantreibt, wenn sie aktiv einbezogen wird. Es kamen wertvolle Anregungen zu Standarisierung von Prozessen, Digitalisierung und Schnittstellengestaltung zusammen. Als Grundlage fokussierte die Geschäftsführung eine systematische und kontinuierliche Qualitätssicherung in Verbindung mit den vorgeschlagenen Strukturanpassungen.

Die Geschäftsleitung beschloss, eine neue Abteilung einzurichten, die das Qualitäts- und Gewährleistungs­management umfasst, und übergab sie an den jungen Emmelmann. Der damalige Bachelorstudent und heutige Referent der Geschäftsführung wollte eine digi­tale Lösung einführen, um die Kolleginnen und Kollegen zu entlasten. „Die ersten Tools, die ich mir angesehen habe, waren zu theoretisch“, erinnert er sich. Der zusätzliche Aufwand war zu groß. Dann kam Josef Kox, Geschäftsführer der n.core build gmbh, mit seinem Team auf die Baustelle und präsentierte in einem Bauwagen die App zur digitalen Qualitätssicherung (Abb. 1).

 

Alle notwendigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt
n.core ist ein ganzheitliches Konzept, das die Qualität während der Bauausführung prüft und dokumentiert und so Mängel bis in die Gewährleistungsphase minimiert. Dafür werden noch vor dem Beginn der Bauausführung risikokritische Gewerke und Aufgaben identifiziert. Auf Grundlage der Risikobewertung wird ein individueller Prüfplan erstellt; die einzelnen Prüfungen bestehen aus spezifischen Prüfbausteinen. Die n.core-App enthält einen Katalog aus ca. 800 validierten Prüfbausteinen für alle Gewerke.

Die App führt die Prüfer gemäß Bauzeitenplan zum richtigen Zeitpunkt an das zu prüfende Bauteil sobald ein Arbeitsschritt abgeschlossen ist und bevor der nächste beginnt. Für die Prüfung ruft die App den spezifischen Prüfbaustein mit dem Bausoll, den Toleranzen, Normen und Details auf. Die Anwender dokumentieren nach abgeschlossener Prüfung die Ergebnisse mit Text oder Spracheingabe und Foto. Die Software legt die Ergebnisse und Bilder automatisch im System ab.

Durch den hinterlegten Workflow werden weitere notwendige Arbeitsschritte durch das System angestoßen. Die App dokumentiert eine erfolgreich abgeschlossene Aufgabe oder es fordert ein Gewerk auf nachzuarbeiten, wenn bei einer Prüfung Mängel beanstandet wurden.

Bearbeitungszeit von Mängeln und Verwaltungsaufwand gesunken
Ende 2019 hat IHR HAUS die innovative App bei einem Projekt in Mannheim getestet, bei dem sie knapp 60 Häuser saniert und etwa 200 neu baut. Bei dem Pilotprojekt arbeitete zunächst nur die Bauleitung mit n.core und die Bewährungsprobe war ein voller Erfolg. Sukzessive weitete der Bauträger den Einsatz der digitalen Qualitätssicherung aus. Nur wenige Wochen nach der Bauleitung nutzte mit dem Rohbauunternehmen das erste Gewerk n.core. Im nächsten Schritt folgten die Nachunternehmen des Innenausbaus und schließlich wurden sogar die Erwerber integriert.

„Seit fast drei Jahren nutzen wir nun die App und es läuft sehr gut“, bestätigt der Referent. „Zunächst haben wir zu viele Prüfungen durchgeführt – 400, 500 Prüfungen pro Haus. Jetzt sind wir in der Lage, Prüfungen zu priorisieren und konnten die Anzahl auf rund 100 reduzieren. Wir mussten erst lernen und Erfahrungen sammeln. Das Ganze ist ein lebendes und wachsendes Projekt, bei dem wir sehr gut mit dem n.core- Team zusammenarbeiten. Wir machen Vorschläge, geben Feedback, erklären, was wir brauchen. n.core hat die Anwendungen dahingehend weiterentwickelt, wovon nun alle n.core-User profitieren.“

Nach dem Einsatz in zwölf Bauabschnitten von drei Projekten und etwa 190 Wohneinheiten war es Zeit zu resümieren. Emmelmann hat alle gesammelten Daten zusammengefasst und ausgewertet, um der Geschäftsleitung die Ergebnisse der Testphase zu präsentieren: Die Software hat den Zeitaufwand der Bauleitung in der Qualitätssicherung um bis zu 80 Prozent reduziert und bei der Baustellendokumentation um bis zu 45 Prozent. Der Zeitaufwand für Begehungen verringerte sich um bis zu 30 Prozent. „Mit n.core haben wir unsere Prozesse auf verschiedenen Ebenen effizienter gestalten können. Neben der Standardisierung von Prozessen, der immensen Zeitersparnis der Bauleitung bei Begehungen und Mangelaufnahmen steht vor allem das neue Bewusstsein für eine systematische Qualitätssicherung im Vordergrund“, erläutert Emmelmann (Abb. 2).

Qualitätssicherung hilft bei Herausforderungen der Zukunft
Entscheidend sei am Ende die bessere Qualität und mehr Transparenz für die Kunden. Alle kritischen Punkte werden intensiv geprüft und die Erwerber erhalten mit der Rechnung einen Bericht über die durchgeführte Qualitätssicherung inklusive festgestellter Reklamationen. Solche Nacharbeiten lassen sich bei einem komplexen Projekt, wie es ein Hausbau nun einmal ist, nie vollständig vermeiden.

„Notwendige Nacharbeiten kommen nun einmal vor“, so Emmelmann. „Wichtig ist dann nur, dass wir deren Beseitigung dokumentieren und auch diese Information an unsere Erwerber weiterleiten.“ Erwerber hätten ihren Sachverständigen zurückgeschickt, weil sie ihn nicht mehr benötigten, erzählt der Abteilungsleiter. Einmal habe ein Sachverständiger sogar sein Honorar zurückgegeben, weil es schlichtweg nichts zu beanstanden gab.

Jannes Emmelmann und Markus Hagedorn haben der Geschäftsführung der Sahle-Gruppe über die überzeugende Einführung der digitalen Qualitätssicherung berichtet. Da die n.core die Wettbewerbsfähigkeit deutlich und nachhaltig verbessert hat, wird die App nun schrittweise in der kompletten Sahle-Gruppe ausgerollt. In einem ersten Projekt im April 2023 geht es um 174 Wohneinheiten, weitere Projekte mit 100 bis 300 Wohneinheiten folgen. Das ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten und ein großartiger Erfolg für die Verantwortlichen, die an die Vorteile der n.core build-App geglaubt haben.
 

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