20.10.2020 | Ausgabe 10/2020

Skiberg statt Müllberg

Amager Ressource Center Kopenhagen

Das riesige Dach der hochmodernen Müllverbrennungsanlage Amager Ressource Center in Kopenhagen ist mittlerweile eine wertvolle Freizeit- und Erholungsfläche mit eigener Skipiste. / Bild: Malmos A/S /ZinCo

In Kopenhagen ist eine kühne Vision für die Gestaltung einer Müllverbrennungsanlage Wirklichkeit geworden. Das Amager Ressource Center bietet auf rund 16.000 m² Dachfläche jede Menge Skispaß, unterschiedliche Trails für Wanderer sowie Treppenwege für Spaziergänger, die den Amager Bakke – auch „Copenhill“ genannt – zu Fuß erklimmen. ZinCo-Bautenschutz- und Dränageelemente bieten die sichere Basis für diese einzigartige Dachnutzung.

Für die neue Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen wurde mit dem alten Nordhafen auf der Insel Amager ein zentrumsnaher Standort gefunden, um rund 100.000 Haushalte mit Elektrizität und Wärme zu versorgen. Die visionären Architekten der Bjarke Ingels Group stellten sich das Amager Ressource Center als nutzbare Freizeiteinrichtung vor und drehen damit das Tabu einer Müllverbrennungsanlage ins Positive um. Angesichts der Gebäudehöhe von fast 90 Metern kam die Idee einer Skipiste zum Tragen, die sich auf dem 60 Meter breiten und 200 Meter langen Gebäude erstreckt. 450 Meter Piste von steil bis flach sind jetzt ganzjährig nutzbar, für Anfänger und Profis auf Ski oder Board. Diese „Dry Slope“ auf dem Dach ist weltweit einzigartig.

Grüne Bergwelt

Die bituminös abgedichtete und bis zu 30° geneigte Betondachfläche beinhaltet aus Gründen des Erosionsschutzes miteingedichtete schräge Schwellen, die Hangwasser zu den seitlichen Dachgullys ableiten. Des Weiteren sind zahlreiche Widerlager über Schraubanker obenauf betoniert worden, speziell im Bereich der späteren Gehölzpflanzungen, um stabile Befestigungsmöglichkeiten für das Festzurren der Wurzelballen zu schaffen. Denn auf einer Fläche von 3.000 m² wurde eine robuste Naturlandschaft mit sage und schreibe 300 Bäumen angelegt. Basis dafür sind die hoch belastbaren ZinCo-Dränageplatten aus ABS-Kunststoff, die dank der unterseitig aufkaschierten Gummischutzmatte rutschhemmend sind. Es folgten Systemfilter und 5000 Tonnen ZinCo-Systemerde in einer Substrathöhe von 20 bis 100 cm. Ausgewählt wurden für Dänemark typische Pflanzenarten. In den sehr steilen und erosionsgefährdeten Bereichen unterhalb der Baumpflanzungen setzte man gezielt Vegetationsmatten ein.

Unzählige Kabelbinder schauen aus der Substratschicht heraus, um die nachfolgende zweite Lage Kunststoffnetz mit der ersten unter dem Substrat zu verbinden.
Unzählige Kabelbinder schauen aus der Substratschicht heraus, um die nachfolgende zweite Lage Kunststoffnetz mit de ersten unter dem Substrat zu verbinden. / Bild: Malmos A/S /ZinCo

Präparierung der Skipiste

Die sichere Basis für die Skipiste auf rund 8000m² bilden die ZinCo-Dränageplatten. Auf das Systemfilter folgte die Substratschicht, eingebettet in zwei Kunststoffnetze, welche mit einer halben Million Kabelbinder fest miteinander verbunden sind. Ebenfalls integriert in dieses Schichtpaket sind rund 70.000 Metallplatten, an denen der eigentliche Pistenbelag aus 30 x 30 cm großen Kunststoffmatten des italienischen Herstellers Neveplast verschraubt ist. Die Mattenfärbungen von hell- bis dunkelgrün und ebenso die unterschiedlichen Gefälle lassen die Piste als natürlichen Hang erscheinen, auf der ja auch echtes Gras durchwächst. Vollkommen echt sind auch Tellerlift und die drei Förderbänder als Aufstiegshilfe. Alternativ bringt ein Aufzug alle Freizeitbegeisterten und Besucher direkt zum Aussichtsplateau samt Café in fast 90 Meter Höhe.

Auf neuen Wegen

Beidseitig der Skipiste sind rund 3.000 m² Dachfläche mit Treppenaufgängen und einem vielfach geschwungenen Wegenetz für Wanderer gestaltet. Hier wurde eine extrem hoch belastbare Dränage- und Bautenschutzmatte aus vollvulkanisiertem Kautschuk verlegt. Darüb erfolgten Systemfilter sowie verzinkte Armierungsgitter auf entsprechenden Abstandhaltern. Beton verblieb als Sichtbelag in sehr hügeliger Ausprägung.
So ist die Müllverbrennungsanlage Amager Ressource Center ein wegweisendes Vorbild, das Technologie, Ökologie und Sport auf futuristische Weise verbindet. Die ehrgeizige Idee, eine Müllverbrennungsanlage in die Stadt zu integrieren und ihr echten Mehrwert zu verleihen, ist hervorragend gelungen und bestätigt einmal mehr das Credo „Alles ist möglich auf Dächern“.


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