01.01.2015 | Ausgabe 01-02/2015

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
wie wird das wohl sein, wenn – wovon Experten ausgehen – in 30 Jahren die technische Intelligenz die menschliche überholt hat?
Fiktive Zukunftsvisionen in Literatur und Film überzeichnen häufig Segen oder Gefahr der Technik, sie verdanken ihre Popularität der Faszination, die das Technische trotz aller Ambivalenz auf uns ausübt. Jules Verne beispielsweise schrieb und publizierte Mitte des 19. Jahrhunderts mit großer Technik- und Fortschrittsbegeisterung seine populärsten Romane, die ihre Anziehung bis heute nicht verloren haben. Vor drei Jahrzehnten machte ein Jugendlicher Furore, der mithilfe eines wirr-genialen Wissenschaftlers und einem umgebauten DeLorean „Zurück in die Zukunft“ flog. Der zweite Teil der Trilogie begann übrigens mit einem Ausflug in das ferne (!) Jahr 2015. Von den in den 1980ern erträumten fliegenden Autos sind wir noch ein gutes Stück entfernt, einige der Zukunftsideen des Films treffen aber verblüffend gut unsere Gegenwart und firmieren heute unter den sogenannten „smart homes“. Ich erinnere mich, dass damals die Vision einer kalten, hoch technologisierten Lebenswelt nicht besonders erstrebenswert schien. Jetzt, im Jahr 2015 angekommen, ist Technik ein wesentliches, ein bestimmendes Element für den Großteil unserer Gesellschaft. Abgesehen von den Bedrohungen, die durch den falschen Umgang mit und den gefährlichen Einsatz von Technologie entstehen können, bringt die Technik der Menschheit ein Gros an Annehmlichkeiten. Der Prozess zu dem uns bekannten Alltag war schleichend, das ist das Gute an vielen technischen Entwicklungen. Sie werden erprobt, integriert, weiterentwickelt. Wir können uns daran gewöhnen.
Und wir haben die Freiheit der Wahl. Beispielhaft gesprochen: Ich muss nicht alle Funktionen meines Smartphones oder meines Rechners nutzen (können) und verstehen. Aber falls doch, dann muss es jemanden geben, der sie mir gegebenenfalls erklärt. Und auch, welche Risiken die Anwendung oder Nutzung bestimmter Funktionen beinhalten. Dafür gibt es Fachleute. Auf ihre Aussage verlasse ich mich.
Ingenieure sind Fachleute. Sie sind Spezialisten in unzähligen lebenswichtigen Bereichen. Damit geht eine große Verantwortung einher, wie auch ein Beitrag in dieser Ausgabe zeigt. Für die Ingenieure, aber auch für Politik und Gesellschaft. Denn wer – außer den Ingenieuren selbst – kann die Folgen der Technik abschätzen?
Die Forderungen der Kammern nach Berufsrechtsvorbehalten sind berechtigt. Die Politiker sollten sich auch vor Augen führen, dass die Kammern damit Bereitschaft signalisieren, eine große Verantwortung mitzutragen, – und sie sind im Interesse aller verpflichtet, den Ingenieurkammern die dafür notwendigen Handlungsspielräume zu übertragen.

Ein gutes und erfolgreiches Jahr 2015 wünscht Ihnen
Susanne Scherf
sks@deutsches-ingenieurblatt.de


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