Weil Leitungsstränge für Heizung, Wasser und Elektrik über die neue Gebäudehülle geführt werden, bleiben Eingriffe in den Wohnräumen minimal.
Der Sanierungsprozess beginnt mit einer millimetergenauen 3D-Vermessung des Bestands per Laserscanning. Aus der resultierenden Punktwolke entsteht ein digitaler Zwilling des Gebäudes, der als Datenbasis für die automatisierte Planung der Fassaden- und Dachelemente dient. BIM bildet anschließend den gesamten Sanierungsablauf digital ab. Ergänzend analysiert KI-basierte Bilderkennung Gebäudeportfolios von Wohnungsbaugesellschaften und identifiziert Objekte, die sich für serielle Sanierungsstrategien eignen.

Fassadenmodul als multifunktionales Bauteil
Den Kern des Konzepts bilden werkseitig vorgefertigte Fassadenelemente, die bereits Dämmung, Fenster, dezentrale Wohnraumlüftung sowie die Außenbekleidung enthalten. In die Module lassen sich zudem neue Leitungsstränge für Heizung, Wasser und Elektrik integrieren und über die Gebäudehülle führen. Das reduziert Eingriffe im Inneren auf ein Minimum und ermöglicht die Sanierung im bewohnten Zustand.
Werkstoff Faserzement: Brandschutz, Dauerhaftigkeit und Wartungsarmut
Als Außenbekleidung der Fassadenmodule setzt ecoworks unter anderem Cedral-Paneele von Etex Germany Exteriors ein. Faserzement besteht aus Portlandzement, Wasser, Zellstoff und Verstärkungsfasern – eine mineralische Zusammensetzung mit einer Lebenserwartung von mehr als 50 Jahren. Die Paneele erfüllen die Brandschutzklasse A2-s1, d0 nach DIN EN 13501-1 (nichtbrennbar), sind frostbeständig und resistent gegen Schädlinge sowie Pilzbefall. Die UV-beständige Farbbeschichtung macht regelmäßiges Nachstreichen oder Ölen überflüssig, was die Lebenszykluskosten der sanierten Gebäude senkt.
Das geringe Gewicht der Paneele minimiert die statische Belastung der Holzhybridmodule und der Bestandsgebäude. In der Werkshalle werden die Elemente als klassische Stülpschalung auf die Module geschraubt. Cedral liefert dazu das abgestimmte Systemzubehör – Befestigungsmittel und Anschlussprofile. Einzelne Paneele schneiden Mitarbeitende im Werk millimetergenau zu, um saubere Übergänge an Modulkanten sowie Fenster- und Türanschlüssen sicherzustellen.
Projektbeispiel Lindenberg: Nachkriegsbau erreicht Effizienzhaus-Standard 55 EE
In Lindenberg im Allgäu saniert ecoworks sechs Mehrfamilienhäuser aus den 1950er Jahren auf den Effizienzhaus-Standard 55 EE. Die Gebäude wurden zuvor überwiegend mit Erdgas beheizt. Neben den mit Cedral Lap bekleideten Wandmodulen installiert ecoworks Luft-Wasser-Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen zur Volleinspeisung. Den Berechnungen von ecoworks zufolge sinkt der Energiebedarf voraussichtlich um rund 91 Prozent. Die CO2-Emissionen reduzieren sich von rund 58 Kilogramm auf etwa 20 Kilogramm pro Quadratmeter Wohnfläche. Alte Loggien weichen neuen, vorgeständerten Balkonen.
Auf rund 1.900 Quadratmetern Fassadenfläche kommt ein differenziertes Farbkonzept mit Cedral Lap zum Einsatz: Die Kombination aus Kieselgrau (C77), Kreideweiß (C01), Platingrau (C05) und Silbergrau (C51) bricht die Monotonie der Bestandsfassaden auf; die Grautöne harmonieren mit neuen Fensterrahmen in Anthrazit (RAL 7016).
Projektbeispiel Nürnberg: Skalierung auf 72 Wohneinheiten
In Nürnberg hat das Wohnungsunternehmen Dawonia kürzlich den ersten Bauabschnitt eines seriellen Sanierungsprojekts abgeschlossen. Drei Mehrfamilienhäuser aus dem Jahr 1966 mit insgesamt 72 Wohnungen erhalten dabei eine neue energetische Hülle. Die Bauzeit für das erste Gebäude betrug nur sieben Monate. Die vorgefertigten Fassadenmodule mit Cedral-Lap-Bekleidung und integrierter Dämmung heben die ursprünglichen Energieeffizienzklassen E und F auf das Niveau B und C. Laut Berechnungen von ecoworks sinkt der Endenergiebedarf voraussichtlich um durchschnittlich 41 Prozent. Auf rund 4.600 Quadratmetern Fassadenfläche kombiniert ecoworks platingraue (C05) und weiße (C01) Cedral-Lap-Paneele.
Zirkularität am Ende des Lebenszyklus
Da ecoworks auf Holzhybridmodule setzt und die Cedral-Paneele aus mineralischen Rohstoffen bestehen, legen die Projektpartner das Gesamtsystem auf Rückbaubarkeit aus. Am Ende der Nutzungsdauer lassen sich die Fassadenelemente sortenrein trennen und dem Wertstoffkreislauf zuführen. Die Produkte verfügen über eine Umwelt-Produktdeklaration (EPD) nach ISO 14025.
Länge: 3600 mm
Höhe: 190 mm
Dicke: 10 mm
Gewicht: ca. 10,26 kg pro Paneel
Brandverhalten: A2-s1, d0 (nichtbrennbar)
Verlegung: Stülpschalung (horizontal/vertikal)
Hintergrund: Faserzement als Werkstoff für die serielle Sanierung
Faserzement gehört seit mehr als einem Jahrhundert zum Hochbau. Seine Zusammensetzung aus Portlandzement, Wasser, Zellstoff sowie Verstärkungsfasern macht ihn widerstandsfähig gegen Witterung, Frost, Schädlinge und Schimmelpilzbefall. Mit einer Lebensdauer von mindestens 50 Jahren eignet er sich für den langfristigen Werterhalt von Bestandsimmobilien. Die werkseitige UV-beständige Beschichtung der Cedral-Paneele ersetzt das bei Holzfassaden nötige regelmäßige Nachstreichen oder Ölen. Die Brandschutzklasse A2-s1, d0 nach DIN EN 13501-1 qualifiziert das Material für den mehrgeschossigen Wohnungsbau. Faserzement lässt sich ressourcenschonend produzieren und am Ende des Lebenszyklus recyceln. (mb)