Eingestürzte Carolabrücke Dresden © Wilfried Pschenitzka
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Lars Braune zur Spannungsrisskorrosion

Lars Braune zur Spannungsrisskorrosion

Lars Braune zur Spannungsrisskorrosion

Diskurs zum Artikel Spannungsrisskorrosion (SpRK)

Diskurs zum Artikel Spannungsrisskorrosion (SpRK)

Ist die SpRK jenseits des üblichen Wissens- und Erfahrungshorizontes von Bauingenieuren und ist die DIN 4227 inhaltlich gleichzusetzen mit der ostdeutschen TGL? Lars Braune mit zwei Anmerkungen zum Artikel „Problem für ältere Spannbetonbrücken – Spannungsrisskorrosion (SpRK)“ von Wilfried Pschenitzka im Deutschen Ingenieurblatt, Magazin 4-2025.

Ist die SpRK jenseits des üblichen Wissens- und Erfahrungshorizontes von Bauingenieuren und ist die DIN 4227 inhaltlich gleichzusetzen mit der ostdeutschen TGL? Lars Braune mit zwei Anmerkungen zum Artikel „Problem für ältere Spannbetonbrücken – Spannungsrisskorrosion (SpRK)“ von Wilfried Pschenitzka im Deutschen Ingenieurblatt, Magazin 4-2025.

Eingestürzte Carolabrücke Dresden © Wilfried Pschenitzka
Eingestürzte Carolabrücke Dresden © Wilfried Pschenitzka

SpRK jenseits des üblichen Wissens- und Erfahrungshorizontes von Bauingenieuren?

In diesem Artikel wird auf Seite 34, im zweiten Absatz, unter der Überschrift „Spannungsrisskorrosion (SpRK)“ die Aussage getroffen „Man sieht aus diesen Definitionen, dass die SpRK Sache eines ganzen Spektrums technisch-wissenschaftlicher Disziplinen ist und nicht nur im ureigenen Arbeitsfeld des Bauingenieurs sowie teilweise jenseits seins üblichen Wissens- und Erfahrungshorizontes liegt.“

Es ist nicht zutreffend, dass die notwendigen Kenntnisse, die das Thema SpRK betreffen, inhaltlich umfassend nicht im ureigenen Arbeitsfeld des Bauingenieurs liegen und sich damit seines üblichen Wissens- und Erfahrungshorizontes entziehen. Die dazu notwendigen technisch wissenschaftlichen Disziplinen sind grundlegender Bestandteil eines Bauingenieurstudiums, sowohl in den Studiengängen vor wie auch nach dem Bolognaprozess. Die dazu notwendigen grundlegenden baustofflichen Kenntnisse und Wirkmechanismen, werden in den dazu notwendigen Fächern wie Baustofflehre, Stahlbetonbau, Bauphysik, Chemie für Bauingenieure, Baukonstruktionslehre und weiterführend auch direkt in den Fächern Spannbetonbau, Brückenbau sowie Baudynamik vermittelt. Grundlegend wird in der Lehre auf eine breite Ausbildung wert gelegt (generalistisches Modell). Demzufolge wird der angehende Bauingenieur mit diesen Kenntnissen und Fertigkeiten aus der Hochschule entlassen. Im besonderen Maße werden diese Fertigkeiten von Bauingenieuren im konstruktiven Ingenieurbau während des Studiums erworben (Vertiefung innerhalb des Studiums).

Inwieweit die Absolventen in der Praxis mit diesem Thema konfrontiert werden, ist nicht absehbar. Jedoch davon zu sprechen, dass sich das Thema inhaltlich und disziplinär ihrem Kenntnisstand grundlegend entzieht und gar so weit zu gehen, dass es nicht zu den Kernbereichen gehört, ist eine unzutreffende Behauptung des Verfassers.

DIN 4227 inhaltlich gleichzusetzen mit ostdeutscher TGL?

Des Weiteren wird im Artikel auf Seite 36 Absatz 2 konstatiert, dass die DIN 4227 inhaltlich gleichzusetzen ist mit der in Ostdeutschland damalig geltenden TGL (Technischen Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen) 4227. Auch hier muss angemerkt werden, dass dies leider nichtzutreffend ist. Die TGL wurde zwar Anfang der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts anfänglich aus der DIN 4227 übernommen, hat aber in den darauffolgenden 36 Jahren eine inhaltlich eigenständige Entwicklung genommen. Die betreffende Norm wurde in den 60er- und 70er-Jahren überarbeitet, in den 80er-Jahren in eine andere TGL-Reihe überführt (TGL 33406-1) und dort Ende der achtziger Jahre noch einmal überarbeitet. Man kann diese Norm auch nicht isoliert von den anderen Normen betrachten, da sie in ein Normengeflecht eingebet war (in den 80er-Jahren in die 33er-TGL-Reihe nach EDV-Beton). Grundlegend darf auf folgendes hingewiesen werden: Unterschiede liegen der TGL zugrunde in den Bemessungskonzepten die anfänglich deterministisch (n-Verfahren, Traglastverfahren TGL 11422) und später probabilistisch waren (Bemessung mit Teilsicherheitsbeiwerten nach EDV-Beton). Des Weiteren lagen völlig andere Baustoffkennwerte und auch Baustoffformen (Bspw. Geometrie oval gerippte Stäbe nach TGL – in DIN kreisrunde) im Vergleich zur DIN-Normierung zugrunde. Im Vergleich die TGL mit der DIN gleichzusetzen ist – salopp gesagt – so, als wenn man den gängigen Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen anstellt. Es gibt signifikante Unterschiede zwischen diesen Normen, die bei gleicher Ausgangssituation, zu unterschiedlichen Bemessungsergebnissen führen, was unter anderem auf die verschiedenartigen Bemessungskonzepte, Baustoffkennwerte und Berücksichtigung von Umweltbedingungen sowie Produktions- und Montagemöglichkeiten zurückzuführen ist.

Mit diesen Hinweisen wird nicht das Ziel verfolgt, den Verfasser des Artikels anzugreifen. Es ist immer gut, für nicht ganz alltägliche technische Sachverhalte, den Blick der Öffentlichkeit zu schärfen. Jedoch entsteht für Leser der Eindruck, dass Bauingenieure im vorliegenden Fall nicht so recht wissen, was sie da eigentlich anstellen und demzufolge offensichtlich keine Ahnung von der Materie zu haben scheinen (das Sie dies offensichtlich doch haben, legen die Bewertungen der Brückenprüfung nach DIN 1076 nahe[1]). Es werden Kernkompetenzen abgesprochen, die in Wirklichkeit grundlegend durch die breite und umfassende Ausbildung vorhanden sind. Dies muss klargestellt werden und kann auch von Prof. Marx bestätigt werden.

Was die Hinweise zur TGL anbelangt, ist hier inhaltlich Spezialwissen über die Unterschiede zur DIN notwendig, sodass der Verfasser dies unter Umständen nicht wissen konnte – soweit er diese Normen selbst nie angewendet hat, oder sich inhaltlich mit den Unterschieden nicht beschäftigen musste. Dennoch ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass diese beiden Normenreihen inhaltlich keinesfalls gleichzusetzen sind, da die Bemessungsergebnisse – und damit das Endprodukt auf der Baustelle – inhaltlich nicht gleich sind.


[1] PressReader.com – Zeitungen aus der ganzen Welt

Der Artikel im Magazin 4-2025 auf den sich dieser Diskursbeitrag bezieht:

In diesem Artikel wird auf Seite 34, im zweiten Absatz, unter der Überschrift „Spannungsrisskorrosion (SpRK)“ die Aussage getroffen „Man sieht aus diesen Definitionen, dass die SpRK Sache eines ganzen Spektrums technisch-wissenschaftlicher Disziplinen ist und nicht nur im ureigenen Arbeitsfeld des Bauingenieurs sowie teilweise jenseits seins üblichen Wissens- und Erfahrungshorizontes liegt.“

 

SpRK jenseits des üblichen Wissens- und Erfahrungshorizontes von Bauingenieuren?

In diesem Artikel wird auf Seite 34, im zweiten Absatz, unter der Überschrift „Spannungsrisskorrosion (SpRK)“ die Aussage getroffen „Man sieht aus diesen Definitionen, dass die SpRK Sache eines ganzen Spektrums technisch-wissenschaftlicher Disziplinen ist und nicht nur im ureigenen Arbeitsfeld des Bauingenieurs sowie teilweise jenseits seins üblichen Wissens- und Erfahrungshorizontes liegt.“

Es ist nicht zutreffend, dass die notwendigen Kenntnisse, die das Thema SpRK betreffen, inhaltlich umfassend nicht im ureigenen Arbeitsfeld des Bauingenieurs liegen und sich damit seines üblichen Wissens- und Erfahrungshorizontes entziehen. Die dazu notwendigen technisch wissenschaftlichen Disziplinen sind grundlegender Bestandteil eines Bauingenieurstudiums, sowohl in den Studiengängen vor wie auch nach dem Bolognaprozess. Die dazu notwendigen grundlegenden baustofflichen Kenntnisse und Wirkmechanismen, werden in den dazu notwendigen Fächern wie Baustofflehre, Stahlbetonbau, Bauphysik, Chemie für Bauingenieure, Baukonstruktionslehre und weiterführend auch direkt in den Fächern Spannbetonbau, Brückenbau sowie Baudynamik vermittelt. Grundlegend wird in der Lehre auf eine breite Ausbildung wert gelegt (generalistisches Modell). Demzufolge wird der angehende Bauingenieur mit diesen Kenntnissen und Fertigkeiten aus der Hochschule entlassen. Im besonderen Maße werden diese Fertigkeiten von Bauingenieuren im konstruktiven Ingenieurbau während des Studiums erworben (Vertiefung innerhalb des Studiums).

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