Energieversorgung unter Druck: Was der Berliner Stromausfall lehrt

Experten empfehlen Ringleitungen und dezentrale Energiesysteme für höhere Resilienz

Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz am 3. Januar 2026 liefert wichtige Erkenntnisse für die Energieversorgung: Fachleute fordern resilientere Netzstrukturen mit Ringleitungen und mehr Transformatoren. Gleichzeitig empfehlen sie Haushalten, sich durch dezentrale Energiesysteme unabhängiger zu machen.
Blackout © Bild von Alexandra_Koch auf Pixabay
© Bild von Alexandra_Koch auf Pixabay

Lehren aus dem Berliner Stromausfall

Nach dem großflächigen Stromausfall im Berliner Versorgungsnetz fließt mittlerweile in allen betroffenen Haushalten wieder Strom. Die sukzessive Wiederinbetriebnahme der Teilabschnitte konnte den Normalzustand wiederherstellen. Der Vorfall zeigt jedoch: Die Energieinfrastruktur bleibt die Achillesferse einer modernen Gesellschaft und lässt sich relativ leicht angreifen – mit enormem wirtschaftlichem Schaden.

Die angespannte weltpolitische Lage und multiple Bedrohungen machen das Thema Absicherung kritischer Infrastruktur dringlicher. Fachleute fordern seit langem mehr Aufmerksamkeit für diesen Bereich, besonders vor dem Hintergrund möglicher Angriffsszenarien.

Netzarchitektur als Schlüssel zur Versorgungssicherheit

Thomas Bürkle, Vizepräsident des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), sieht Handlungsbedarf: „Wir müssen uns auch für den Ernstfall wappnen und unsere Stromnetze resilienter machen. Dazu zählen Notfallpläne, aber auch dass man Netze engmaschiger plant und baut, mehr Transformatoren einsetzt und verstärkt mit Ringleitungen arbeitet. Das sorgt dafür, dass im Notfall nur Teilbereiche betroffen sind.“

Die technischen Maßnahmen zielen darauf ab, die Auswirkungen von Ausfällen räumlich zu begrenzen. Engmaschigere Netzstrukturen und redundante Versorgungswege erhöhen die Ausfallsicherheit erheblich.

Dezentrale Lösungen für Ein- und Mehrfamilienhäuser

Bewohner von Ein- und Mehrfamilienhäusern können sich mit Photovoltaik-Anlagen und Stromspeichern unabhängiger vom Versorgernetz machen. Der selbst erzeugte und gespeicherte Strom steht dem Gebäude auch bei einem Netzausfall zur Verfügung. Die Effekte fallen in sonnenreichen Zeiten größer aus als im Winter bei wenig Sonneneinstrahlung.

Die Investition rechnet sich dennoch, da die Abhängigkeit von Strom im Zuge der Elektrifizierung zunimmt und die Gefahr von Angriffen auf Stromnetze wächst. Wichtig dabei: Die Photovoltaik-Anlage muss über eine Notstromfunktion verfügen, die eine Trennung vom Netz ermöglicht.

Bidirektionales Laden als Alternative

Mieter und Eigentümer in Mehrparteienhäusern können auf bidirektionales Laden setzen. Elektrofahrzeuge dienen dabei als Speicher, der zuvor aus dem Netz geladenen Strom wieder ins Hausnetz einspeisen kann. Auto und Ladeinfrastruktur müssen allerdings die notwendigen technischen Voraussetzungen erfüllen.

Der Gesetzgeber hat Ende Dezember 2025 mit dem Stromsteuergesetz sowie dem Gesetz zur Änderung des Energiewirtschaftsrechts zur Stärkung des Verbraucherschutzes im Energiebereich wichtige Weichen gestellt, um bidirektionales Laden zu erleichtern.

Wachsende Abhängigkeit erfordert Vorsorge

„Unsere Gesellschaft wird immer elektrischer. Das bedeutet: Die Abhängigkeit vom Strom wächst noch weiter. Und das macht uns verwundbar“, warnt Thomas Bürkle. Er empfiehlt Netzbetreibern wie Verbrauchern, sich rechtzeitig mit dem Thema Absicherung auseinanderzusetzen.

Die rund 50.000 elektrohandwerklichen Betriebe in Deutschland verfügten über das notwendige Know-how und die Erfahrung, um Netzbetreiber und Haushalte bei der Sicherung der Stromversorgung zu unterstützen, heißt es beim ZVEH. (mb)

www.zveh.de

Quelle: ALLPLAN Deutschland GmbH

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