Der Deutsche Bundestag hat mit dem „Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung“ ein zentrales Signal für schnelleren Wohnungsbau gesetzt. Das im Oktober 2025 in Kraft getretene Gesetz erleichtert es Kommunen, über Ausnahmen von bestehenden Bauvorschriften Nachverdichtungen, Aufstockungen und Umnutzungen schneller zu genehmigen. Bundesbauministerin Verena Hubertz bezeichnet das Instrument als „mutige Experimentierklausel und Chance für unsere Städte und Kommunen“ und betont: „Wir haben mit dem Bau-Turbo ein neues und mutiges Instrument, das unser Land voranbringen wird“.
Bestandsausbau statt Flächenversiegelung
Vor diesem Hintergrund verweist der Bundesverband der Gipsindustrie auf das erhebliche Potenzial im Bestandsbau. Gerade dort ermöglichen Aus- und Umbaulösungen mit Gipsbaustoffen die zügige Schaffung zusätzlicher Wohnflächen, ohne dass Kommunen weiteres Bauland in Anspruch nehmen und zusätzliche Flächen versiegeln müssen. Grundstücks- und Erschließungskosten entfallen, da Bauherren bestehende Gebäude und Infrastruktur nutzen – das reduziert die Gesamtkosten erheblich.
„Gipsbaustoffe ermöglichen es, durch Umbauten und Aufstockungen in sehr kurzer Zeit zeitgemäßen und bedarfsgerechten Wohnraum wirtschaftlich zu realisieren“, erklärt Dipl.-Ing. Holger Ortleb. „Insbesondere im Bestand bieten moderne Trockenbausysteme ein hohes Leistungsvermögen. Zusätzlicher Wohnraumbedarf kann damit zügig und effizient geschaffen werden“, unterstreicht der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Gipsindustrie und der Forschungsvereinigung der Gipsindustrie.
Gipsbaustoffe: Jahrzehnte technischer Weiterentwicklung
Gipsbaustoffe spielen im Ausbau eine zentrale Rolle. „Gipsplatten, Gipsfaserplatten und Gips-Wandbauplatten wurden über die vergangenen Jahrzehnte hinweg kontinuierlich technisch weiterentwickelt und systematisch optimiert“, betont Holger Ortleb. „Sie stehen heute für einen qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Ausbau, der hohen Anforderungen an Brand- und Schallschutz sowie an Gesundheit gerecht wird.“
Trockenbausysteme auf Gipsbasis erlauben eine zügige, wirtschaftliche und zugleich flexible Realisierung von Wand-, Decken- und Bodenkonstruktionen. Das Einsatzspektrum reicht vom Dachgeschossausbau über Nachverdichtung in Holzbauweise bis zur Modernisierung und Sanierung von Feuchträumen mit imprägnierten Platten beziehungsweise zementgebundenen Systemen. Darüber hinaus stehen speziell entwickelte Plattentypen zur Verfügung, die Planer auch für definierte Anwendungen im Außenbereich einsetzen können.
Warum Trockenbau Bauzeit spart
Der zentrale Zeitvorteil der Trockenbauweise liegt in der feuchtigkeitsarmen Verarbeitung: Da Handwerker im Trockenbau nahezu keine zusätzliche Feuchtigkeit einbringen, entfallen Trocknungszeiten, und nachfolgende Gewerke können praktisch unmittelbar weiterarbeiten. Schlanke, leichte und zugleich stabile Konstruktionen schaffen zusätzliche vermietbare Fläche, ohne die Statik zu überlasten.
Brand-, Schall- und Feuchteschutz in einem System
Gips bringt als nicht brennbarer Baustoff einen materialbedingten Vorteil im Brandschutz mit: Das kristallin gebundene Wasser im Material wirkt im Brandfall feuerhemmend. Beim Schallschutz erreichen leistungsfähige Systemaufbauten hohen akustischen Komfort. Zudem regulieren Gipsbaustoffe die Luftfeuchtigkeit, indem sie Feuchtigkeit aufnehmen, speichern und bei Bedarf wieder abgeben – das sorgt für ein ausgeglichenes Raumklima.
Kreislauffähiger Baustoff
Auch ökologisch bietet der mineralische Baustoff Vorteile: Nach dem Einbau lassen sich Gipsplatten wieder aufbereiten und durch Recycling in ihren ursprünglichen Zustand zurückführen – ein Argument, das beim ressourcenschonenden Bauen zunehmend Gewicht bekommt.
Gipsindustrie fordert Verknüpfung von Verfahren und Bauweise
Der Bundesverband der Gipsindustrie zieht eine klare Schlussfolgerung: „Wenn der Bau-Turbo sein Potenzial voll entfalten soll, müssen beschleunigte Genehmigungsverfahren mit ebenso effizienten Bauweisen kombiniert werden“, so Holger Ortleb. Nur mit leistungsfähigen Trockenbausystemen lasse sich das politische Ziel verkürzter Bauzeiten in die Praxis überführen: „Trockenbausysteme mit Gips ermöglichen es, die angestrebte Beschleunigung tatsächlich in bezugsfertigen Wohnraum zu übersetzen.“ (mb)