Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF), vertreten durch das Staatliche Bauamt Passau, lässt das historische Gebäude aus dem Jahr 1790 umfassend sanieren und um einen westlichen Anbau ergänzen. Leipfinger-Bader fertigte die tonnenschweren Wandelemente im Werk in Pfeffenhausen bei Landshut unter konstanten Qualitätsbedingungen und lieferte sie anschließend zur Baustelle.
Das Nawareum erweitert seine Flächen
Das Nawareum, betrieben vom Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ), vermittelt als Mitmach-Museum Wissen über nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien. Nach der Eröffnung des Hauptgebäudes im Jahr 2023 folgt nun der zweite Bauabschnitt. Das Gärtnerhaus soll künftig eine interaktive Ausstellung zum Thema nachhaltiges Sanieren und zur Hausgeschichte beherbergen. Ein benachbartes Gebäude nimmt Büros, einen Pädagogikbereich mit Werkstatt und Experimentierküche auf. Das Gebäude selbst – Baukonstruktion wie Gebäudetechnik – wird dabei Teil der Ausstellung. Im Außenbereich entstehen ein traditioneller Bauerngarten sowie ein Vorplatz mit heimischen, trockenheitsresistenten Pflanzen.
Reallabor für die TU München
Der Lehrstuhl für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen der TU München begleitet die Sanierung als Forschungsprojekt. Zunächst analysierte das Team Ausführungsvarianten der Bauteilaufbauten über den gesamten Lebenszyklus ökobilanziell und stellte sie gegenüber. Der Vergleich liefert Aufschlüsse über den optimalen Materialeinsatz bei Sanierungen hinsichtlich ökologischer Wirkungen. Darauf aufbauend erstellt der Lehrstuhl eine Ökobilanzierung der gewählten Ausführungsvariante. Um den Lebenszyklusansatz zu vervollständigen, fließt der jährliche Energiebedarf aus dem Wärmeschutznachweis in die Berechnungen ein. Abschließend untersucht das Forschungsteam die Wiederverwendbarkeit der eingesetzten Materialien.
Vorfertigung statt Baustellenfertigung
Die Stampflehmwand verbindet traditionelle Lehmbauweise mit industrieller Fertigung und löst damit mehrere Probleme der Baustellenproduktion: Kalkulierte Trocknungszeiten vermeiden Bauzeitverzögerungen, der aufwändige Schalungs- und Gerüstbau entfällt ebenso wie die Lärmbelastung durch das Stampfdruckverfahren vor Ort. Zudem blockiert das Material keinen Platz auf der Baustelle, und der Personaleinsatz sinkt. Die Vorfertigung gewährleistet eine gleichbleibende Rohdichte und erlaubt eine präzise Planung des Bauablaufs.
Ökologische Eigenschaften des Baustoffs
Lehm besteht aus regional verfügbaren Rohstoffen, erfordert keine thermische Verarbeitung und lässt sich vollständig recyceln. Der Baustoff reguliert die Luftfeuchtigkeit, emittiert keine Schadstoffe und bindet temporär CO₂. Durch seine Masse unterstützt er die thermische Speicherfähigkeit von Gebäuden und senkt so langfristig den Energiebedarf für Heizung und Kühlung.
Tonnenschwerer Transport und Montage per Mobilkran
Die drei Wandelemente fertigte Leipfinger-Bader mit lokal gewonnenem Lehm nach den individuellen Vorgaben der Planung. Die Trocknung erfolgte bei Umgebungstemperatur – da kein Brennvorgang nötig ist, weist das Bauteil eine reduzierte CO₂-Bilanz auf. Nach dem kontrollierten Trocknungsprozess lud das Team die Elemente mit Wechselbrücke und Traverse auf den Lkw. Vor der Baustelle sicherte eine halbseitige Straßensperrung das Entladen. Ein Mobilkran setzte die Elemente nacheinander an die richtige Position. Projektleiter und Lehmbauexperte Peter Gmeiner leitete die Montage: Die drei Elemente versetzte das Team mit Dünnbettmörtel und verdübelte sie.
Zwischen Funktionalität und Ästhetik
Die Stampflehmwände verbinden konstruktive Robustheit mit einer besonderen Oberflächentextur, die je nach verwendetem Lehm und Zuschlagstoffen variiert. Die Textur in Straubing basiert auf Baulehm mit gemischtkörnigen steinigen Zuschlägen. Entscheidend für die Qualität: Stampflehmmischungen müssen während des Bauprozesses erdfeucht und homogen sein. Zu feuchte Mischungen kleben, zu trockene erreichen nicht die nötige Festigkeit. Ungleichmäßige oder zu schnelle Trocknung führt zu Rissbildungen und Verformungen. „Lehmbau ist Emotion und Kunst zugleich“, betont Peter Gmeiner. „Dabei ist jedes Produkt ein Unikat – wertvoll und viel mehr als nur eine bloße Wand.“ Genau an diesem Punkt zeigt die Vorfertigung ihren Vorteil: In Straubing hätte die Produktionsphase der Stampflehmwand ohne Werksfertigung genau in den Winter fallen müssen. Frostschäden hätten die Elemente gefährdet und den Trocknungsprozess zum Stillstand gebracht. (mb)
Projekt: Sanierung des historischen Gärtnerhauses des Museums NAWAREUM, Schulgasse 25, Straubing
Auftraggeber: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF), München, vertreten durch das Staatliche Bauamt Passau, Passau
Träger: Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe, Straubing
Architektur: Koller Singhof Architekten, Passau
Projektpartner: Lehrstuhl Energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen der Technischen Universität München, München
Stampflehm-Fertigwand: Leipfinger-Bader, Werk Pfeffenhausen
Finanzierung: Freistaat Bayern, Körperschaft des öffentlichen Rechts
Bauzeit: 2024 bis Ende 2026