Anderes Täterprofil, anderes Angriffsbild
Bisherige Normen zum Einbruchschutz basieren auf einem klar definierten Szenario: Täter gehen planvoll, unter Zeitdruck und möglichst geräuscharm vor, um unentdeckt zu bleiben. Vandalen folgen einer anderen Logik. Sie agieren ungehemmt, mit erheblicher Gewalt und teils in Gruppen – und greifen dabei auf Gegenstände aus dem öffentlichen Raum zurück: Verkehrsschilder, Pflastersteine, Gullydeckel. Gefährdet sind dabei nicht nur abgelegene Gebäude, sondern gerade exponierte Bauwerke an Hauptstraßen, Plätzen oder Zugängen zu Stadien.
Drei Klassifizierungen für unterschiedliche Bedrohungslagen
Die Richtlinie EI-06/1 „Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen – Anforderungen und Prüfverfahren“ definiert grundlegende Begriffe, typische Angriffsszenarien und unterschiedliche Schutzniveaus. Sie unterscheidet drei Kategorien: „Vandalismus-Widerstand“ (FE, Force Entry) bewertet den Widerstand gegen gewaltsame Einwirkung mit untypischen Werkzeugen. Ergänzend kommen „Durchwurf geprüft“ (TP, Throwing Projectiles) und „Brandsatz geschützt“ (LS, Liquid Save) hinzu. Die Widerstandsklassen FE 1 bis FE 5 bilden dabei die meisten Vandalismus-Risiken verlässlich ab.
Gezielte Anpassungen statt Neuentwicklung
Sälzer hat sein bestehendes Produktportfolio – Fenster-, Tür- und Fassadensysteme – einem umfassenden Abgleich mit den neuen Anforderungen unterzogen. Das Ergebnis der Realtests zeigte, dass die vorhandenen Bauelemente bereits ein hohes Schutzniveau erreichten. Gezielte Anpassungen betrafen die Glaseinbindung, die Glasauswahl und die Verriegelungseinheit; zusätzlich überprüfte Sälzer die Elementanschlüsse an das Bauwerk.
Im Mittelpunkt der zertifizierten Lösungen stehen robuste Konstruktionen, widerstandsfähige Oberflächen und austauschbare Komponenten, die sich von geschulten Technikern warten und instand halten lassen. Damit integriert Sälzer vandalismushemmende Eigenschaften in seine bestehenden Schutzsysteme – einschließlich Einbruch-, Durchschuss- und Explosionsschutz.
Werkzeug für Planer und Betreiber
Planern, Bauherren und Betreibern gibt die neue ift-Richtlinie eine Orientierung, wie sich Vandalismus-Risiken systematisch erfassen und reduzieren lassen – von der Einschätzung der Gefährdungslage über die Formulierung der Schutzziele bis zur Planung technischer und organisatorischer Maßnahmen. Auch für Sonderkonstruktionen steht damit erstmals ein verlässliches Regelwerk zur Verfügung. Die Lösungen eignen sich für öffentliche Gebäude, Gewerbeimmobilien und sensible Infrastrukturen – planbar in der jeweils erforderlichen Widerstandsklasse. (mb)