Anlässlich des Durchbruchs würdigte Panamas Präsident José Raúl Mulino die Leistung der Beteiligten: „Ich gratulieren Ihnen allen, die diese herausfordernde Expedition unter dem Kanal möglich gemacht haben.“ Der rund 4,5 Kilometer lange Tunnel bildet das Kernstück der neuen Metrolinie 3, die westliche Vororte mit der Innenstadt von Panama-Stadt verbinden soll. Täglich pendeln dort morgens und abends jeweils 150.000 Menschen über eine Brücke – und stehen für rund 25 Kilometer oft mehrere Stunden im Stau. César Pinzón, Direktor der Metro Panama, ordnete den Meilenstein bei der Feierlichkeit in der Station Balboa ein: „Dieser erste Abschnitt ist für Tausende von Einwohnern ein konkretes Zeichen dafür, dass die versprochene Zukunft näher rückt mit einer schnellen und sicheren Mobilität.“
Komplexe Geologie in 60 Metern Tiefe
Zum ersten Mal unterquert eine Tunnelbohrmaschine den Panamakanal. Die Vorgaben der Kanalbehörde schreiben vor, dass der Vortrieb die Betriebssicherheit der Wasserstraße zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigen darf. Die Geologie stellt die Tunnelbauer vor besondere Herausforderungen: Mehr als 60 Meter unter dem Meeresspiegel herrscht hoher Grundwasserdruck. Das Konsortium HPH – bestehend aus Hyundai Engineering & Construction, Posco Engineering & Construction und Hyundai Engineering – entschied sich deshalb für einen Mixschild von Herrenknecht. Dieser Maschinentyp beherrscht wechselhafte Baugrundbedingungen und hohen Wasserdruck. Um die U-Bahn zweigleisig durch den Tunnel führen zu können, planten die Ingenieure einen Bohrdurchmesser von 13,5 Metern – die größte Maschine dieser Art in Lateinamerika.
Begehbares Schneidrad für den Werkzeugwechsel
Die Herrenknecht-Ingenieure statteten die Maschine in enger Abstimmung mit dem Konsortium mit einem begehbaren Schneidrad aus. Der Wechsel der Abbauwerkzeuge an der Vorderseite des Schneidrads erfolgt dabei von der Rückseite unter atmosphärischem Druck – ein entscheidender Vorteil bei der Arbeit in großer Tiefe unter hohem Grundwasserdruck.
Umfangreiches Equipment für den gesamten Vortrieb
Francisco Avila, CEO der Herrenknecht-Landesgesellschaft in Panama, beschreibt das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten: „Es war am Ende ein großes Paket, das wir spezifisch auf die Anforderungen des Kunden hin angeboten und geschnürt haben. Zum Beispiel: Schalungen für die Tübbinge zur Auskleidung des gebohrten Tunnels, eine Separationsanlage für die Aufbereitung des abgebauten Bodens, drei Multiservice-Fahrzeuge für die Tunnel- und Baustellenlogistik oder Systeme zur präzisen Navigation der riesigen Maschine.“
Bauherr: Panama Metro
Auftraggeber: Consorcio HPH Joint Venture (Hyundai Engineering & Construction Co., Ltd., Posco Engineering & Construction Co., Hyundai Engineering Co. Ltd.)
Anwendung: U-Bahn
Tunnellänge: 4,5 km
Geologie: Tuff, Sandstein, Tonstein, Tone und Sande, Basalt, Brekzien, Andesit, pyroklastische
Gesteine
MASCHINENDATEN
Maschinentyp: Mixschild
Durchmesser: 13.460 mm
Antriebsleistung: 5.600 kW
Drehmoment: 26.616 kNm
Über 4.500 Sensoren liefern Echtzeitdaten
Zusätzlich nutzt das Konsortium die digitale Plattform Herrenknecht.Connected. Jürgen Hoss, Leiter im Projektmanagement von Herrenknecht, erläutert deren Bedeutung: „Alleine die TBM ist mit über 4.500 Sensoren ausgestattet. Deren Daten im Blick zu behalten und sie für die Steuerung von Prozessen zu nutzen, ist eine Herausforderung. Die Tools und Dashboards von Herrenknecht.Connected sind die Lösung. So haben alle Beteiligten im Projekt Zugriff auf Echtzeitdaten aus dem laufenden Vortrieb – vom Bauherrn und den Partnern im internationalen Joint Venture bis hin zu unserem Team in Deutschland.“
150 Tübbingringe pro Monat als Bestleistung
Seit dem Vortriebsstart im September 2024 am westlichen Ufer des Panamakanals steigerten die Teams die Leistung der Großmaschine kontinuierlich. Die kritische Kanalunterquerung meisterten sie ohne problematische Vorfälle. Im Oktober 2025 erreichten sie ihre bisherige Bestleistung von 150 Tübbingringen beziehungsweise 300 Metern pro Monat. Nach dem Durchbruch in die zukünftige Station Balboa am 2. Februar 2026 unterstützen Herrenknecht-Spezialisten nun das Team des Konsortiums HPH dabei, die Maschine für die letzte Etappe von rund 1,5 Kilometern bis zum finalen Durchbruch vorzubereiten. (mb)