Lediglich die unteren Paneele erhalten eine Blechabdeckung aus Aluminium, die mit der Wandbekleidung aus Gastronorm-Edelstahlbehältern im Vorraum korrespondiert. Die Betriebsgarage, in die das Tor führt, gliedert sich in zwei Hälften: eine offen zugängliche für den Hotelpark, eine zweite – hinter dem Hörmann-Tor – für Facility-Management und Betriebslogistik.
Das Wiener Architekturbüro PPAG hatte den Wettbewerb für die Erweiterung der Liegenschaft von Heinz Reitbauer junior gewonnen. Die Planungsphase fiel mitten in die Corona-Pandemie. Die historischen Bestandsgebäude sanierte man konsequent oder „kehrte sie aus“, wie es vor Ort heißt. Hinzu kamen mehrere heterogene Zu- und Anbauten.
Ober- und unterirdisch vernetzt
Das Ensemble aus Altbauten, Salettl (österreichisch für Gartenpavillon), Schankküche, Dienstwohnung und zwei Glashäusern verbindet ein unterirdisches Erschließungssystem im Erdgeschoss – ausgenommen Bestandsgebäude und Salettl. Die Einfahrt zur Betriebsgarage unterhalb des Glashauses macht diese Struktur für Besucher ablesbar.

Materialmix zwischen Wald und Labor
Am Pogusch treffen örtliches Holz und Bio-Wollfilz auf Fassadenplatten aus Alu-Schaum am Salettl-Anbau und Waschbecken aus dem 3D-Drucker. Diese Materialdialektik spiegelt das Gesamtkonzept: Rund 500 essbare Kräuter-, Pflanzen-, Zitrus- und selten gewordene Streuobstarten wachsen in Gärten und neu errichteten Glashäusern. Was auf den Tellern landet, stammt so weit wie möglich aus eigener Produktion – Gemüse, Früchte, Fleisch und Kräuter inklusive.
Zwei Temperaturen, ein System
Zwei Glashäuser ergänzen den Komplex funktional: Das „kalte“ Glashaus bleibt frostfrei und beherbergt die sogenannten Kabanen – bewusst reduzierte Übernachtungseinheiten mit Gemeinschaftsbad zwischen den Kräuterbeeten. Das benachbarte „warme“ Glashaus versorgt die Küche ganzjährig mit Pflanzen. Übernachtungsgäste wohnen damit buchstäblich an der Quelle der Küche.
Standort: Pogusch 21, Pogusch, AT
Bauherr: Steirereck Stadtpark GmbH, Wien, AT
Architekt: PPAG architects, Wien, AT
Tragwerksplanung: Werkraum Ingenieure, Wien, AT
Vegetationskonzept Glashäuser: Green4Cities, Wien, AT
Brutto-Grundfläche Bestand: 756 m²
Brutto-Grundfläche Neubau: 2.957 m²
Fertigstellung: 2022
Fotos: Laura Thiesbrummel, München, DE
Hörmann-Produkte: Industrie-Sektionaltor ALR F42
Regional, autark, international verortet
Der Komplex arbeitet nahezu energieautark und bezog sämtliche Handwerksbetriebe aus der Region. Die beiden Restaurants Wirtshaus und Schankküche positionieren sich bodenständiger als das Wiener Steirereck – ohne dabei dem internationalen Trend der herkunftsorientierten Kulinarik zu widersprechen. Gäste können nicht nur sehen, woher die Produkte stammen. Sie können, wie es heißt, „regelrecht zuhören, wie Pimpinelle, Estragon und Bockshornklee wachsen.“ (mb)