Steinwolle-Granulat schützt Rabitzdecke im Berliner Kino International

Denkmalgerechte Sanierung ersetzt Dämmung durch nichtbrennbares Material

Nichtbrennbares Steinwolle-Granulat schützt künftig die historische Rabitzdecke im Kino International an der Berliner Karl-Marx-Allee. Das Unternehmen Cogito hat das Material auf die wellenförmige Decke aufgebracht und damit die alte Karmelitdämmung aus DDR-Zeiten ersetzt. Die Generalsanierung des Kinodenkmals erfordert neben der Schadstoffbeseitigung auch die Verbesserung des Brandschutzes.
Der Kinosaal bleibt in seiner ursprünglichen Gestaltung und mit den Materialien der frühen 1960er-Jahre erhalten. Die wellenförmige Akustikdecke wurde mit einer nichtbrennbaren Steinwolle-Dämmung auf ihrer Rückseite zukunftsfähig gemacht. © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der Kinosaal bleibt in seiner ursprünglichen Gestaltung und mit den Materialien der frühen 1960er-Jahre erhalten. Die wellenförmige Akustikdecke wurde mit einer nichtbrennbaren Steinwolle-Dämmung auf ihrer Rückseite zukunftsfähig gemacht. © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn

Erstmals längere Schließung seit 1963

Das Kino International öffnete am 15. November 1963 seine Türen und steht seit Beginn des 21. Jahrhunderts unter Denkmalschutz. Die Yorck Kinogruppe als Betreiberin führte bereits in den 2010er-Jahren dringende Sanierungsarbeiten durch. Im Mai 2024 begann eine Generalsanierung, für die das Haus erstmals in seiner Geschichte für einen längeren Zeitraum geschlossen bleibt. Die Wiedereröffnung plant die Betreiberin für das Frühjahr 2026.

Um neun Meter kragt das Obergeschoss des Berliner Kino International mit seinem großen Vorführsaal über das Erdgeschoss hinaus. Das Gesamtgebäude wird gerade einer denkmalschutzgemäßen Komplettsanierung unterzogen. Die Relieffassade bleibt vollständig erhalten. © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Um neun Meter kragt das Obergeschoss des Berliner Kino International mit seinem großen Vorführsaal über das Erdgeschoss hinaus. Das Gesamtgebäude wird gerade einer denkmalschutzgemäßen Komplettsanierung unterzogen. Die Relieffassade bleibt vollständig erhalten. © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn

Wellenförmige Decke prägt den Saal

Der leuchtend weiße Baukörper kragt über dem Eingangssockel rund neun Meter vor. Die verglaste Hauptfassade dominiert den Kinotrakt. Im Vorführsaal staffeln sich blaugepolsterte Sitzreihen hinunter zur Bühne, vor der sich eine Leinwand mit einer Breite von 17,5 Metern erstreckt. Die abgehängte Akustikdecke schwingt sich in Wellen der Leinwand entgegen. Die Decke entstand in Rabitztechnik und hängt an einer Tragkonstruktion aus Stahl, in die ein Laufweg aus Gitterrosten integriert wurde.

Schadstoffbeseitigung macht Neuaufbau nötig

Im Zuge der Schadstoffbeseitigung und zur Verbesserung des Brandschutzes bauten Fachleute die alte Karmelitdämmung aus den 1960er Jahren aus. Für die Erneuerung der Dämmung über der gesamten Decke verlegten Mitarbeiter zusätzliche Laufwege aus Holzplanken. Die Tragkonstruktion aus Stahl befindet sich in sehr gutem Zustand. Auf den Laufwegen bewegten sich die Experten sicher und führten Schläuche mit sich, über die sie das Steinwolle-Granulat auf die Decke aufblasen.

Die Rabitzdecke über dem Kino-Vorführsaal hängt an einer gut erhaltenen Konstruktion aus Edelstahl. Für einen sicheren Zugang zu allen Deckenbereichen während der Dämmarbeiten wurde die vorhandene Gitterrost-Brücke durch begehbare Holzstege ergänzt. © DEUTSCHE ROCKWOOL GmbH & Co. KG
Die Rabitzdecke über dem Kino-Vorführsaal hängt an einer gut erhaltenen Konstruktion aus Edelstahl. Für einen sicheren Zugang zu allen Deckenbereichen während der Dämmarbeiten wurde die vorhandene Gitterrost-Brücke durch begehbare Holzstege ergänzt. © DEUTSCHE ROCKWOOL GmbH & Co. KG

Schmelzpunkt über 1000 Grad Celsius

Die Verantwortlichen entschieden sich für das Granulat Fillrock RG aus Gründen des Brandschutzes. Das Material besteht aus Steinwolle mit einem Schmelzpunkt von über 1000 Grad Celsius. Ziel war es, eine fugenlose Dämmlage von 160 Millimetern auf der gesamten Decke zu erreichen. Nach dem Aufbringen benetzten die Handwerker das Granulat mit Kaliwasserglas, um die Dämmung zu fixieren und in ihrer Lage zu sichern. Die Raumakustik im Vorführraum profitiert von der Masse der neuen Steinwolle-Dämmung ebenso wie der Brandschutz.

Drei Bauabschnitte über Saal, Bühne und Bar

Das Unternehmen Cogito aus Müncheberg führte die Dämmung aus. Das Unternehmen hat sich auf Dämmungen mit Granulaten spezialisiert. Fillrock RG ist ein nichtbrennbares, flockenförmiges Granulat aus Steinwolle in der Wärmeleitstufe 038. Cogito-Geschäftsführer Gerd Seume spricht von einem „für uns nicht ungewöhnlichen Einsatz, allerdings in einem ungewöhnlichen Denkmal“. Sein Team brachte Deckendämmungen in drei Bauabschnitten ein: über dem großen Vorführraum, über der Bühne hinter der Leinwand und über der Panorama-Bar, die ebenfalls im vorkragenden Obergeschoss untergebracht ist.

Das nichtbrennbare Steinwolle-Granulat „Fillrock RG“ wurde zu einer geschlossenen Dämmlage auf der historischen Decke verarbeitet. Die vor dem Gebäude aufgestellte Einblasmaschine förderte das Granulat durch robuste Schläuche über viele Meter in den Dachraum über der Rabitzdecke. © DEUTSCHE ROCKWOOL GmbH & Co. KG
Das nichtbrennbare Steinwolle-Granulat „Fillrock RG“ wurde zu einer geschlossenen Dämmlage auf der historischen Decke verarbeitet. Die vor dem Gebäude aufgestellte Einblasmaschine förderte das Granulat durch robuste Schläuche über viele Meter in den Dachraum über der Rabitzdecke. © DEUTSCHE ROCKWOOL GmbH & Co. KG

Angepasstes Verfahren schont Gipsdecke

Das Team der Cogito GmbH verfügt über Erfahrung in der Verarbeitung eines Steinwolle-Granulats mit Wasserglaskleber. Mit Blick auf die Rabitzdecke aus Gips entschied Geschäftsführer Seume, den Kleber nicht wie sonst üblich gemeinsam mit dem Granulat aufzuspritzen, sondern nur einmalig am Ende des Aufblasens. „So konnten wir die Menge der Feuchtigkeit im Auftrag reduzieren“, erklärt Seume.

Seume prüfte die Ausschreibung der Dämmarbeiten mit der Technischen Beratung und dem Produktmanagement der Deutschen Rockwool. „Eine angenehme und konstruktive Zusammenarbeit, die wir jederzeit gerne wieder in Anspruch nehmen. Die fachkundige Beratung und die Betreuung der Baustelle durch den Vertrieb des Herstellers ist hilfreich und zielführend.“

Kontinuierlich wurde mit einen Stabmaß geprüft, ob die angestrebte Dämmdicke erreicht ist und der Wasserglaskleber aufgebracht werden kann. © DEUTSCHE ROCKWOOL GmbH & Co. KG
Kontinuierlich wurde mit einen Stabmaß geprüft, ob die angestrebte Dämmdicke erreicht ist und der Wasserglaskleber aufgebracht werden kann. © DEUTSCHE ROCKWOOL GmbH & Co. KG

Recyclingfähiges Material mit geringem Setzmaß

Als Schüttdämmung aufgebracht erreicht das Granulat Fillrock RG mit einer Dichte von 45 bis 55 Kilogramm pro Kubikmeter die Wärmeleitstufe 038. Das Setzmaß liegt bei maximal zehn Prozent. Im Falle eines Rückbaus lässt sich das Steinwolle-Granulat recyceln und ohne Wertverlust zu neuen Steinwolle-Produkten verarbeiten. Die Deutsche Rockwool bietet dazu das Rücknahmesystem Rockcycle an. (mb)

www.rockwool.com

Bautafel

Bauherr: Yorck-Kino GmbH, Berlin
Architektur: Dickmann Richter Architekten PartG mbB, Berlin
Einblas-Deckendämmung: Cogito GmbH, Müncheberg
Beratung Dämmung: DEUTSCHE ROCKWOOL GmbH & Co. KG, Gladbeck

Quelle: ALLPLAN Deutschland GmbH

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