Sensortechnik beschleunigt Gips-Recycling im Bausektor

Würzburger Wissenschaftler entwickeln KI-System zur Störstoffdetektion

Würzburger Wissenschaftler haben ein KI-System zur Störstoffdetektion in Gipsabfällen entwickelt. Das Institut für Digital Engineering (IDEE) entwickelte im Rahmen des bayerischen Projektverbunds „ForCYCLE Technikum" ein KI-gestütztes Charakterisierungsverfahren, das Störstoffe in Bauabfällen automatisiert erkennt und das Gips-Recycling im Bausektor beschleunigt. Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) hat das Forschungsprojekt „Ressourceneffiziente Recycling-Trockenbauplatten – GIPScycle" nun abgeschlossen.
Prof. Dr.-Ing. Bastian Engelmann und Markus Wilhelm sowie Projektbeteiligte von ForCYCLE Technikum treffen den bayrischen Umweltminister Thorsten Glauber und die Leiterin des bayrischen Ressourceneffizienz-Zentrums Dr. Simone Richler © Ralf Rödel
Prof. Dr.-Ing. Bastian Engelmann und Markus Wilhelm sowie Projektbeteiligte von ForCYCLE Technikum treffen den bayrischen Umweltminister Thorsten Glauber und die Leiterin des bayrischen Ressourceneffizienz-Zentrums Dr. Simone Richler © Ralf Rödel

Echtzeit-Analyse von Gipsabfällen

Gipsabfälle aus dem Rückbau enthalten häufig Verunreinigungen, die Recyclingprozesse beeinträchtigen oder die Qualität des Endprodukts mindern. Die Forschenden entwickelten ein System, das mittels Sensorik und künstlicher Intelligenz gipshaltige Abfälle in Echtzeit analysiert. Das Verfahren identifiziert Störstoffe wie siloxanbasierte Additive – Silikonverbindungen auf Basis von Silicium und Sauerstoff, beispielsweise Silikonöle – oder kritische Verunreinigungen wie Asbest zuverlässig.

„Durch den Einsatz von KI können wir Störstoffe heute wesentlich schneller detektieren als mit konventionellen Labormethoden“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Bastian Engelmann. „Diese exakte und schnelle Charakterisierung ist die Grundvoraussetzung, um Gipsabfälle sicher als hochwertigen Rohstoff in den Produktionskreislauf zurückzuführen.“

Industrielle Umsetzung und Datensouveränität

Das Center for Applied Energy Research e. V. (CAE) in Würzburg validierte die Messmethoden wissenschaftlich. Die Knauf Gips KG aus Iphofen stellte als Praxispartner die industrielle Anwendbarkeit sicher. Eine Webapplikation bündelt die Projektergebnisse und ermöglicht die direkte Auswertung der Daten vor Ort.

© REZ

„Die schnelle Detektion der Materialzusammensetzung ermöglicht eine unmittelbare Anpassung des Produktionsprozesses oder den Ausschluss von Material. Dies führt in der Produktion zu weniger Ausschuss und sichert eine gleichbleibende Qualität des Endprodukts“, erläutert Markus Wilhelm, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projekts, den Vorteil für die Praxis. „Dabei bietet das System volle Datensouveränität, da die Anwendung abgeschlossen auf eigenen Servern betrieben werden kann.“

Projektrahmen und Wirtschaftliche Bedeutung

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz förderte das Projekt vom 1. Oktober 2022 bis 31. Dezember 2025 mit über 700 000 Euro. Das Ressourceneffizienz-Zentrum Bayern (REZ) am Bayerischen Landesamt für Umwelt koordinierte die Arbeiten. Die entwickelte Technologie schont Primärressourcen und unterstützt die bayerische Wirtschaft auf dem Weg zu einer klimafreundlicheren Kreislaufwirtschaft, erklären Prof. Dr.-Ing. Engelmann und Vizepräsident Prof. Dr. Jan Schmitt, die das Projekt vom 1. Juli 2024 bis 31. Dezember 2025 beziehungsweise vom 1. Oktober 2022 bis 30. Juni 2024 leiteten. (mb)

www.thws.de/forschung/institute/idee/

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