Der Neubau im Süden von Regensburg schließt das Schulgelände nach Süden ab und dient als adressbildender Gebäudekopf. Er nimmt städtebaulich Bezug auf das terrassierte Bestandsgebäude. Im Inneren öffnet sich eine dreigeschossige Halle als kommunikatives Zentrum. Eine mit Eichendielen belegte Sitztreppe schafft Aufenthaltsqualität, geschwungene Galerien in den Obergeschossen ermöglichen vielfältige Blickbezüge. Über eine haushohe Glasfassade fällt Tageslicht aus dem begrünten Innenhof tief in die Halle.
Fünfeckiges Sonderformat als Gestaltungsmodul
Die rund 4.300 Quadratmeter umfassende Klinkerfassade basiert auf einem gemeinsam von GIMA und bez+kock architekten entwickelten Sonderformat in der Geometrie einer Bischofsmütze. Die Formsteine in den Maßen 300 x 90 x 71 Millimeter sowie 300 x 125 x 71 Millimeter mauerten die Handwerker lagenweise gegeneinander versetzt. Die ausgeprägte Profilierung dieser Schichtung erzeugt ein feines Relief, das je nach Sonnenstand ein wechselndes Licht-Schatten-Spiel ergibt. Die aufgeraute Oberfläche unterstreicht zusätzlich die haptische Tiefe des Mauerwerks.
Fertigung in einem Stück – ohne Schneiden und Kleben
Die rund zwölf verschiedenen Formsteinvarianten entstanden jeweils in einem Stück – mit speziellen Werkzeugen, ohne das ansonsten übliche Schneiden und Kleben. Dieses Verfahren sichert Präzision und Dauerhaftigkeit der Klinker. Ein spezielles Brennverfahren verleiht ihnen ihre nuancierte Farbigkeit. Die von den Architekten gewünschte, als „erdig-beige/tonig/leicht orange“ beschriebene Fortführung der bestehenden Materialität mit Splitt-Zuschlag stimmte GIMA im eigenen Labor auf den rötlich-orangen Ton des Bestandsgebäudes ab.
Recyclingmaterial, niedrige Wasseraufnahme, hohe Rohdichte
Bei der Materialentwicklung integrierte GIMA einen Anteil an Recyclingmaterial aus Abfällen der Natursteinverarbeitung. Die Klinker erreichen eine sehr niedrige Wasseraufnahme und eine hohe Scherbenrohdichte – bauphysikalische Kennwerte, die eine dauerhaft robuste und wartungsfreie Fassade im rauen Schulalltag gewährleisten.
Betonfertigteile als Kontrapunkt
Betonfertigteile aus dem GIMA-eigenen Werk ergänzen die Klinkerfassade. Markantes Detail sind überdimensionale Fensterfaschen mit Längen von bis zu sechs Metern, die als Sichtbetonbauteile mit speziell abgesäuerter Oberfläche die horizontalen Fensterbänder rahmen und dezent mit dem reliefierten Mauerwerk kontrastieren.
Schwalbenschwanzprofil sichert Verbund an Sturzuntersichten
Besondere Herausforderungen stellten Fertigteile mit Klinkervorsatz dar, etwa an den Sturzuntersichten. Um die Bischofsmützen-Profilierung auch dort ohne optische Brüche fortzuführen, fertigten die Hersteller die Klinker im Werk in den entsprechenden Verbänden vor. Das bewährte Schwalbenschwanzprofil auf der Rückseite der Klinkerschalen sorgt für den dauerhaft sicheren Verbund zwischen Ziegel und Beton – mechanische Verzahnung mit gestalterischer Präzision.
Projektname: Erweiterungsbau Berufsschule Regensburg
Bauherrin: Stadt Regensburg
Architektur: bez+kock architekten, Stuttgart
Fassade: GIMA Klinker, Sonderformate 300x90x71 und 300x125x71mm, Betonfertigteile mit Klinkervorsatz in den Sonderformaten
In der Verbindung von individuellem Formstein und industrieller Vorfertigung realisierten GIMA und bez+kock architekten eine Fassade, die den handwerklichen Charakter des Ziegelbaus neu interpretiert und durch ihr reliefiertes Erscheinungsbild eine eigenständige architektonische Identität entwickelt. (mb)