Französisch Buchholz blickt auf eine historische Besonderheit zurück: Ende des 17. Jahrhunderts siedelten sich hier Hugenottenfamilien an und gründeten eine französische Kolonie. Das an das Naturschutzgebiet der Karower Teiche angrenzende Quartier prägen bis heute Einfamilienhäuser, gepflegte Grundstücke und Grünflächen. Schulen, Kitas, Spielplätze, Einkaufsmöglichkeiten sowie Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs sind fußläufig erreichbar.
Gartenstadt-Prinzip mit gemeinschaftlichen Höfen
Die „Kokoni One“-Planung greift die dörfliche Atmosphäre des Ortes auf. Nach dem Vorbild historischer Gartenstädte gruppieren sich je zehn bis zwölf Häuser um gemeinschaftlich genutzte Angerhöfe. Eine zentrale Streuobstwiese mit Spiel- und Sportplatz sowie ein Gemeinschaftshaus ergänzen das Angebot. Die Bewohner wählen aus vier Hausvarianten mit bis zu 6,5 Zimmern und Wohnflächen zwischen 95 und 167 Quadratmetern. Da der Großteil der Innenwände nicht tragend ist, lassen sich Grundrisse bei veränderten Bedürfnissen umbauen.
Architektonisch unterscheiden sich die Häuser vom üblichen Reihenhausstandard: Eine sachlich gegliederte Holzfassade, ein vom Berliner Dach abgeleitetes Dachprofil sowie großformatige Fenster mit Dreifachverglasung prägen das Bild. Terrassen und Balkone auf der Rückseite lockern die geradlinige Fassade auf.
Holzbau ab Oberkante Bodenplatte
Ab der Oberkante der Bodenplatte bauen die Planer vollständig in Holzrahmenbauweise. Tragende Innen- und Außenwände erhalten eine Bekleidung aus Fermacell-Gipsfaserplatten. Die Geschossdecken bestehen aus Massivholz, das raumseitig sichtbar bleibt. Das Holz stammt aus europäischer Forstwirtschaft; laut Projektentwickler kamen dabei alte Bäume zum Einsatz, die kaum noch CO₂ binden, um Platz für klimaschonende Neubepflanzung zu schaffen. Das verarbeitete Holz sei bei Einzug „quasi bereits vollständig nachgewachsen“. Jedes Kokoni-Haus bindet nach Herstellerangaben mehr CO₂, als durch den Bau freigesetzt wird.
Durch den weitgehenden Verzicht auf Verbundmaterialien – also auf Konstruktionen, bei denen unterschiedliche Baustoffe untrennbar miteinander verbunden sind – soll die Entstehung von Sondermüll vermieden werden.
Vorfertigung bei Terhalle in Münster
Die Holzrahmenelemente entstehen in den Werkstätten der Münsteraner Unternehmensgruppe Terhalle, die 1986 als Zimmerei gegründet wurde und heute mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen ist auf schlüsselfertige Gebäude spezialisiert. Die vorgefertigten Elemente erreichen die Baustelle termingerecht zur sofortigen Montage. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglicht eine technisch präzise Abwicklung vor Ort.
Alle Außenwände erhalten raumseitig eine einlagige Beplankung mit 12,5-Millimeter-Gipsfaserplatten. Die Dämmung erfolgt mit Holzfaserdämmstoff sowie Zellulose-Einblasdämmung. Die Dachelemente folgen demselben Aufbau. Die Wohnungstrennwände sind doppelt konzipiert: eine mittig angeordnete Luftschicht von 20 Millimetern, beidseitige Holzfaserdämmung in Plattenform sowie eine Beplankung mit 2 x 18 Millimetern Fermacell-Gipsfaserplatten und 120 Millimetern Zellulose-Einblasdämmung. Den raumseitigen Abschluss bildet eine luftdicht verklebte Fermacell Vapor-Platte mit 12,5 Millimetern Stärke. Deren rückseitige Kaschierung reduziert die Wasserdampfdurchlässigkeit soweit, dass zusätzliche dampfbremsende Schichten in der Außenwandkonstruktion entfallen. Die Konstruktion erreicht ein Luftschalldämmmaß von Rw 75 dB.
Energieversorgung über Erdwärme und Photovoltaik
Erdwärmesonden und zentrale Wärmepumpen versorgen die Fußbodenheizungen. In den Sommermonaten dient dasselbe System zur passiven Kühlung. Die Trinkwasseraufbereitung erfolgt dezentral über elektrische Durchlaufsysteme. Wärmepumpenanlage, Durchlaufsysteme und Wallboxen für Elektrofahrzeuge speisen sich aus dachintegrierten Photovoltaikanlagen. Alle Häuser sind E-Mobility-ready und erlauben die Installation einer Ladestation mit bis zu elf Kilowatt.
Brandschutzklasse F30 durch Gipsfaserplatten
Die Doppelhäuser sowie das Gemeinschaftshaus fallen unter Gebäudeklasse 1 (freistehend, Höhe bis sieben Meter, maximal zwei Nutzungseinheiten bis 400 Quadratmeter) und unterliegen keinen besonderen Brandschutzanforderungen. Die Reihenhäuser hingegen zählen mit drei bis vier Nutzungseinheiten und einer Bruttonutzungsfläche über 400 Quadratmeter zur Gebäudeklasse 3. Gemäß Bauordnung Berlin müssen tragende und aussteifende Wände sowie Stützen feuerhemmend (F30) ausgeführt sein; dasselbe gilt für Trennwände zwischen Nutzungseinheiten und Geschossdecken.
Die Fermacell-Gipsfaserplatten erfüllen diese Anforderungen: Sie sind nach ETA-03/0050 zugelassen, entsprechen der Klasse A2-s1 d0 nach EN 13501-1 (nicht brennbar) und gewährleisten je nach Konstruktion Brandschutz bis F120. Die realisierten Wand- und Dachaufbauten erreichen die Brandschutzklasse F30.
Zertifizierte Ökobilanz
Fermacell-Gipsfaserplatten bestehen aus recycelten Papierfasern, Gips und Wasser und werden ohne Leimzusätze hergestellt. Das Institut Bauen und Umwelt e. V. (IBU) hat die Ökobilanz der Platten geprüft und mit einer Umwelt-Produktdeklaration (EPD) bestätigt. Die Analyse umfasst den gesamten Produktlebenszyklus von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung bis zur Entsorgung. Die Platten sind frei von gesundheitsgefährdenden Stoffen und speichern CO₂. Damit können sie in Gebäuden eingesetzt werden, die nach DGNB, BNB, BREEAM oder LEED zertifiziert werden sollen. An der Platte lassen sich Konsollasten bis 60 Kilogramm direkt befestigen. (mb)