Ein erheblicher Sanierungsstau zeichnet sich ab. Ingenieure und Kommunen stehen vor der Frage, welche Methode ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
So funktioniert das Liner-Verfahren
Beim Cure-in-Place-Pipe-Verfahren (CIPP) bringen Fachkräfte flexible, noch nicht ausgehärtete Liner durch bestehende Kanalschächte in das beschädigte Rohr ein. Druckluft presst den Liner von innen an die alte Rohrwandung, anschließend härtet UV-Licht das Material vor Ort aus. Der Werkstoff besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff – ungesättigtes Polyester-Harz kombiniert mit Glasfasern. Thermoplastische Folien aus Polyethylen oder PVC umschließen das Material für Transport und Montage.
Treibhausgasemissionen sinken um bis zu 77 Prozent
Die Ökobilanz zeigt deutliche Unterschiede: Je nach Rohrdurchmesser und Einbausituation reduziert das Liner-Verfahren die Treibhausgasemissionen um 54 bis 77 Prozent gegenüber dem Betonrohraustausch. Auch in weiteren Wirkungskategorien schneidet die grabenlose Methode besser ab. Das Institut analysierte sämtliche Wertschöpfungsschritte – von den Rohstoffen über Herstellung, Energiebedarf und Abfall bis hin zu Transport, Installation und Lebensende.
Geringerer Installationsaufwand als entscheidender Faktor
„Die positiven Effekte entstehen weniger bei der Herstellung der Liner, sondern insbesondere durch die verringerten Umwelteffekte aufgrund eines geringeren Installationsaufwand bei der Kanalverlegung“, erläutert Dr. Jan Blömer, Abteilung Nachhaltigkeitsmanagement und Partizipation bei Fraunhofer UMSICHT.
Der Grund: Das Verfahren erfordert in der Regel keine Erdbewegungen. Straßen, Grünanlagen und andere Oberflächenstrukturen bleiben intakt – aufwendige Wiederherstellungsarbeiten entfallen. Ein zusätzlicher Aspekt, den die Ökobilanz nicht quantifizierte: Die Sanierung dauert nur ein bis zwei Tage und reduziert damit die Belastung für Anwohner und Verkehrsteilnehmer erheblich. (mb)