Prof. Dr.-Ing. Martin Betzler, Präsident der Ingenieurkammer Niedersachsen, eröffnete die Veranstaltung. Die vielen Anwesenden seien ein starkes Zeichen für die Bedeutung des Berufsstandes und den Dialog zwischen Ingenieurinnen und Ingenieuren, Politik und Wirtschaft. Im Kontext der weltpolitischen Entwicklungen mahnte er für Deutschland das Ziel an, unabhängiger und selbstbewusster zu werden: „Wir brauchen Planungssicherheit, Vertrauen und Verlässlichkeit – werden aber nur zukunftsfähig sein, wenn wir unseren Sozialstaat an veränderte demografische und wirtschaftliche Realitäten anpassen.“
Kritische Infrastruktur dürfe nicht länger als Kostenfaktor betrachtet werden, sondern sei elementare Zukunftsinvestition: „Wartung ist kein Luxus, sondern Vorsorge. Ohne uns Ingenieurinnen und Ingenieure wird diese Aufgabe nicht zu bewältigen sein. Wir brauchen einen starken Mittelstand als Rückgrat der Wirtschaft und Vertrauen in junge Menschen – unseren Nachwuchs.“
Die Gastrede übernahm Matthias Wunderling-Weilbier, Staatssekretär im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium, für den verkehrsbedingt verhinderten Wirtschaftsminister Tonne. Er sprach unter anderem über Investitionsprogramme und die auf vielen Ebenen konstruktive und erfolgreiche Zusammenarbeit der Ingenieurkammer mit der Landesregierung. Beispielhaft dafür benannte er die Mitwirkung der Kammer am „Leitbild der Freien Berufe in Niedersachsen“ im vergangenen Jahr. In diesem Leitbild ist u. a. festgehalten:
Abschließend adressierte der Staatssekretär die anwesenden Ingenieurinnen und Ingenieuren mit einer expliziten Würdigung: „Ohne Ihre Expertise, Ihre Kreativität, Ihren Mut, neue Wege zu gehen, bleiben politische Ziele mehr oder weniger abstrakt.“
Danach diskutierten Belit Onay, Oberbürgermeister von Hannover, und Jan Fleischhauer, Focus-Kolumnist zum Thema „Engineering für den Aufbruch: Wie Ingenieurgeist Wirtschaftswachstum wieder möglich macht“. Fleischhauer bezeichnete die Ingenieurinnen und Ingenieure als „Rückrat“ Deutschlands und wünschte sich mehr von ihnen. Onay äußerte bezogen auf langwierige Verfahren bei Bauprojekten und der bürokratischen Einstellung in Deutschland: „Wir müssten nicht so sein“. Es ginge auch anders. „Die Art und Weise, wie wir sie (langwierige Verfahren und Bürokratie) in Deutschland pflegen, ist im Vergleich zu den Niederlanden oder anderen europäischen Staaten deutlich höher, schwerer und im Ergebnis, glaube ich, keine wirkliche Verbesserung.“
Zum Abschluss wurden unter großem Applaus die Preise der Stiftung der Ingenieurkammer Niedersachsen an Nachwuchswissenschaftler:innen verliehen. Kammerpräsident Martin Betzler, zugleich Vorsitzender der Stiftung, betonte, dass sich alle Arbeiten durch hohe wissenschaftliche Qualität und beachtenswerte Leistungen auszeichneten und alle Ausgezeichneten damit einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung des jeweiligen Fachgebietes geleistet und bewiesen hätten, dass exzellente Ideen und sorgfältige Forschung echte Impulse setzen können. Die Stiftung der Ingenieurkammer Niedersachsen fördert den Ingenieurnachwuchs und zeichnet jährlich niedersächsische Absolvierende für ihre exzellenten wissenschaftlichen Ingenieurleistungen aus.
Preisträgerinnen und Preisträger 2026
- Jannik gr. Osterhues B. Eng. (Private Hochschule für Wirtschaft und Technik, Vechta)
- Max Hechler M. Eng. (Jade Hochschule, Wilhelmshaven)
- Dr.-Ing. Sebastian Kantorski (Technische Universität Braunschweig)
- Dr.-Ing. Bianca Kern (Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover)
- Marie Kleinhans M. Sc. (Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover)
- Charlotta Reckleben M. Sc. (Technische Universität Braunschweig)
- Jonas Wöhlkens B. Eng. (Hochschule 21, Buxtehude)
Details zu den Preisträgerinnen und Preisträgern: www.stiftung-ingkn.de/preistraeger/2026