Warum der SRI bei Denkmälern besonders relevant ist
Historische Gebäude prägen die europäische Kulturlandschaft, doch ihre energetische Ertüchtigung bleibt eine komplexe Aufgabe. Der Smart Readiness Indicator – ein Rahmenwerk der Europäischen Kommission – bewertet die Fähigkeit eines Gebäudes, Automatisierung, digitale Steuerungssysteme und Energiemanagementlösungen zu nutzen. Er misst, wie effektiv ein Gebäude seinen Energieverbrauch optimiert, sich an die Bedürfnisse der Nutzer anpasst und mit dem Energiesystem interagiert. Gerade bei denkmalgeschützten Bauten, bei denen bauliche Eingriffe häufig nur eingeschränkt möglich sind, eröffnet der SRI einen strukturierten Weg zu nicht-invasiven Lösungen. Diese steigern Komfort, Energieeffizienz und Betriebseffizienz, ohne den architektonischen Wert zu beeinträchtigen.
Von der EU-Methodik zur praxistauglichen Anwendung
Das Webtool basiert auf Methode B – der expertenbasierten SRI-Bewertung, wie sie das technische SRI-Rahmenwerk der Europäischen Kommission definiert. Eine erste Version setzte den vollständigen SRI-Berechnungsprozess über eine geführte Benutzeroberfläche um. Die nun veröffentlichte Fassung erweitert den Funktionsumfang erheblich. Das Projektteam validierte die neuen Features anhand von drei realen Demonstrationsgebäuden in Riga (Lettland), Granada (Spanien) und Delft (Niederlande).
Die Erweiterungen umfassen drei zentrale Bausteine: Erstens ermöglicht das Tool Zieldefinitionen auf Basis wirtschaftlicher, ökologischer oder energetischer Prioritäten. Zweitens schlägt es intelligente Lösungen vor, die den SRI-Wert entsprechend der Nutzerpräferenzen erhöhen. Drittens enthält ein Finanzmodul grobe Schätzungen zu Einsparungen und Amortisationszeiten mittels eines Kostenwirksamkeitsindikators. Damit verbindet das Werkzeug die technische Bewertung mit einer praxisnahen Sanierungsplanung.
Messbare Ergebnisse an drei Demonstrationsgebäuden
Das Projektteam setzte das Webtool an allen drei denkmalgeschützten SMARTeeSTORY-Demonstrationsgebäuden in Riga, Granada und Delft ein – jeweils für Ausgangs- und Nach-Interventionsszenarien. Die Analyse zeigte deutliche Verbesserungen der Smart Readiness: Nach Umsetzung der Projektmaßnahmen erwarten die Projektpartner für Riga einen SRI-Wert von 83 Prozent und für Delft von 77 Prozent. Granada erreicht voraussichtlich 71 Prozent, was der Bereitschaftsklasse B entspricht. Gemäß der im Projekt vorgeschlagenen Klassifizierung gehören Riga und Delft zur höchsten Smart-Readiness-Kategorie. Die Ergebnisse belegen, dass historische Gebäude trotz bestehender Einschränkungen durch gezielte digitale Maßnahmen ein hohes Maß an Smart Readiness erreichen können.
Breites Anwendungsspektrum über das Denkmal hinaus
Das SRI-Webtool richtet sich an Gebäudeeigentümer und Facility Manager, Energieauditoren und SRI-Gutachter, Kommunen und öffentliche Verwaltungen sowie Architekten, Ingenieure und Sanierungsplaner. Die geführte Struktur macht das Tool auch für Anwender ohne Spezialwissen zugänglich, erlaubt aber gleichzeitig detaillierte Fachbewertungen. Wichtig für die Übertragbarkeit: Das Werkzeug eignet sich nicht ausschließlich für historische Gebäude, sondern lässt sich auf vielfältige Gebäudetypen im europäischen Bestand anwenden.
Zum Projekt SMARTeeSTORY
SMARTeeSTORY ist ein Horizon-Europe-Projekt, das historische Gebäude in klimaneutrale Vorzeigeobjekte überführen will. Ein Konsortium aus 13 Partnern aus sechs Ländern arbeitet daran, die digitale Transformation nichtwohnwirtschaftlicher historischer Gebäude in Lettland, den Niederlanden und Spanien zu beschleunigen. (mb)