Spannungsfeld zwischen Potenzial und Komplexität
Der mehrgeschossige Holzbau mit vorelementierten Bauteilen und Modulen bewegt sich in einem Spannungsfeld: Einerseits zählt er zu den wichtigsten Bauweisen, um die sozialverträglichen Neubauziele in Deutschland zu erreichen. Die neue Musterholzbaurichtlinie (MHolzBauRL) und die aktualisierte DIN 4102-4 vereinfachen dabei viele Planungsprozesse. Andererseits treiben hohe Schallschutz- und Brandschutzanforderungen sowie fehlende Standards die Kosten deutlich nach oben. Gerade die komplexen Schichtaufbauten, die das brennbare Material Holz erfordert, stellen Planer und Ausführende vor Herausforderungen – insbesondere ab der Gebäudeklasse 5.
Genau hier setzen die neuen Beispielkonstruktionen an. „Die von uns gezeigten Konstruktionen sind Teil einer beim ift Rosenheim getesteten Serie an Brand- und Schallschutzvarianten, die den mehrgeschossigen Holzbau nachgewiesen effizienter, platzsparender und wirtschaftlicher machen werden“, erklärt Michael Berger, Marktmanager Serieller Holz- und Modulbau bei Isover und Rigips.
Gebäudeabschlusswand für GK 3: Einlagige Beplankung statt Doppellagen
Eine der vorgestellten Konstruktionen ist eine optimierte Gebäudeabschlusswand für die Gebäudeklasse 3 mit der Brandschutzanforderung F90-B von außen und F30-B von innen bei Verwendung brennbarer Bauteile. Da die GK 3 nicht den Anforderungen der MHolzBauRL unterliegt, ermöglicht sie gegenüber den Gebäudeklassen 4 und 5 vereinfachte Konstruktionen. Die gezeigte Variante basiert auf der vliesarmierten und feuchtebeständigen Spezialgipsplatte Glasroc X, Rigidur-H-Gipsfaser-Wandplatten sowie Mineralwolle des Typs Ultimate. Der entscheidende Vorteil: Die Konstruktion kommt mit einer einlagigen Beplankung der Holztafelbauwand aus.
Wohnungstrennwand unter 200 Millimeter Wandstärke
Ein weiteres Beispiel ist die sogenannte schlanke Wohnungstrennwand – eine am ift geprüfte Konstruktion mit einer Wandstärke von unter 200 Millimetern. Statt der sonst üblichen Doppelständerwand bildet eine einfache Holzständerwand die Basis. Durch die Kombination aus Gipsfaser- und Feuerschutzplatten, einer Dämmung aus Mineralwolle sowie schallentkoppelten Direktbefestigern erreicht die Konstruktion ein Schalldämmmaß von bis zu Rw = 65 dB.
Holzrahmenbau ohne Einzelgenehmigung bis GK 5
Mit der Einführung der MHolzBauRL können Holzbauunternehmen größere Projekte nun auch ohne Einzelgenehmigungen überregional realisieren. Die vorgestellte Wandkonstruktion für die Gebäudeklasse 5 setzt auf nichtbrennbare Mineralwolle (Baustoffklasse A1, Schmelzpunkt über 1000 Grad Celsius), Gipsfaser-Wandplatten und eine feuchteresistente Spezialgipsplatte als außenseitige Beplankung. Durch den Einsatz alternativer tragender Holzprodukte wie Furnierschichtholz eröffnen sich zusätzliche Optimierungsmöglichkeiten. (mb)