Honoraransprüche und Haftungsprävention rechtssicher gestalten
Einen Schwerpunkt setzte das Programm bei der rechtlichen und wirtschaftlichen Absicherung von Leistungen und Ansprüchen. Architektin und Rechtsanwältin Aleksandra Gleich betonte in ihrem Vortrag, dass die Durchsetzung von Ansprüchen – insbesondere bei Bauzeitverlängerungen – keineswegs ein Selbstläufer sei. Besondere Gefahr gehe von Pauschalverträgen aus: Sie fangen zeitliche Dehnungen oft ohne Mehrvergütung ab. Planende müssen zusätzlichen Aufwand daher frühzeitig und umfassend anzeigen. Entscheidend sei dabei, so Gleich, die tatsächlich notwendige und erbrachte Leistung sichtbar zu machen, statt lediglich die Zeiten zu erfassen. Referent Klaus D. Siemon ergänzte, dass viele aktuelle Vergütungsmodelle nicht mehr zeitgemäß seien und eine dringende Anpassung an heutige Anforderungen erforderten.
Die Haftungsprävention stand parallel zur ökonomischen Seite im Fokus. Rechtsanwalt Dr. Richard Althoff erläuterte Änderungen in der Rechtsprechung seit 2020: Spezialisierte Überwachungsbüros schulden heute primär eine korrekte Überwachungstätigkeit – nicht mehr, wie zuvor oft gefordert, pauschal das Entstehen eines mangelfreien Bauwerks. Dieser Fokus auf die tatsächliche Prüfleistung macht eine lückenlose Dokumentation zur Pflicht. Denn nur wer seine Überwachungsschritte sauber nachweist, kann sich im Schadensfall entlasten und die notwendigen Belege erbringen.
Digitale Werkzeuge für den Brückenschlag zwischen Büro und Baustelle
Zur Bewältigung dieser Anforderungen rücken digitale Werkzeuge stärker in den Vordergrund. Patrick Scheer, Senior Technical Account Manager bei Bluebeam und Vertreter eines der Veranstaltungspartner, zeigte, wie planbasierte Workflows mit der Software Bluebeam Revu eine Verbindung zwischen Planungsbüro und Baustelle herstellen. Funktionen wie der digitale Planvergleich oder die mobile Erfassung des Baufortschritts beschleunigen Prozesse und protokollieren sie transparent. Das sichere nicht nur die Qualität bei Planung und Bau, sondern schütze auch die Marge des bauüberwachenden Büros durch effizientere Abläufe. Darüber hinaus kündigte Scheer mit Bluebeam Max ein Produkt an, das im ersten Halbjahr 2026 KI-basierte Funktionen für Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung bereitstellen soll.
Eberhard Stegner, Head of Business & Market Development bei Nova AVA, widmete sich in seinem Impulsvortrag der Frage, wie cloudbasierte AVA-Software die Leistungsphase 8 von der rechtssicheren Vergabe bis zur transparenten Abrechnung und Kostenkontrolle unterstützt, Medienbrüche vermeidet und die Wirtschaftlichkeit eines Projekts sichert.
KI als Beschleuniger in der Objektüberwachung
Die Rolle Künstlicher Intelligenz in der Baubranche beleuchteten zwei weitere Vorträge. Rechtsanwalt Tom Brägelmann zeigte auf, wie spezialisierte KI-Systeme wie Libra und Beck-Noxtua, aber auch ChatGPT, Perplexity und Gemini bereits komplexe Verträge auf Fehler und Lücken prüfen oder große Mengen an Projektdaten strukturiert auswerten. Karsten Friedrich, CEO von Complevo, erläuterte ergänzend, wie eine KI-basierte Orchestrierung die Projektplanung verbessert, während optimierte Schnittstellen sicherstellen, dass die Projektkontrolle beim Anwender verbleibt.
Fazit
Der Kongress machte deutlich: Die Leistungsphase 8 bildet das Rückgrat der Bauausführung und einen der wirtschaftlichen Motoren in der Planungsbranche. Wer juristisches Know-how mit effizienten digitalen Werkzeugen verknüpft, sichert sein Honorar ebenso wie die Qualität des Bauwerks im späteren Betrieb. (mb)