Marode Betonschalen als zentrale Herausforderung
Vor Beginn der Arbeiten prüften Fachleute die Statik des dreistöckigen Gebäudes umfassend. Halle 7 liegt im Südwesten des rund sechs Hektar großen Areals, das sich seit den 1990er-Jahren zu einem Standort für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft entwickelt hat und heute Ateliers, Galerien sowie Veranstaltungsräume beherbergt.
„Die Untersuchungen zeigten, dass in den drei unteren Geschossen sich die Zwischendecken teilweise oberflächlich sanieren ließen, andererseits mussten ganze Deckenfelder aber auch komplett ausgebrochen und neu erstellt werden“, berichtet Architektin Teresa Baumann von der EGN Architekten GbR. „Beim Neuaufbau der beschädigten Deckenbereiche entschied man sich für gefügedichten Liapor-Leichtbeton. Er ist besonders leicht, bietet gleichzeitig die erforderliche Stabilität und trägt so zur statischen Sicherheit im Gebäude bei.“ Die Tragwerksplanung verantwortete die Henneker Zillinger Beratende Ingenieure Leipzig PartG mbB.
350 Kubikmeter über 100 Meter gepumpt
Das Unternehmen Rommel Bau aus Dresden brachte den Leichtbeton der Güte LC25/28D1.6 ein. Eine besondere Aufgabe stellte dabei die Förderung dar: Eine mobile Betonpumpe vom Typ Putzmeister M20 pumpte den Baustoff über 100 Meter vom Fahrmischer bis ins zweite Obergeschoss. Statt einer herkömmlichen Schlauchleitung setzten die Beteiligten eine 100 Millimeter dicke Stahlrohrleitung ein.
Entscheidend für die Pumpfähigkeit war die Betonrezeptur. „Durch chemische Zusätze stabilisierten wir die Mischung, sodass die Blähtonkugeln in der Zementmatrix nicht aufschwimmen konnten und das Material pumpfähig blieb“, erklärt Wolfgang Rübicke von der Schwenk Beton Anhalt GmbH, die gemeinsam mit Liapor die Rezeptur entwickelte und den Baustoff herstellte. Die BFU Betonförderunion GmbH & Co. KG aus Schkopau stellte das Förderequipment bereit.
28 Zentimeter Schichtdicke, 2.200 Quadratmeter Fläche
Insgesamt erstellten die Beteiligten rund 2.200 Quadratmeter Bodenfläche mit Leichtbeton bei einer Schichtdicke von 28 Zentimetern neu. Nach 28 Tagen Erhärtungszeit erreichte der Baustoff seine Sollfestigkeit. Auf den Leichtbeton folgten eine vier Zentimeter starke Ortbetonlage mit statischer Scheibenwirkung, darüber eine Gussasphaltschicht, eine Trittschalldämmung sowie als oberer Abschluss Linoleum beziehungsweise Fliesen.
„Der Eintrag des Baustoffs hat sehr gut geklappt“, zieht Teresa Baumann Bilanz. Im Februar 2026 arbeiteten die letzten Gewerke am finalen Innenausbau. Ab Mitte des Jahres soll das Denkmal der Leipziger Baumwollspinnerei – im Spannungsfeld zwischen Kunst und Industriearchitektur – wieder mit neuem Leben gefüllt sein. (mb)