Eines der prägendsten Elemente des Seminargebäudes auf dem Areal der Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ in Berlin ist zweifellos das gewellte, weit ausschwingende Vordach. Wie die übrige Gebäudehülle besteht es aus Liapor-Leichtbeton. Und trotz seiner Mächtigkeit von bis zu einem Meter strahlt es eine dezente, subtile Dynamik aus. „Der Schwung des Daches vermittelt zwischen Haupthaus und Neubau, verleiht diesem aber auch sein unverwechselbares Gesicht. Gleichzeitig lässt es das Gebäude optisch niedriger wirken“, erklärt Thomas Eysholdt von Staab Architekten, die 2015 den Wettbewerb mit dem Entwurf des eigenständigen, rund 425 Quadratmeter großen einstöckigen Neubaus gewannen. Neben dem Dach wurde auch ein Großteil der Außenwände mit Liapor-Leichtbeton errichtet, und zwar in 60 Zentimetern Stärke.
Funktionale Ästhetik
Sämtliche Leichtbeton-Flächen des Seminargebäudes erscheinen in heller Sichtbeton-Optik. „Der klare, schlichte Charakter der Sichtbetonflächen unterstreicht das zurückhaltende Erscheinungsbild des Seminargebäudes und ermöglicht die konzentrierte Auseinandersetzung mit der Geschichte“, erklärt Architekt Thomas Eysholdt. Im Vordergrund steht dabei die sogenannte Wannsee-Konferenz, die hier am 20. Januar 1942 stattfand und auf der hochrangige Vertreter des NS-Regimes die Deportation und Ermordung der europäischen Juden entschieden. Die Entscheidung für die Bauweise mit Liapor-Leichtbeton hatte aber nicht nur ästhetische Gründe: „Der Baustoff bietet hier nicht nur die nötige Stabilität, sondern sorgt auch für die erforderliche Wärmedämmung.“
Monolithische Gebäudehülle
Für die Errichtung der monolithischen Gebäudehülle des Seminargebäudes am Südrand des Areals kamen insgesamt rund 400 Kubikmeter Liapor-Leichtbeton der Betongüte LC12/13D1.2 zum Einsatz. Den Baustoff fertigte und lieferte die Heidelberg Materials AG, Zementwerk Königs Wusterhausen, die Ausführung übernahm die Pluspunkt Ingenieurbau GmbH in Berlin. Als Bauherr des rund 4,15 Millionen Euro teuren Projekts fungierte das Land Berlin (SILB), vertreten durch die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH in Berlin. Die gesamte Bauzeit betrug zwei Jahre, und im Oktober 2024 wurde das neue Seminargebäude feierlich eröffnet.
Ruhe und Klarheit im Inneren
Mittlerweile ist das neue Seminargebäude ein zentraler Anlaufpunkt für die rund 100.000 Besucher, die die Gedenkstätte jedes Jahr besichtigen. Sie gelangen über die Eingangstür unter dem Vordach in das raumhoch verglaste Foyer, wo das langgestreckte Halbrund des Daches für Ruhe und Klarheit sorgt. Von hier aus erschließt sich auch der dahinterliegende Konferenzbereich in Form eines großen Saales, der durch zwei mobile Trennwände individuell teilbar ist. In beiden Bereichen finden sich hölzerne Einbaumöbel und Wandverkleidungen, die dem Gebäude auch eine behagliche Note verleihen.
Im Alltag bestens bewährt
Nach gut einjährigem Betrieb hat sich das neue Seminargebäude im Alltag bestens bewährt: „Das Objekt hat nichts von seiner hochwertigen Anmutung verloren“, so das Fazit von Thomas Eysholdt. „Trotz intensiver Gebäudenutzung weisen die Oberflächen im Inneren praktisch keinerlei Alters- oder Abnutzungserscheinungen auf, und auch von außen erscheinen die Sichtbetonflächen frisch und hell wie am ersten Tag.“ Damit ist der Neubau ein in vielerlei Hinsicht gelungenes Projekt, das die 1992 ins Leben gerufene Gedenk- und Bildungsstätte nachhaltig bereichert und neuen Raum für eine offene, lebendige Erinnerungskultur bietet.