Materialeigenschaften und Zusammensetzung
Der eingesetzte Lehmputz besteht aus Natur-Baulehm sowie gemischtkörnigem, gewaschenem oder gebrochenem Sand. Das Material wirkt holzkonservierend, feuchtigkeitsregulierend und dampfdiffusionsfähig. Zudem speichert und reguliert es Wärme. „Dazu gehört natürlich auch eine optimierte Zusammensetzung und Verarbeitbarkeit auf der Baustelle. Denn am Ende zählt, wie das Produkt in der Praxis performt“, erklärt Thomas Bader, Geschäftsführer von Leipfinger-Bader.
Verarbeitung mit handelsüblicher Technik
Die Verarbeitung erfolgte mit handelsüblichen Putzmaschinen und Equipment. Der Untergrund aus Mauerziegeln musste fest, sauber, ausreichend rau, saugfähig, tragfähig und trocken sein, da der Lehmputz nur mechanisch haftet. Die Verarbeiter passten die Wassermenge direkt auf der Baustelle an den Untergrund, die Verarbeitungsart und die Auftragsstärke an. Die Einlage von Armierungsgewebe verhinderte Risse. Bei bestimmten Untergründen unterstützten Trocknungsgeräte den Prozess technisch. Die Putzarbeiten verliefen ohne Unterbrechungen.
Konstruktion und Gebäudetechnik
Das Gebäude am Ortsrand von Furth im Wald verfügt über 400 Quadratmeter Wohnfläche, eine 75 Quadratmeter große Garage und eine Dachterrasse im ersten Stockwerk. Die Dachgestaltung erfolgte mittels Attika. Innen bleibt sibirisches Lärchenholz sichtbar, das LED-Strahler akzentuieren.
Die Außenwände bestehen aus Silvacor-Mauerziegeln, gefüllt mit 100 Prozent sortenreinen Nadelholzfasern. Bei diesem Untergrund muss die erste Putzschicht nicht komplett austrocknen, bevor die Verarbeiter die zweite Schicht auftragen können. Das Ziegelmauerwerk erreicht ohne zusätzliches Wärmedämm-Verbundsystem den KfW-40-Standard.
Integrierte Lüftungstechnik
Leichtbau-Rollladenkästen aus hochverdichtetem geschlossenzelligem EPS ergänzen das Konzept. Sie sind hochwärme- und schallgedämmt sowie selbsttragend und eignen sich für das Energieeffizienzhaus 40 und 40plus. Ein integriertes Lüftungssystem sorgt für Zu- und Abluft, bleibt von außen jedoch unsichtbar. Schallschutz und Geräuschdämmung minimieren Lüftungsgeräusche und Luftströme.
Raumklima und Materialeigenschaften
Bauherr Andreas Kiefl und seine Familie entschieden sich bewusst für den Innenausbau mit Lehm. Das Naturmaterial neutralisiert Luftschadstoffe und Gerüche und zeigt sich immun gegen Schimmel. Es reduziert das Beschlagen von Fensterscheiben. Lehmgruben bauen das Material regional ab, was die Transportwege verkürzt.
Der Neubau zeigt, wie sich Naturbaustoffe wie Lehmputz und holzgefüllte Mauerziegel in der Praxis verarbeiten lassen und dabei hohe Energieeffizienz mit regulierendem Raumklima verbinden. (mb)