Bestandserhalt und energetische Sanierung
16 Monate hat die Bauzeit betragen: Das Planungsteam entkernte das Gebäude, baute Teile zurück und ergänzte gezielte Zubauten. Die Bestandsstruktur des Ziegel-Beton-Mischbaus blieb größtenteils erhalten, um graue Energie zu nutzen. Gründächer, Photovoltaik und der Anschluss an die lokale Nahwärmeversorgung optimieren die Energiebilanz. Das Projekt erhielt die Zertifizierung nach dem österreichischen klimaaktiv Gold Standard.
Dreigeschossige Struktur mit Veranstaltungssaal
Das Quartier erstreckt sich über drei Ebenen. Im Erdgeschoss befindet sich die Pfarre, die oberen Etagen nutzt die Stadtgemeinde. Ein Veranstaltungssaal bietet Platz für bis zu 400 Personen. Gruppenräume, Gastronomieflächen und Nebenbereiche ergänzen das Raumprogramm.
Reliefierte Keramikplatten mit Tiefenwirkung
Die Fassade gliedert sich in zwei optisch abgesetzte Bereiche. Der untere Teil im Farbton „Toscana“ zeigt eine glatte Oberfläche mit ungleichmäßigen Vertikalfugen. Das Planungsteam integrierte bewusst Scheinfugen, die zusammen mit den Elementübergängen die Fassadenstruktur rhythmisieren. Der obere Bereich im Farbton „Creme hell“ erhielt ein speziell entwickeltes Relief. Stege mit 50 Millimeter Breite bilden die vordergründige Struktur, während 15 Millimeter breite Stege optisch zurücktreten. Je nach Sonnenstand und Tageszeit verändert sich das Erscheinungsbild der Fassade.
Vertikale Squares als Sichtschutz und Gestaltungselement
Vertikal angeordnete Keramik-Squares mit den Maßen 50 mal 50 Millimeter strukturieren die Fassade zusätzlich und dienen als Sichtschutz. Die Squares führen die Linienführung der 50 Millimeter breiten Keramikstege fort. Das Licht- und Schattenspiel der 143 laufenden Meter Squares im Farbton „Creme hell“ setzt sich im Innenraum fort.
Hochtemperaturbrand für dauerhafte Oberfläche
Die Tonality Keramik durchläuft einen Hochtemperaturbrand, der eine dichte, kratzfeste und farbstabile Oberfläche erzeugt. Das Material widersteht Frost, UV-Strahlung, Verschmutzungen wie Moos- und Algenbildung sowie Graffiti. Die Fassade benötigt nahezu keine Wartung.
Gewichtsreduzierung entlastet Tragstruktur
Die Keramikfassade wiegt 36 bis 38 Kilogramm pro Quadratmeter. Herkömmliche Fassadenziegel in Doppelkammerausführung mit vergleichbarer sichtbarer Oberflächengeometrie erreichen über 60 Kilogramm pro Quadratmeter. Das reduzierte Gewicht ermöglicht eine schlankere Unterkonstruktion mit weniger Wandankern und Verbindungsmitteln. Dies minimiert Wärmebrücken. Bei einer Fassadenfläche von etwa eintausend Quadratmetern entfällt im Vergleich zu doppelschaligen Systemen ungefähr eine LKW-Ladung beim Transport. Die Rohstoffe für die Produktion stammen aus einem Umkreis von 25 Kilometern um das Werk.
Hinterlüftete Konstruktion mit regionaler Wertschöpfung
Die vorgehängte, hinterlüftete Fassadenkonstruktion kombiniert die Materialeigenschaften der Keramik mit bauphysikalischen Vorteilen. Die regionale Rohstoffgewinnung stärkt lokale Wertschöpfungsketten. Das Quartier Wolkersdorf zeigt, wie der Umbau von Bestandsgebäuden mit einer dauerhaften Keramikfassade und ökologischen Anforderungen vereinbar ist. (mb)
Bauvorhaben: Zubau und Umbau des bestehenden Pfarrzentrums zu einem multifunktional nutzbaren Veranstaltungsgebäude, Wolkersdorf im Weinviertel, Österreich
Bauherren: Pfarre Wolkersdorf (Erzdiözese Wien) und Stadtgemeinde Wolkersdorf, beide Wolkersdorf im Weinviertel, Österreich
Projektsteuerung: DELTA AG, Wien & Wels, Österreich
Architektur und Bauleitung: Atelier Deubner Lopez ZT OG, Gänserndorf, Österreich
Keramikfassade: Tonality, Weroth (Leipfinger-Bader)
Bauzeit Fassade: Juli bis Dezember 2024
Bauzeit gesamt: Herbst 2023 bis Januar 2025