Prof. Dr.-Ing. Jan Knippers, Universität Stuttgart, Jurymitglied des Deutschen Ingenieurbaupreises 2026 © INTCDC
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Transformation des Bauens: Welche Rolle kann das Bauingenieurwesen spielen?

Transformation des Bauens: Welche Rolle kann das Bauingenieurwesen spielen?

Transformation des Bauens: Welche Rolle kann das Bauingenieurwesen spielen?

Interview zum Deutschen Ingenieurbaupreis 2026

Interview zum Deutschen Ingenieurbaupreis 2026

Der Deutsche Ingenieurbaupreis 2026 ist ausgelobt und Bewerbungen sind bis zum 6. März 2026 möglich. Jurymitglied Prof. Dr.-Ing. Jan Knippers, Universität Stuttgart, gibt in einem Kurzinterview mit dem Deutschen Ingenieurblatt Einblick in seine Sicht auf die Transformation des Bauens und welche Rolle dabei das Bauingenieurwesen spielen kann.

Der Deutsche Ingenieurbaupreis 2026 ist ausgelobt und Bewerbungen sind bis zum 6. März 2026 möglich. Jurymitglied Prof. Dr.-Ing. Jan Knippers, Universität Stuttgart, gibt in einem Kurzinterview mit dem Deutschen Ingenieurblatt Einblick in seine Sicht auf die Transformation des Bauens und welche Rolle dabei das Bauingenieurwesen spielen kann.

Prof. Dr.-Ing. Jan Knippers, Universität Stuttgart, Jurymitglied des Deutschen Ingenieurbaupreises 2026 © INTCDC
Prof. Dr.-Ing. Jan Knippers, Universität Stuttgart, Jurymitglied des Deutschen Ingenieurbaupreises 2026 © INTCDC

Welche zentralen Beiträge kann das Bauingenieurwesen leisten, um die aktuelle Transformation des Bauens – insbesondere in Richtung Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Ressourceneffizienz – voranzutreiben?

Jan Knippers: „Bauingenieurinnen und Bauingenieure spielen eine Schlüsselrolle bei der Transformation des Bauwesens: Die Substitution schwerer und industrieller Baustoffe durch CO2-reduzierte und nachwachsende Alternativen; leichtere und kraftflussgerechter konstruierte Bausysteme mittels konsequenter Digitalisierung von Planung und Herstellung; die Vermeidung unnötiger Emissionen durch Anpassung und Ertüchtigung unserer Bausubstanz: all dies ist ohne Bauingenieurinnen und Bauingenieure nicht denkbar.“

Wie verändert sich das Berufsbild von Bauingenieur:innen angesichts neuer Anforderungen wie Kreislaufwirtschaft, klimaneutralen Baustoffen und digitaler Planungsmethoden?

Jan Knippers: „Für die Transformation benötigen wir Planungs- und Fertigungsprozesse sowie Material- und Bausysteme, über die derzeit noch wenig bekannt ist: von CO2-reduzierten Betonen, über Laubholz und Naturfasern bis zu Mycelien. Von modernen bildgebenden Verfahren zur Erfassung des Gebäudebestandes bis zur Computertomographie zur Charakterisierung der inneren Beschaffenheit von Bauteilen. Und schließlich künstliche Intelligenz zur Integration von immer mehr Parametern in den Entwurfsprozess und zur Erfassung der Variabilität natürlicher Ressourcen. Für unser Berufsbild bedeutet dies, dass zusätzlich zu etabliertem Fachwissen in Zukunft Methodenkompetenz immer wichtiger werden wird: wie erschließe ich neue Technologien und Materialien für die Baupraxis? Wie integriere ich sie in etablierte Abläufe von Planung, Vergabe und Ausführung? Wie überzeuge ich Bauherren und erfülle die Anforderungen der Bauaufsicht? Ohne die Bereitschaft von Bauingenieurinnen und Bauingenieuren sich mit diesen methodischen Fragen zu beschäftigen und die damit verbundenen Mühen und Risiken zu tragen, wird die Transformation des Bauwesens nicht gelingen.“

Welche strukturellen oder kulturellen Veränderungen braucht es in der Baupraxis, damit Bauingenieur:innen ihre Rolle als Gestalter der Transformation voll entfalten können?

Jan Knippers: „Die Baupraxis ist gekennzeichnet von einem fein austarierten Gleichgewicht zwischen Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Innovation. In den letzten Jahrzehnten lag dabei der Schwerpunkt auf den ersten beiden Aspekten, während Innovationen im Bauwesen nur sehr mühsam und langsam durchzusetzen waren. Die Transformation des Bauwesens wird aber ohne disruptive Innovationen nicht möglich sein und erfordert daher, dieses Gleichgewicht neu zu justieren. Hierfür müssen Landesbauordnungen harmonisiert und Komfortanforderungen reduziert werden, Vergaberichtlinien müssen strategische Partnerschaften von Planenden und Ausführenden zur Entwicklung neuer Technologien unterstützen, bauaufsichtliche Genehmigungen müssen auch für nicht geregelte Bauprodukte und Bauweisen schneller erreicht werden können. Eine Schlüsselrolle spielen aber die Bauherren. Nur wenn sie nach klimafreundlichen Alternativen fragen und bereit sind, die damit verbundenen Kosten und Risiken zu tragen, haben neue ressourceneffiziente Material- und Bausysteme eine Chance. Private Bauherren brauchen hierfür finanzielle Anreizsysteme und öffentliche Bauherren sollten sich viel häufiger ihrer Verantwortung für den Einsatz klimafreundlicher Baustoffe und Bauweisen bewusst sein: vor der Skalierung in die Breite sind erste Demonstratorgebäude der Schlüssel auf dem Weg von der akademischen Forschung in die allgemeine Baupraxis. Und dies können eigentlich nur öffentliche Bauten sein.“

Jan Knippers: „Bauingenieurinnen und Bauingenieure spielen eine Schlüsselrolle bei der Transformation des Bauwesens: Die Substitution schwerer und industrieller Baustoffe durch CO2-reduzierte und nachwachsende Alternativen; leichtere und kraftflussgerechter konstruierte Bausysteme mittels konsequenter Digitalisierung von Planung und Herstellung; die Vermeidung unnötiger Emissionen durch Anpassung und Ertüchtigung unserer Bausubstanz: all dies ist ohne Bauingenieurinnen und Bauingenieure nicht denkbar.“

Wie verändert sich das Berufsbild von Bauingenieur:innen angesichts neuer Anforderungen wie Kreislaufwirtschaft, klimaneutralen Baustoffen und digitaler Planungsmethoden?

Jan Knippers: „Für die Transformation benötigen wir Planungs- und Fertigungsprozesse sowie Material- und Bausysteme, über die derzeit noch wenig bekannt ist: von CO2-reduzierten Betonen, über Laubholz und Naturfasern bis zu Mycelien. Von modernen bildgebenden Verfahren zur Erfassung des Gebäudebestandes bis zur Computertomographie zur Charakterisierung der inneren Beschaffenheit von Bauteilen. Und schließlich künstliche Intelligenz zur Integration von immer mehr Parametern in den Entwurfsprozess und zur Erfassung der Variabilität natürlicher Ressourcen. Für unser Berufsbild bedeutet dies, dass zusätzlich zu etabliertem Fachwissen in Zukunft Methodenkompetenz immer wichtiger werden wird: wie erschließe ich neue Technologien und Materialien für die Baupraxis? Wie integriere ich sie in etablierte Abläufe von Planung, Vergabe und Ausführung? Wie überzeuge ich Bauherren und erfülle die Anforderungen der Bauaufsicht? Ohne die Bereitschaft von Bauingenieurinnen und Bauingenieuren sich mit diesen methodischen Fragen zu beschäftigen und die damit verbundenen Mühen und Risiken zu tragen, wird die Transformation des Bauwesens nicht gelingen.“

Welche strukturellen oder kulturellen Veränderungen braucht es in der Baupraxis, damit Bauingenieur:innen ihre Rolle als Gestalter der Transformation voll entfalten können?

Jan Knippers: „Die Baupraxis ist gekennzeichnet von einem fein austarierten Gleichgewicht zwischen Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Innovation. In den letzten Jahrzehnten lag dabei der Schwerpunkt auf den ersten beiden Aspekten, während Innovationen im Bauwesen nur sehr mühsam und langsam durchzusetzen waren. Die Transformation des Bauwesens wird aber ohne disruptive Innovationen nicht möglich sein und erfordert daher, dieses Gleichgewicht neu zu justieren. Hierfür müssen Landesbauordnungen harmonisiert und Komfortanforderungen reduziert werden, Vergaberichtlinien müssen strategische Partnerschaften von Planenden und Ausführenden zur Entwicklung neuer Technologien unterstützen, bauaufsichtliche Genehmigungen müssen auch für nicht geregelte Bauprodukte und Bauweisen schneller erreicht werden können. Eine Schlüsselrolle spielen aber die Bauherren. Nur wenn sie nach klimafreundlichen Alternativen fragen und bereit sind, die damit verbundenen Kosten und Risiken zu tragen, haben neue ressourceneffiziente Material- und Bausysteme eine Chance. Private Bauherren brauchen hierfür finanzielle Anreizsysteme und öffentliche Bauherren sollten sich viel häufiger ihrer Verantwortung für den Einsatz klimafreundlicher Baustoffe und Bauweisen bewusst sein: vor der Skalierung in die Breite sind erste Demonstratorgebäude der Schlüssel auf dem Weg von der akademischen Forschung in die allgemeine Baupraxis. Und dies können eigentlich nur öffentliche Bauten sein.“

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