Werder (Havel) © Erik-Jan Ouwerkerk
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Der Förderverein Baukultur Brandenburg

Der Förderverein Baukultur Brandenburg

Der Förderverein Baukultur Brandenburg

Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Prof. Heinz Nagler

Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Prof. Heinz Nagler

Unabhängig und über viele Fachdisziplinen hinweg bündelt der Förderverein Baukultur Brandenburg e. V. seit seiner Gründung 2020 Kräfte und fungiert als Drehscheibe, um gemeinsam Bewährtes und Charakteristisches zu erhalten und weiterführende Ideen für Brandenburg zu entwickeln. Heinz Nagler, Architekt und Stadtplaner, ist seit 2024 Vorstandsvorsitzender und gibt Einblick in die Arbeit des Vereins und beschreibt den Stellenwert der Baukultur in und für Brandenburg.

Unabhängig und über viele Fachdisziplinen hinweg bündelt der Förderverein Baukultur Brandenburg e. V. seit seiner Gründung 2020 Kräfte und fungiert als Drehscheibe, um gemeinsam Bewährtes und Charakteristisches zu erhalten und weiterführende Ideen für Brandenburg zu entwickeln. Heinz Nagler, Architekt und Stadtplaner, ist seit 2024 Vorstandsvorsitzender und gibt Einblick in die Arbeit des Vereins und beschreibt den Stellenwert der Baukultur in und für Brandenburg.

Werder (Havel) © Erik-Jan Ouwerkerk
Werder (Havel) © Erik-Jan Ouwerkerk

„Der Förderverein Baukultur soll eine Drehscheibe sein – mit zuverlässiger Unterstützung des Landes“

Seit April 2024 sind Sie Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Baukultur Brandenburg. Wie haben Sie die ersten Monate erlebt?

Zunächst einmal möchte ich Achim Krekeler, einem aktiven Mitglied der Brandenburgischen Architektenkammer, herzlich danken. Er hat den Verein mit großem Engagement aufgebaut und begleitet uns weiterhin im Vorstand – besonders bei seinem Herzensthema, den Kirchen. In meiner Diplomarbeit beschäftigte ich mich auch bereits mit dem Kirchenbau. Zeichen, Gestalt, Räume und die Form als Funktion – das sind Themen, die mich schon als junger Mensch fasziniert haben.

Die Nachnutzung von Kirchen, aber auch die Beschäftigung mit Alleen oder auch dem Dorf- und Landschaftsbild sind wichtig. Das sind jedenfalls alles Themen, mit denen sich der Verein intensiv beschäftigt. Der Verein ist aktuell noch klein, aber sehr engagiert. Wir wollen nicht nur fachlich zu aktuellen Themen beitragen, sondern auch Menschen vernetzen, den Austausch fördern – zu einer echten Drehscheibe für Baukultur-Treibende in Brandenburg werden. Dafür braucht es ein starkes inhaltliches Konzept, engagierte Menschen, Technik, einen festen Ort – und vor allem: eine gesicherte Finanzierung. In den ersten Monaten im Jahr 2024 haben wir mit Hilfe einer kleinen Förderung an einer Webseite gearbeitet, um sichtbar zu sein. Das war sehr wichtig. Sehr hilfreich war, dass wir die Webseite der Brandenburgischen Baukulturinitiative nutzen und weiterentwickeln konnten und dabei besonders die Unterstützung der Architektenkammer hatten.

Welchen konkreten Mehrwert bringt der Verein für das Land Brandenburg?

Baukultur ist ein Querschnittsthema. Sie betrifft alle – von der Dorfentwicklung bis zur Stadtgestaltung, vom Alltagsraum bis zum Denkmal. Die Bundesstiftung Baukultur zeigt auf Bundesebene, wie Baukultur politisch wirksam gemacht werden kann. Warum sollte das nicht auch auf Landesebene gelingen?

Ein Beispiel will ich nennen: 2024 hat der Bund neue Leitlinien für Baukultur herausgegeben – jetzt gilt es, diese auf Brandenburg herunterzubrechen und gemeinsam mit der Landesregierung zu verbindlichen Richtlinien weiterzuentwickeln. Der Verein bringt dafür Know-how, Netzwerke und Vermittlungskompetenz mit.

Schönheit ist nachhaltig, das Schöne wird gesucht und geschützt, es macht uns stolz. Wohin gehen wir in den Urlaub, wo wollen wir leben? Da wo es schön ist.“

Natürlich geht alles nur GEMEINSAM. Die Brandenburgische Architektenkammer und die Brandenburgische Ingenieurkammer, der BDA, der BDIA, der BDLA, der Städte- und Gemeindebund und viele andere leisten bereits sehr viel im Bereich Baukultur.

Zusammenarbeit in einer Kultur bedeutet, ein Umfeld zu schaffen, in dem verschiedene Menschen/Institutionen gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Hierfür brauchen wir eine offene Kommunikation, Respekt und die Überzeugung, dass gemeinsame Anstrengungen zu besseren Ergebnissen führen. Unser Ziel ist es, hier die Fäden zusammenlaufen zu lassen, zu bündeln, zu vernetzen. Die hier genannten Akteure sehe ich als die möglichen Träger einer verbindlich agierenden, erweiterten Neuauflage der Baukulturinitiative (2.0).

Was vermissen Sie derzeit am meisten?

Ein klares Bekenntnis des Landes zur Baukultur. Unser Förderverein besitzt außer dem Engagement des Vorstandes keine personellen Kapazitäten und kann finanziell ausschließlich mit den Mitgliedsbeiträgen agieren. Es fehlen institutionelle Strukturen und eine verlässliche Förderung. Sachsen ist da ein gutes Beispiel: Mit dem Zentrum für Baukultur im Kulturpalast Dresden wurde ein sichtbarer Ort geschaffen – mitten in der Stadt, mit vielfältigen Akteuren und einer soliden Landesförderung. So etwas würde ich mir auch für Brandenburg wünschen.

Ein wichtiger Schritt war die Weiterentwicklung Ihrer Webseite, wie Sie sagen. Was war Ihnen dabei besonders wichtig?

Die Webseite war – und ist – eine Herausforderung. Aber wir haben eine gute Grundlage geschaffen und sehen sie als zentrale Plattform für Dialog, Information und Beteiligung. Wir haben drei thematische Schwerpunkte herausgearbeitet: Strukturen – Bausteine – Freiräume.

Strukturen bilden den übergeordneten Rahmen. Gemeint sind hier die konzeptionellen Grundlagen für die Gestaltung von Städten und Dörfern – also etwa Rahmenpläne oder städtebauliche Konzepte. In diesem Bereich habe ich viele dialogorientierte Verfahren begleitet. Beteiligung ist hier zentral: Im Austausch Lösungen finden – das ist essenziell für tragfähige Konzepte.

Bausteine füllen im Idealfall die strukturell gesetzten Rahmen aus und beziehen sich auf das konkrete Bauen: Bauwerke, die von Bauschaffenden, früher Baumeistern, in den urbanen Kontext und in die Landschaft gesetzt wurden und werden.

Freiräume schließlich sind genauso wichtig wie die Bauwerke selbst. Sie bieten Raum für Natur, Begegnung und Bewegung – und müssen immer im Zusammenspiel gedacht werden. Erst dann entsteht ein ganzheitliches Bild von Baukultur.

Städtebau und Landschaftsarchitektur verhält sich wie Yin und Yang. Gesetzte Körper definieren den Raum. Manchmal ist dieser städtischer manchmal grüner.“

Und wie spiegeln sich diese Schwerpunkte in den aktuellen Aktivitäten des Vereins wider?

Sehr direkt, tatsächlich. Aktuell arbeiten wir erneut an einer Veranstaltung zum Thema Landschaftsbild. Hintergrund ist unter anderem, dass das Land Brandenburg darüber nachdenkt, Photovoltaik-Anlagen auch in Landschaftsschutzgebieten zuzulassen. Solche Eingriffe haben enorme Auswirkungen – hier braucht es Sensibilität und klare Leitlinien. Zum anderen geht es um gute Gestaltung unter Anwendung von Gestaltungsgrundsätzen, die wir aus der Park- und Gartengestaltung kennen, wie Point de Vue, Sichtachsen, Perspektive und die Beachtung der Jahreszeiten. Ein weiterer Aspekt soll den technikaffinen Ansatz verfolgen. Also der Versuch eine Ästhetik aus den technischen Elementen der Anlagen zu begründen.

Stadt gehört immer auch der nächsten Generation.“

Erst letzte Woche waren wir Kooperationspartner bei einer Veranstaltung des Büros Krekeler zum Thema Künstliche Intelligenz organisiert – ein Zukunftsthema, das auch Planungsprozesse und Baukultur zu-nehmend beeinflussen wird.

Ein wichtiges Thema, das besonders unsere Altstädte betrifft, ist das Bauen im Be-stand. Besonderes Augenmerk verdienen da-bei die großen Bestände, die historisch wertvoll sind, aber keinen direkten Denkmalsstatus besitzen und deshalb auch nicht geschützt sind. Ein kreativer Umgang mit den geltenden Energieerhaltungsgesetzen und dem Bauordnungsrecht scheint notwendig.

Ja und dann die Nachnutzung von Kirchen: Viele dieser Gebäude stehen leer oder verlieren ihre ursprüngliche Funktion. Dabei bieten sie große Potenziale – sowohl für neue Nutzungen als auch für eine identitätsstiftende Weiterentwicklung im Sinne der Gemeinschaft und der Baukultur.

Und nicht zuletzt: die Alleen. Brandenburg ist ein echtes Alleenland – diese besonderen Landschaftselemente prägen das Bild unserer Region maßgeblich. Umso wichtiger ist es, einen klaren Fahrplan, einen Rahmen zu entwickeln: für den Erhalt, den Umgang mit alten Beständen, aber auch für Weiterentwicklung und Ergänzungen.

Was haben Sie sich als Verein für die Zukunft vorgenommen?

Wir möchten uns breiter aufstellen – fachlich, aber auch personell. Es ist wichtig, dass wir uns verjüngen und neue Perspektiven einbinden. Beim Besuch des Zentrums für Baukultur in Dresden ist uns aufgefallen, wie gewinnbringend die Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen sein kann: Dort engagieren sich nicht nur Architekt:innen, sondern auch Journalist:innen, Kunsthistoriker:innen, Künstler:innen. Dieser interdisziplinäre Ansatz hat mir sehr gut gefallen – so etwas wünschen wir uns auch für unsere Arbeit in Brandenburg.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, besonders die jungen Mitglieder besonders die jungen Mitglieder der beiden Kammern und anderen Institutionen anzusprechen, einmal unsere Veranstaltungen zu besuchen. So kommen wir ins Gespräch. Die Termine kündigen wir auf unserer Webseite www.baukultur-brandenburg.de an. Wir möchten Absolventen und jungen Kammermitgliedern die Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung bieten. Themen wie Umbaukultur und Nachhaltigkeit sind für den Förderverein Zukunftsthemen, die wir gern mit den Jungen diskutieren wollen.

Unsere Webseite soll weiter als Plattform ausgebaut werden – als lebendiges Dialogforum. Wir denken über neue Formate wie Podcasts nach, in denen wir baukulturelle Themen aufgreifen und damit noch stärker als Gesprächspartner wahrgenommen werden. In diesem Zusammenhang spielt auch das Thema Baukulturelle Bildung eine zentrale Rolle. Sie ist ein wesentlicher Baustein für langfristiges Bewusstsein und Engagement.

Die bereits angestoßenen Themen wollen wir weiter vertiefen und dabei die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren ausbauen. Es geht uns darum, dass die oftmals mit viel Aufwand erarbeiteten Inhalte nicht in Schubladen verschwinden, sondern tatsächlich in die Praxis einfließen – etwa in Richtlinien, Rahmenpläne oder Handreichungen und Positionspapieren.

Wir brauchen ein starkes Bottom-up – mit echter Beteiligung der Menschen. Formate wie der Tag der Architektur oder der Tag der Baukultur zeigen, wie viel Interesse und Engagement auf lokaler Ebene vorhanden ist. Diese Energie wollen wir unbedingt weiter fördern und einbinden. Aber genauso wichtig ist ein funktionierendes Top-down: Es braucht klare Strukturen, die auf Landesebene Orientierung geben – für Steuerung, Lenkung und auch konkrete Unterstützung. Genau das vermissen wir derzeit in Brandenburg.

Es fehlt an verbindlichen Rahmenbedingungen, an koordinierten Zuständigkeiten und an strategischer Begleitung von oben. Wir möchten dazu beitragen, dass sich das ändert – indem wir aufzeigen, wo es hakt, und mit konkreten Vorschlägen Verbesserungen anstoßen. Nur wenn beide Ebenen – Bottom-up und Top-down – zusammenspielen, kann Baukultur langfristig und wirksam gestaltet werden.

Die Arbeit macht uns große Freude, aber sie ist auch herausfordernd. Damit wir langfristig wirksam bleiben können, ist eine verlässliche finanzielle Basis entscheidend.

Es braucht institutionelle Förderung – nicht nur projektbezogene Mittel. Nur so können wir dauerhaft planen und wirken.

Wie können Interessierte mit Ihnen in Kontakt treten oder sich einbringen?

Unser siebenköpfiger Vorstand ist offen für neue Ideen, Kooperationen und Unterstützung. Über unsere Webseite www.baukultur-brandenburg.de finden Interessierte Kontaktmöglichkeiten, Informationen zu Veranstaltungen – wie dem kommenden Tag der Baukultur am 30. Mai 2026 – sowie eine interaktive Karte mit Akteuren und Projekten der Baukultur im Land. Und natürlich:

Das Interview führte Dipl.-Ing. Maria Pegelow, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Wettbewerb und Vergabe, Brandenburgische Architektenkammer


Prof. Heinz Nagler (* 1955)


Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Baukultur Brandenburg, Architekt und Stadtplaner

Heinz Nagler wuchs im kulturellen und sprachlichen Grenzbereich zwischen Schwaben und Franken auf – in der Ostalb bei Stuttgart. Aufgewachsen im Dorf, zur Schule gegangen in der Stadt, besuchte er ein technisches Gymnasium mit Metallausbildung.

Prof. Dipl.-Ing. Heinz Nagler © privat
Heinz Nagler © privat

Ein Schlüsselerlebnis in seiner Jugend war der Besuch der Alten Pinakothek in München: Das Ikonografische, die Zeichenhaftigkeit des Bildes „Die Geißblattlaube“ von Rubens berührten ihn nachhaltig – und weckten sein Interesse an Architektur und Kunstgeschichte, die er in Stuttgart studierte.

1991/92 dann der Umzug nach Brandenburg, konkret nach Cottbus, letztlich über einen gewonnenen Innenstadtwettbewerb in der Partnerstadt Saarbrücken. In Cottbus wirkte er viele Jahre lang als Professor für Städtebau und Entwerfen an der BTU Cottbus (1994 – 2020) und gründete 1996 sein eigenes Architektur- und Planungsbüro – seit 2018 unter dem Namen Nagler Dieck Architekten und Stadtplaner. Er wirkte außerdem stark an der Stadtentwicklung mit durch eine Vielzahl von Rahmenplänen und gebauten öffentlichen Räumen sowie als Jurymitglied bei Planungswettbewerben. Zudem wurden planerische Anstöße durch viele studentische Projekte gegeben. Last but not least wirkte er an einer intensiven und erfolgreichen Entwicklung sowie Verlagerung eines Museums, dem DKW, mit. 16 Jahre lang war er Vorsitzender des Fördervereins „Freunde und Förderer Dieselkraftwerk Cottbus des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst e. V.

Seit April 2024 ist Heinz Nagler Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Baukultur Brandenburg, der aus der Baukulturinitiative (2019 – 2023) hervorgegangen ist. Ziel des Vereins ist es, Baukultur im Land Brandenburg sichtbarer zu machen, Akteure zu vernetzen – und langfristig eine stabile Institution für Baukultur zu etablieren.

Seit April 2024 sind Sie Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Baukultur Brandenburg. Wie haben Sie die ersten Monate erlebt?

Zunächst einmal möchte ich Achim Krekeler, einem aktiven Mitglied der Brandenburgischen Architektenkammer, herzlich danken. Er hat den Verein mit großem Engagement aufgebaut und begleitet uns weiterhin im Vorstand – besonders bei seinem Herzensthema, den Kirchen. In meiner Diplomarbeit beschäftigte ich mich auch bereits mit dem Kirchenbau. Zeichen, Gestalt, Räume und die Form als Funktion – das sind Themen, die mich schon als junger Mensch fasziniert haben.

Die Nachnutzung von Kirchen, aber auch die Beschäftigung mit Alleen oder auch dem Dorf- und Landschaftsbild sind wichtig. Das sind jedenfalls alles Themen, mit denen sich der Verein intensiv beschäftigt. Der Verein ist aktuell noch klein, aber sehr engagiert. Wir wollen nicht nur fachlich zu aktuellen Themen beitragen, sondern auch Menschen vernetzen, den Austausch fördern – zu einer echten Drehscheibe für Baukultur-Treibende in Brandenburg werden. Dafür braucht es ein starkes inhaltliches Konzept, engagierte Menschen, Technik, einen festen Ort – und vor allem: eine gesicherte Finanzierung. In den ersten Monaten im Jahr 2024 haben wir mit Hilfe einer kleinen Förderung an einer Webseite gearbeitet, um sichtbar zu sein. Das war sehr wichtig. Sehr hilfreich war, dass wir die Webseite der Brandenburgischen Baukulturinitiative nutzen und weiterentwickeln konnten und dabei besonders die Unterstützung der Architektenkammer hatten.

Welchen konkreten Mehrwert bringt der Verein für das Land Brandenburg?

Baukultur ist ein Querschnittsthema. Sie betrifft alle – von der Dorfentwicklung bis zur Stadtgestaltung, vom Alltagsraum bis zum Denkmal. Die Bundesstiftung Baukultur zeigt auf Bundesebene, wie Baukultur politisch wirksam gemacht werden kann. Warum sollte das nicht auch auf Landesebene gelingen?

Ein Beispiel will ich nennen: 2024 hat der Bund neue Leitlinien für Baukultur herausgegeben – jetzt gilt es, diese auf Brandenburg herunterzubrechen und gemeinsam mit der Landesregierung zu verbindlichen Richtlinien weiterzuentwickeln. Der Verein bringt dafür Know-how, Netzwerke und Vermittlungskompetenz mit.

Schönheit ist nachhaltig, das Schöne wird gesucht und geschützt, es macht uns stolz. Wohin gehen wir in den Urlaub, wo wollen wir leben? Da wo es schön ist.“

Natürlich geht alles nur GEMEINSAM. Die Brandenburgische Architektenkammer und die Brandenburgische Ingenieurkammer, der BDA, der BDIA, der BDLA, der Städte- und Gemeindebund und viele andere leisten bereits sehr viel im Bereich Baukultur.

Zusammenarbeit in einer Kultur bedeutet, ein Umfeld zu schaffen, in dem verschiedene Menschen/Institutionen gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Hierfür brauchen wir eine offene Kommunikation, Respekt und die Überzeugung, dass gemeinsame Anstrengungen zu besseren Ergebnissen führen. Unser Ziel ist es, hier die Fäden zusammenlaufen zu lassen, zu bündeln, zu vernetzen. Die hier genannten Akteure sehe ich als die möglichen Träger einer verbindlich agierenden, erweiterten Neuauflage der Baukulturinitiative (2.0).

Was vermissen Sie derzeit am meisten?

Ein klares Bekenntnis des Landes zur Baukultur. Unser Förderverein besitzt außer dem Engagement des Vorstandes keine personellen Kapazitäten und kann finanziell ausschließlich mit den Mitgliedsbeiträgen agieren. Es fehlen institutionelle Strukturen und eine verlässliche Förderung. Sachsen ist da ein gutes Beispiel: Mit dem Zentrum für Baukultur im Kulturpalast Dresden wurde ein sichtbarer Ort geschaffen – mitten in der Stadt, mit vielfältigen Akteuren und einer soliden Landesförderung. So etwas würde ich mir auch für Brandenburg wünschen.

Ein wichtiger Schritt war die Weiterentwicklung Ihrer Webseite, wie Sie sagen. Was war Ihnen dabei besonders wichtig?

Die Webseite war – und ist – eine Herausforderung. Aber wir haben eine gute Grundlage geschaffen und sehen sie als zentrale Plattform für Dialog, Information und Beteiligung. Wir haben drei thematische Schwerpunkte herausgearbeitet: Strukturen – Bausteine – Freiräume.

Strukturen bilden den übergeordneten Rahmen. Gemeint sind hier die konzeptionellen Grundlagen für die Gestaltung von Städten und Dörfern – also etwa Rahmenpläne oder städtebauliche Konzepte. In diesem Bereich habe ich viele dialogorientierte Verfahren begleitet. Beteiligung ist hier zentral: Im Austausch Lösungen finden – das ist essenziell für tragfähige Konzepte.

Bausteine füllen im Idealfall die strukturell gesetzten Rahmen aus und beziehen sich auf das konkrete Bauen: Bauwerke, die von Bauschaffenden, früher Baumeistern, in den urbanen Kontext und in die Landschaft gesetzt wurden und werden.

Freiräume schließlich sind genauso wichtig wie die Bauwerke selbst. Sie bieten Raum für Natur, Begegnung und Bewegung – und müssen immer im Zusammenspiel gedacht werden. Erst dann entsteht ein ganzheitliches Bild von Baukultur.

Städtebau und Landschaftsarchitektur verhält sich wie Yin und Yang. Gesetzte Körper definieren den Raum. Manchmal ist dieser städtischer manchmal grüner.“

Und wie spiegeln sich diese Schwerpunkte in den aktuellen Aktivitäten des Vereins wider?

Sehr direkt, tatsächlich. Aktuell arbeiten wir erneut an einer Veranstaltung zum Thema Landschaftsbild. Hintergrund ist unter anderem, dass das Land Brandenburg darüber nachdenkt, Photovoltaik-Anlagen auch in Landschaftsschutzgebieten zuzulassen. Solche Eingriffe haben enorme Auswirkungen – hier braucht es Sensibilität und klare Leitlinien. Zum anderen geht es um gute Gestaltung unter Anwendung von Gestaltungsgrundsätzen, die wir aus der Park- und Gartengestaltung kennen, wie Point de Vue, Sichtachsen, Perspektive und die Beachtung der Jahreszeiten. Ein weiterer Aspekt soll den technikaffinen Ansatz verfolgen. Also der Versuch eine Ästhetik aus den technischen Elementen der Anlagen zu begründen.

Stadt gehört immer auch der nächsten Generation.“

Erst letzte Woche waren wir Kooperationspartner bei einer Veranstaltung des Büros Krekeler zum Thema Künstliche Intelligenz organisiert – ein Zukunftsthema, das auch Planungsprozesse und Baukultur zu-nehmend beeinflussen wird.

Ein wichtiges Thema, das besonders unsere Altstädte betrifft, ist das Bauen im Be-stand. Besonderes Augenmerk verdienen da-bei die großen Bestände, die historisch wertvoll sind, aber keinen direkten Denkmalsstatus besitzen und deshalb auch nicht geschützt sind. Ein kreativer Umgang mit den geltenden Energieerhaltungsgesetzen und dem Bauordnungsrecht scheint notwendig.

Ja und dann die Nachnutzung von Kirchen: Viele dieser Gebäude stehen leer oder verlieren ihre ursprüngliche Funktion. Dabei bieten sie große Potenziale – sowohl für neue Nutzungen als auch für eine identitätsstiftende Weiterentwicklung im Sinne der Gemeinschaft und der Baukultur.

Und nicht zuletzt: die Alleen. Brandenburg ist ein echtes Alleenland – diese besonderen Landschaftselemente prägen das Bild unserer Region maßgeblich. Umso wichtiger ist es, einen klaren Fahrplan, einen Rahmen zu entwickeln: für den Erhalt, den Umgang mit alten Beständen, aber auch für Weiterentwicklung und Ergänzungen.

Was haben Sie sich als Verein für die Zukunft vorgenommen?

Wir möchten uns breiter aufstellen – fachlich, aber auch personell. Es ist wichtig, dass wir uns verjüngen und neue Perspektiven einbinden. Beim Besuch des Zentrums für Baukultur in Dresden ist uns aufgefallen, wie gewinnbringend die Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen sein kann: Dort engagieren sich nicht nur Architekt:innen, sondern auch Journalist:innen, Kunsthistoriker:innen, Künstler:innen. Dieser interdisziplinäre Ansatz hat mir sehr gut gefallen – so etwas wünschen wir uns auch für unsere Arbeit in Brandenburg.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, besonders die jungen Mitglieder besonders die jungen Mitglieder der beiden Kammern und anderen Institutionen anzusprechen, einmal unsere Veranstaltungen zu besuchen. So kommen wir ins Gespräch. Die Termine kündigen wir auf unserer Webseite www.baukultur-brandenburg.de an. Wir möchten Absolventen und jungen Kammermitgliedern die Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung bieten. Themen wie Umbaukultur und Nachhaltigkeit sind für den Förderverein Zukunftsthemen, die wir gern mit den Jungen diskutieren wollen.

Unsere Webseite soll weiter als Plattform ausgebaut werden – als lebendiges Dialogforum. Wir denken über neue Formate wie Podcasts nach, in denen wir baukulturelle Themen aufgreifen und damit noch stärker als Gesprächspartner wahrgenommen werden. In diesem Zusammenhang spielt auch das Thema Baukulturelle Bildung eine zentrale Rolle. Sie ist ein wesentlicher Baustein für langfristiges Bewusstsein und Engagement.

Die bereits angestoßenen Themen wollen wir weiter vertiefen und dabei die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren ausbauen. Es geht uns darum, dass die oftmals mit viel Aufwand erarbeiteten Inhalte nicht in Schubladen verschwinden, sondern tatsächlich in die Praxis einfließen – etwa in Richtlinien, Rahmenpläne oder Handreichungen und Positionspapieren.

Wir brauchen ein starkes Bottom-up – mit echter Beteiligung der Menschen. Formate wie der Tag der Architektur oder der Tag der Baukultur zeigen, wie viel Interesse und Engagement auf lokaler Ebene vorhanden ist. Diese Energie wollen wir unbedingt weiter fördern und einbinden. Aber genauso wichtig ist ein funktionierendes Top-down: Es braucht klare Strukturen, die auf Landesebene Orientierung geben – für Steuerung, Lenkung und auch konkrete Unterstützung. Genau das vermissen wir derzeit in Brandenburg.

Es fehlt an verbindlichen Rahmenbedingungen, an koordinierten Zuständigkeiten und an strategischer Begleitung von oben. Wir möchten dazu beitragen, dass sich das ändert – indem wir aufzeigen, wo es hakt, und mit konkreten Vorschlägen Verbesserungen anstoßen. Nur wenn beide Ebenen – Bottom-up und Top-down – zusammenspielen, kann Baukultur langfristig und wirksam gestaltet werden.

Die Arbeit macht uns große Freude, aber sie ist auch herausfordernd. Damit wir langfristig wirksam bleiben können, ist eine verlässliche finanzielle Basis entscheidend.

Es braucht institutionelle Förderung – nicht nur projektbezogene Mittel. Nur so können wir dauerhaft planen und wirken.

Wie können Interessierte mit Ihnen in Kontakt treten oder sich einbringen?

Unser siebenköpfiger Vorstand ist offen für neue Ideen, Kooperationen und Unterstützung. Über unsere Webseite www.baukultur-brandenburg.de finden Interessierte Kontaktmöglichkeiten, Informationen zu Veranstaltungen – wie dem kommenden Tag der Baukultur am 30. Mai 2026 – sowie eine interaktive Karte mit Akteuren und Projekten der Baukultur im Land. Und natürlich:

Das Interview führte Dipl.-Ing. Maria Pegelow, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Wettbewerb und Vergabe, Brandenburgische Architektenkammer


Prof. Heinz Nagler (* 1955)


Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Baukultur Brandenburg, Architekt und Stadtplaner

Heinz Nagler wuchs im kulturellen und sprachlichen Grenzbereich zwischen Schwaben und Franken auf – in der Ostalb bei Stuttgart. Aufgewachsen im Dorf, zur Schule gegangen in der Stadt, besuchte er ein technisches Gymnasium mit Metallausbildung.

Prof. Dipl.-Ing. Heinz Nagler © privat
Heinz Nagler © privat

Ein Schlüsselerlebnis in seiner Jugend war der Besuch der Alten Pinakothek in München: Das Ikonografische, die Zeichenhaftigkeit des Bildes „Die Geißblattlaube“ von Rubens berührten ihn nachhaltig – und weckten sein Interesse an Architektur und Kunstgeschichte, die er in Stuttgart studierte.

1991/92 dann der Umzug nach Brandenburg, konkret nach Cottbus, letztlich über einen gewonnenen Innenstadtwettbewerb in der Partnerstadt Saarbrücken. In Cottbus wirkte er viele Jahre lang als Professor für Städtebau und Entwerfen an der BTU Cottbus (1994 – 2020) und gründete 1996 sein eigenes Architektur- und Planungsbüro – seit 2018 unter dem Namen Nagler Dieck Architekten und Stadtplaner. Er wirkte außerdem stark an der Stadtentwicklung mit durch eine Vielzahl von Rahmenplänen und gebauten öffentlichen Räumen sowie als Jurymitglied bei Planungswettbewerben. Zudem wurden planerische Anstöße durch viele studentische Projekte gegeben. Last but not least wirkte er an einer intensiven und erfolgreichen Entwicklung sowie Verlagerung eines Museums, dem DKW, mit. 16 Jahre lang war er Vorsitzender des Fördervereins „Freunde und Förderer Dieselkraftwerk Cottbus des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst e. V.

Seit April 2024 ist Heinz Nagler Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Baukultur Brandenburg, der aus der Baukulturinitiative (2019 – 2023) hervorgegangen ist. Ziel des Vereins ist es, Baukultur im Land Brandenburg sichtbarer zu machen, Akteure zu vernetzen – und langfristig eine stabile Institution für Baukultur zu etablieren.

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