Welche Bedeutung hat die mehrfach ausgezeichnete Umsetzung des Luftschifffahrtshangars für die Positionierung Ihres Ingenieurbüros in der Branche (technisch und auch strategisch)?
Für uns als Tragwerksplaner ist diese in mehrfacher Hinsicht bedeutsam. Technisch zeigt das Projekt unsere Fähigkeit, komplexe Tragwerksaufgaben innovativ, präzise und effizient zu lösen – vom anspruchsvollen Holz- und Stahltragwerk bis zur großräumigen Auskragung und optimierten Lastenverteilung. Besonders im Holzbau unterstreicht das Projekt unsere Expertise und unsere strategische Ausrichtung auf nachhaltiges Bauen, um bewusst Ressourcen zu schonen und langfristig CO₂ zu binden.
Strategisch stärkt das Projekt unsere Positionierung als Ingenieurbüro, das nicht nur rein funktional arbeitet, sondern bewusst auch baukulturelle Werte schafft. Durch unsere Ingenieursleistung tragen wir aktiv zur Gestaltung von Bauwerken bei und zeigen, dass nachhaltiges Planen, technische Exzellenz und architektonische Qualität Hand in Hand gehen. Die Anerkennung durch den Deutschen Ingenieurbaupreis erhöht unsere Sichtbarkeit in der Branche, öffnet Türen für neue, anspruchsvolle Projekte und unterstreicht unser Profil als Partner für innovative, nachhaltige und kulturell wertvolle Bauaufgaben.
Kurz gesagt: Das Projekt ist ein technischer Meilenstein, ein Beleg für unsere Nachhaltigkeitskompetenz durch den Holzbau und zugleich ein strategischer Botschafter unserer Ingenieurskunst und unseres baukulturellen Anspruchs.
Welche besonderen ingenieurtechnischen Herausforderungen mussten beim Projekt gemeistert werden, und inwiefern spiegeln diese die Innovationskraft Ihres Büros wider?
Der Neubau des Luftschiffhangars in Mülheim stellte uns vor eine Reihe außergewöhnlicher ingenieurtechnischer Herausforderungen, die weit über den üblichen Rahmen klassischer Hallenkonstruktionen hinausgingen – und genau hier zeigt sich die Innovationskraft unseres Ingenieurbüros.
Zunächst erforderte der enge rahmenplanerische Kontext, dass das neue Gebäude exakt auf dem Fußabdruck des Vorgängerbaus errichtet werden musste, ohne zusätzliche Flächenversiegelung. Gleichzeitig waren hohe Anforderungen an ästhetische Qualität, Tragfähigkeit und Multifunktionalität zu erfüllen, da die Halle sowohl als Hangar für das Luftschiff „Theo“ als auch als Veranstaltungsraum für bis zu 1.500 Personen konzipiert ist.
Im Zentrum der konstruktiven Herausforderung stand das Holztragwerk: 15 Zweigelenkbögen aus Brettschichtholz mit über 40 m Spannweite und nahezu 600 reinholzigen Knotenpunkten bildeten ein selbsttragendes Fachwerk ohne klassische Stahlverstärkungen. Hier war ein konsequent neu entwickeltes Tragwerkskonzept gefragt, das Holz nicht nur als nachhaltigen Baustoff nutzt, sondern seine mechanischen Eigenschaften technisch anspruchsvoll und effizient ausreizt – ein Ansatz, der sich deutlich von konventionellen Hallentragwerken unterscheidet.
Eine weitere technische Herausforderung bestand in der Integration maßgeschneiderter, extrem großer Hallentore (je 400 m² und 72 t Eigengewicht), die im geschlossenen Zustand statisch Teil der Tragstruktur sind und im offenen Zustand eigenständig stabil sein müssen. Die Lösung erforderte ein hohes Maß an analytischer Präzision und interdisziplinärer Koordination, um sowohl die dynamischen Lastabtragungen als auch die Bewegungsmechanik in ein funktionales Gesamtsystem zu überführen.
Diese Aufgaben – komplexe Holzkonstruktionen mit hoher Vorfertigung, die Berücksichtigung strenger Bauanforderungen unter Nachhaltigkeits- und Zirkularitätsaspekten sowie die Integration außergewöhnlicher Bauteile – spiegeln unsere ingenieurtechnische Innovationskraft wider: Wir verbinden ein klares Verständnis für strukturelle Optimierung mit pragmatischer Problemlösung wie auch dem unbedingten Willen zur Gestaltung beizutragen und der Fähigkeit, technische Grenzen im Holzbau neu zu definieren.
Wie beeinflusst ein derart prestigeträchtiges Projekt Ihre zukünftige Arbeitsweise – etwa in Bezug auf neue Technologien, Projektakquise oder die Weiterentwicklung Ihres Teams?
Der Hangar ist für uns weniger eine Ausnahme, sondern vielmehr eine Referenz und der Maßstab für zukünftiges Arbeiten. Das Projekt bestärkt uns darin, komplexe Aufgaben früh konzeptionell zu durchdringen und Tragwerke nicht nur rechnerisch, sondern integral, materialgerecht und gestalterisch zu entwickeln. Ein zentraler Erfolgsfaktor war dabei die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Beginn an – insbesondere mit den Architekten, dem Holzbauer, den ausführenden Firmen und anderen Fachplanenden–, die wir seither noch stärker als festen Bestandteil unserer Projektmethodik verankern.
In der Projektakquise schafft der Luftschiffhangar Vertrauen: Er zeigt, dass wir technisch anspruchsvolle, innovative und nachhaltige Bauwerke zuverlässig umsetzen können – insbesondere im Holzbau. Gleichzeitig dokumentiert das Projekt unsere Fähigkeit, komplexe Prozesse im interdisziplinären Kontext zu koordinieren und weiterzudenken. Das führt zunehmend zu Anfragen, bei denen wir früh als strategischer Planungspartner eingebunden werden und gemeinsam mit anderen Disziplinen tragfähige Konzepte entwickeln, statt erst als nachgelagerte Fachdisziplin zu agieren.
Für unser Team war und ist das Projekt ein wichtiger Entwicklungsschritt. Die intensive Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg, die Auseinandersetzung mit neuen Technologien, digitalen Planungsprozessen und außergewöhnlichen Detailfragen fördert fachliche Tiefe, Eigenverantwortung und systemisches Denken. Diese Erfahrungen fließen direkt in unsere Arbeitsweise ein und stärken unsere Fähigkeit, interdisziplinäre Planungsprozesse aktiv zu steuern, innovative Lösungen zu entwickeln und baukulturelle Qualität nachhaltig mitzugestalten.
Gewinner des Staatspreises 2024
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