© DIB
© DIB

Baukammer Berlin fordert mehr Planungswettbewerbe

Baukammer Berlin fordert mehr Planungswettbewerbe

Baukammer Berlin fordert mehr Planungswettbewerbe

Für beste Planungslösungen und transparenten Wettbewerb im Hoch- und Brückenbau

Für beste Planungslösungen und transparenten Wettbewerb im Hoch- und Brückenbau

Es ist nicht egal, was und wie gebaut wird. Auch wenn der „Bauturbo“ gezündet wurde und ein milliardenschweres Infrastrukturpaket Maßnahmen zur Beschleunigung und Vereinfachung des Bauens vorsieht, bleibt es unverzichtbar, eine qualitätsvolle und anspruchsvolle gebaute Umwelt zu realisieren. Für die planenden Berufe ist Baukultur von zentraler Bedeutung: Sie macht den gesellschaftlichen Mehrwert von Architektur und Ingenieurbau sichtbar und kann die Akzeptanz von Bauprojekten nachhaltig stärken.

Es ist nicht egal, was und wie gebaut wird. Auch wenn der „Bauturbo“ gezündet wurde und ein milliardenschweres Infrastrukturpaket Maßnahmen zur Beschleunigung und Vereinfachung des Bauens vorsieht, bleibt es unverzichtbar, eine qualitätsvolle und anspruchsvolle gebaute Umwelt zu realisieren. Für die planenden Berufe ist Baukultur von zentraler Bedeutung: Sie macht den gesellschaftlichen Mehrwert von Architektur und Ingenieurbau sichtbar und kann die Akzeptanz von Bauprojekten nachhaltig stärken.

© DIB
© DIB

Energieeffizienz, Klimaschutz und umfassende Nachhaltigkeitsanforderungen stellen die Bauwirtschaft vor große Herausforderungen. Gleichzeitig sollen Infrastruktur und Wohnungsbau schneller, günstiger und in größerem Umfang realisiert werden. In diesem Spannungsfeld übernehmen Architekt:innen und Ingenieur:innen eine enorme Verantwortung. Sie arbeiten zunehmend in interdisziplinären Teams, um komplexe, fachübergreifende Lösungen zu entwickeln. Dabei kommt der Baukultur eine Schlüsselrolle zu.

Die Bundesstiftung Baukultur bringt dies treffend auf den Punkt:

„Räume prägen Menschen. Menschen prägen Räume.“

Auch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) weist im Handbuch für die Vergabe und Ausführung freiberuflicher Leistungen im Straßen- und Brückenbau (HVA F-StB 03-2022, Abs. 6) darauf hin, dass Auftraggeber prüfen und dokumentieren müssen, ob Planungsleistungen – insbesondere im Brückenbau – für einen Planungswettbewerb geeignet sind.

Wie erreichen wir qualitätsvolle Bauwerke und Brücken?

Seit vielen Jahren steht mit den Planungswettbewerben nach RPW 2013 ein bewährtes Instrument zur Verfügung. Dennoch werden in der Praxis zu wenige Wettbewerbe durchgeführt. Unter Zeit- und Kostendruck besteht die Gefahr, dass große Infrastruktur- und Hochbauprojekte als Gesamtpakete ausgeschrieben werden – oft ohne ausreichende Berücksichtigung von Städtebau, Landschaft, Ingenieurwesen und Baukultur.

Der Bayerische Leitfaden für Planungswettbewerbe benennt zentrale Ziele, darunter:

  • nachhaltige, innovative und kreative Lösungen,
  • Vergleich verschiedener Konzepte,
  • Auswahl der besten Planungslösung,
  • Förderung von Baukultur und Nachwuchs,
  • erhöhte Transparenz und Öffentlichkeit,
  • Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung.

Vorteile des Planungswettbewerbs – insbesondere in Phase 0

Ein entscheidender Mehrwert von Planungswettbewerben liegt in der vorgelagerten Bedarfsplanung (Phase 0) gemäß DIN 18205. Vor der Auslobung wird gemeinsam mit allen Beteiligten geklärt:

  • Was soll gebaut werden?
  • Welche Anforderungen bestehen?
  • Welche Nutzungen sind vorgesehen?

Daraus entsteht ein abgestimmtes Bedarfs- und Raumprogramm (HOAI Leistungsphase 1). Dies reduziert spätere Konflikte, verkürzt Abstimmungsprozesse und schafft Planungssicherheit hinsichtlich Kosten und Bauzeit.

Bürgerbeteiligung als Qualitätstreiber

Gerade in stadträumlichen Kontexten ist frühzeitige Bürgerbeteiligung unverzichtbar. Planungswettbewerbe ermöglichen es, Anforderungen der Zivilgesellschaft bereits vor der eigentlichen Planungs- und Bauphase einzubinden. Öffentliche Foren können Input liefern, der direkt in die Auslobung einfließt.

Dies gilt sowohl für:

  • anspruchsvolle städtebauliche Areale in Städten, als auch für
  • ländliche Räume mit komplexen Anforderungen an Ortsbilder.

Besonders geeignet sind Wettbewerbe für Brücken an bedeutenden Verkehrsknotenpunkten (zum Beispiel mit Beteiligung von Autobahn GmbH, DB AG, DEGES u. a.). Sie können als Plattform dienen, um technische, gestalterische und gesellschaftliche Interessen zusammenzuführen.

Das aktuelle Verfahren zur Carola-Brücke in Dresden ist bereits als Best-Practice-Beispiel für einen Brückenwettbewerb mit Bürgerbeteiligung hervorzuheben.

„Zu teuer und zu langsam“ – eine widerlegte Behauptung

Oft wird behauptet, VgV-Verfahren seien günstiger und schneller als Planungswettbewerbe. Diese Annahme wurde jedoch durch eine Untersuchung von C4C – competence for competitions im Auftrag des BBSR widerlegt. Die Evaluation zeigte, dass Wettbewerbe nicht per se teurer oder langsamer sind als andere Vergabeverfahren.

Positive Erfahrungen in Berlin

In Berlin existiert grundsätzlich ein gutes Selbstverständnis für Planungswettbewerbe – insbesondere im städtebaulichen Bereich. SenStadtWohnen (SenSW) arbeitet seit Jahren erfolgreich mit einer eigenen Wettbewerbsabteilung und hat zahlreiche Projekte mit Bürgerbeteiligung umgesetzt.

Auch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) führt regelmäßig Wettbewerbe mit Beteiligungsverfahren durch (zum Beispiel das Zukunftszentrum Halle).

Im Brückenbau wurden ebenfalls erfolgreiche Realisierungswettbewerbe durchgeführt, u. a.:

Gleichwohl hemmt der hohe Sanierungsbedarf maroder Brücken oft die Durchführung von Wettbewerben, da schnelle Lösungen priorisiert werden.

Sowohl Autobahn GmbH als auch DEGES sehen derzeit nur begrenzten Bedarf für Planungswettbewerbe. Dabei zeigen Beispiele wie die Rudolf-Wissell-Brücke (Berlin) oder die Norderelbe-Querung (Hamburg), dass Wettbewerbe auch im Infrastrukturbau erfolgreich angewendet werden können.

Gerade im Kontext von Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Zirkularität bieten Planungswettbewerbe große Chancen für innovative Lösungen.

Unsere Forderung

Wir plädieren ausdrücklich für mehr Planungswettbewerbe im Hoch- und Brückenbau – insbesondere interdisziplinäre Verfahren.

Die zentralen Vorteile sind:

  • Entwurfsvielfalt: Mehrere Planer entwickeln unterschiedliche Lösungen; Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit werden im Wettbewerb geprüft.
  • Faire Auswahl: Anonyme Wettbewerbsverfahren basieren auf konkreten Entwürfen statt auf Referenzen.
  • Qualitätsgewinn: Der Vergleich verschiedener Konzepte führt zu innovativen und hochwertigen Ergebnissen.
Planungswettbewerbe stärken Baukultur, fördern Innovation und erhöhen die gesellschaftliche Akzeptanz von Bauprojekten – zum Nutzen aller.

Energieeffizienz, Klimaschutz und umfassende Nachhaltigkeitsanforderungen stellen die Bauwirtschaft vor große Herausforderungen. Gleichzeitig sollen Infrastruktur und Wohnungsbau schneller, günstiger und in größerem Umfang realisiert werden. In diesem Spannungsfeld übernehmen Architekt:innen und Ingenieur:innen eine enorme Verantwortung. Sie arbeiten zunehmend in interdisziplinären Teams, um komplexe, fachübergreifende Lösungen zu entwickeln. Dabei kommt der Baukultur eine Schlüsselrolle zu.

Die Bundesstiftung Baukultur bringt dies treffend auf den Punkt:

„Räume prägen Menschen. Menschen prägen Räume.“

Auch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) weist im Handbuch für die Vergabe und Ausführung freiberuflicher Leistungen im Straßen- und Brückenbau (HVA F-StB 03-2022, Abs. 6) darauf hin, dass Auftraggeber prüfen und dokumentieren müssen, ob Planungsleistungen – insbesondere im Brückenbau – für einen Planungswettbewerb geeignet sind.

Wie erreichen wir qualitätsvolle Bauwerke und Brücken?

Seit vielen Jahren steht mit den Planungswettbewerben nach RPW 2013 ein bewährtes Instrument zur Verfügung. Dennoch werden in der Praxis zu wenige Wettbewerbe durchgeführt. Unter Zeit- und Kostendruck besteht die Gefahr, dass große Infrastruktur- und Hochbauprojekte als Gesamtpakete ausgeschrieben werden – oft ohne ausreichende Berücksichtigung von Städtebau, Landschaft, Ingenieurwesen und Baukultur.

Der Bayerische Leitfaden für Planungswettbewerbe benennt zentrale Ziele, darunter:

  • nachhaltige, innovative und kreative Lösungen,
  • Vergleich verschiedener Konzepte,
  • Auswahl der besten Planungslösung,
  • Förderung von Baukultur und Nachwuchs,
  • erhöhte Transparenz und Öffentlichkeit,
  • Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung.

Vorteile des Planungswettbewerbs – insbesondere in Phase 0

Ein entscheidender Mehrwert von Planungswettbewerben liegt in der vorgelagerten Bedarfsplanung (Phase 0) gemäß DIN 18205. Vor der Auslobung wird gemeinsam mit allen Beteiligten geklärt:

  • Was soll gebaut werden?
  • Welche Anforderungen bestehen?
  • Welche Nutzungen sind vorgesehen?

Daraus entsteht ein abgestimmtes Bedarfs- und Raumprogramm (HOAI Leistungsphase 1). Dies reduziert spätere Konflikte, verkürzt Abstimmungsprozesse und schafft Planungssicherheit hinsichtlich Kosten und Bauzeit.

Bürgerbeteiligung als Qualitätstreiber

Gerade in stadträumlichen Kontexten ist frühzeitige Bürgerbeteiligung unverzichtbar. Planungswettbewerbe ermöglichen es, Anforderungen der Zivilgesellschaft bereits vor der eigentlichen Planungs- und Bauphase einzubinden. Öffentliche Foren können Input liefern, der direkt in die Auslobung einfließt.

Dies gilt sowohl für:

  • anspruchsvolle städtebauliche Areale in Städten, als auch für
  • ländliche Räume mit komplexen Anforderungen an Ortsbilder.

Besonders geeignet sind Wettbewerbe für Brücken an bedeutenden Verkehrsknotenpunkten (zum Beispiel mit Beteiligung von Autobahn GmbH, DB AG, DEGES u. a.). Sie können als Plattform dienen, um technische, gestalterische und gesellschaftliche Interessen zusammenzuführen.

Das aktuelle Verfahren zur Carola-Brücke in Dresden ist bereits als Best-Practice-Beispiel für einen Brückenwettbewerb mit Bürgerbeteiligung hervorzuheben.

„Zu teuer und zu langsam“ – eine widerlegte Behauptung

Oft wird behauptet, VgV-Verfahren seien günstiger und schneller als Planungswettbewerbe. Diese Annahme wurde jedoch durch eine Untersuchung von C4C – competence for competitions im Auftrag des BBSR widerlegt. Die Evaluation zeigte, dass Wettbewerbe nicht per se teurer oder langsamer sind als andere Vergabeverfahren.

Positive Erfahrungen in Berlin

In Berlin existiert grundsätzlich ein gutes Selbstverständnis für Planungswettbewerbe – insbesondere im städtebaulichen Bereich. SenStadtWohnen (SenSW) arbeitet seit Jahren erfolgreich mit einer eigenen Wettbewerbsabteilung und hat zahlreiche Projekte mit Bürgerbeteiligung umgesetzt.

Auch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) führt regelmäßig Wettbewerbe mit Beteiligungsverfahren durch (zum Beispiel das Zukunftszentrum Halle).

Im Brückenbau wurden ebenfalls erfolgreiche Realisierungswettbewerbe durchgeführt, u. a.:

Gleichwohl hemmt der hohe Sanierungsbedarf maroder Brücken oft die Durchführung von Wettbewerben, da schnelle Lösungen priorisiert werden.

Sowohl Autobahn GmbH als auch DEGES sehen derzeit nur begrenzten Bedarf für Planungswettbewerbe. Dabei zeigen Beispiele wie die Rudolf-Wissell-Brücke (Berlin) oder die Norderelbe-Querung (Hamburg), dass Wettbewerbe auch im Infrastrukturbau erfolgreich angewendet werden können.

Gerade im Kontext von Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Zirkularität bieten Planungswettbewerbe große Chancen für innovative Lösungen.

Unsere Forderung

Wir plädieren ausdrücklich für mehr Planungswettbewerbe im Hoch- und Brückenbau – insbesondere interdisziplinäre Verfahren.

Die zentralen Vorteile sind:

  • Entwurfsvielfalt: Mehrere Planer entwickeln unterschiedliche Lösungen; Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit werden im Wettbewerb geprüft.
  • Faire Auswahl: Anonyme Wettbewerbsverfahren basieren auf konkreten Entwürfen statt auf Referenzen.
  • Qualitätsgewinn: Der Vergleich verschiedener Konzepte führt zu innovativen und hochwertigen Ergebnissen.
Planungswettbewerbe stärken Baukultur, fördern Innovation und erhöhen die gesellschaftliche Akzeptanz von Bauprojekten – zum Nutzen aller.

bkberlin-Autorenlogo
Marion Pristl
Dipl.-Ing., Vorsitzende des Wettbewerbsausschusses der Baukammer Berlin
Nicole Parlow
Dipl.-Ing. (FH), Wettbewerbsausschuss der Baukammer Berlin
Nicole Zahner
Dipl. Bau-Ing. ETH, Stellvertretende Vorsitzende des Wettbewerbsausschusses der Baukammer Berlin

NEWSLETTER

Nach Anmeldung versorgt Sie der Newsletter kostenfrei 14-tägig mit einer redaktionellen Auswahl aktueller Nachrichten und Berichten des Deutschen Ingenieurblatts.

Ihre E-Mail-Adresse wird ausschließlich zur Versendung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit per Abmeldelink im Newsletter abmelden (Datenschutzerklärung des Dienstleisters CleverReach).

Ihre E-Mail-Adresse:

Als Ingenieurkammer-Mitglied bitte nicht anmelden – Sie erhalten bereits exklusiv unseren umfassenderen „Mitglieder-Infoservice“ bzw. können diesen über Ihre Kammer bestellen.

BAUPLANER NEWS

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit dem Bauplaner-Newsletter, unserem wöchentlichen E-Mail-Service, der Bauingenieure und Planer über die neuesten Entwicklungen in der Branche informiert. 

Ihre E-Mail-Adresse wird ausschließlich zur Versendung des Bauplaner-Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit per Abmeldelink im Bauplaner-Newsletter abmelden (Datenschutzerklärung des Dienstleisters CleverReach).

Ihre E-Mail-Adresse:

NEUE BEITRÄGE

Anzeige: Lesen Sie jetzt das neue ✶ ALLPLAN Whitepaper ✶