Besonders freut mich, dass die Bauministerin in ihrer Antrittsrede im Bundestag uns in die Pflicht nimmt: Nicht mit der Kettensäge, sondern mit klugen Juristen und Ingenieurinnen will sie Vorschriften entschlacken. Gerne bringen wir die Expertise der planenden Berufe für Deregulierungen und Prozessoptimierungen ein. Hierzu zählt nicht nur der Gebäudetyp E, sondern auch die unverhältnismäßig angewachsenen Normenfluten. Auch die vielen Hürden durch länderspezifische Bauregularien, die ein Planen und Bauen erschweren und verteuern, sollten in Angriff genommen werden.
Das Bauwesen hat sich in den letzten Jahrzehnten in Deutschland in eine Richtung entwickelt, die heute dringend einer Umkehr bedarf. Wir müssen die nächsten Jahre eine Transformation einleiten, die dem Motto folgt „weniger ist mehr“ – weniger Bürokratie, um mehr bauen und sanieren zu können. Optimistisch stimmt mich, dass wir jetzt aus vielen Bereichen Signale erhalten, dass dies nicht nur erkannt, sondern auch aktiv angegangen werden soll. Wir stehen gerne bereit, um mit unserem Fachwissen diese Prozesse nachhaltig zu befördern.
Ich beglückwünsche die neue Bundesbauministerin und den neuen Bundesverkehrsminister dazu, dass sie in dieser Legislaturperiode zwei Ministerien mit gestalterischen Möglichkeiten leiten dürfen, um das Zusammenleben der Menschen positiv zu beeinflussen. Wohnraum, Stadtentwicklung und Infrastrukturen betreffen die Menschen direkt in ihrem Alltag und emotionalisieren daher stark. Die Diskussion rund um die Reform des Gebäudeenergiegesetzes hat dies eindrücklich unterstrichen. Sowohl seitens der Bevölkerung als auch auf Seiten der Baubranche sind die Erwartungen an die neue Bundesregierung hoch: Sie wird an ihren baupolitischen Erfolgen gemessen werden.
Die Bundesingenieurkammer appelliert an die Politik und alle am Bau Beteiligten: Lassen Sie uns gemeinsam das Bauwesen in Deutschland voranbringen. Der deutsche Ingenieurbau genießt weltweites Ansehen, unsere Ingenieurinnen und Ingenieure verfügen über die notwendige Expertise. Die Politik muss jedoch die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Nur so kann das Vertrauen der Bevölkerung in die Handlungsfähigkeit des Staates im Bereich Infrastruktur und Wohnungswesen wieder zurückgewonnen werden.
Ihr Dr.-Ing. Heinrich Bökamp
Präsident der Bundesingenieurkammer