Auf ein Wort

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Auf ein Wort

Auf ein Wort

Liebe Ingenieurinnen, liebe Ingenieure,

2025 präsentierte sich für das Bauingenieurwesen als ein Jahr voller Herausforderungen – aber auch voller Chancen. Die Branche steht weiterhin unter Druck: Steigende Kosten, komplexe Genehmigungsprozesse und ein anhaltender Fachkräftemangel belasten Projekte und Unternehmen gleichermaßen. Viele Ingenieurbüros und mittelständische Bauunternehmen blicken mit Unsicherheit auf die kommenden Monate. Doch gerade in dieser schwierigen Lage liegt auch die Möglichkeit, Weichen für eine nachhaltigere und stabilere Zukunft zu stellen.

Liebe Ingenieurinnen, liebe Ingenieure,

Deutschland steht vor einer doppelten Herausforderung: Es fehlen Wohnungen und zugleich verfällt die Infrastruktur. Straßen, Brücken und Schienen sind überlastet, der Ausbau von Energienetzen und Glasfaser kommen nur schleppend voran – und auch Schulen, Kitas und Hochschulgebäude sind vielerorts sanierungsbedürftig oder fehlen ganz. Ein zentraler Grund für diese Misere ist die ausufernde Bürokratie im Bauwesen. Wer schneller bauen will, muss schneller entscheiden.

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Hoffnungsträger ist das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Wenn es gelingt, die Gelder in den Erhalt und die Modernisierung von Verkehrswegen, Brücken, Schienen und Bildungsinfrastrukturen zu investieren, kann dies nicht nur Projekte anstoßen, sondern auch langfristige Planungssicherheit schaffen. Das Gleiche gilt für die zugesagten Mittel des Bundesbauministeriums. Entscheidend ist jedoch, dass das Geld tatsächlich in der Praxis ankommt – ohne dass es in bürokratischen Schleifen stecken bleibt. Und wir haben hier früh vor einem Verschiebebahnhof weg von den Kernhaushalten in das Sondervermögen gewarnt, der sich jetzt leider an vielen Stellen abzeichnet.

Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Hürden. Aber gerade dieser Engpass zeigt, wie attraktiv, wichtig und zukunftssicher das Bauingenieurwesen ist. Investitionen in Ausbildung, Weiterbildung und moderne Arbeitsbedingungen werden darüber entscheiden, ob die Branche die Talente gewinnt, die sie dringend braucht. Zugleich wird die Digitalisierung – von BIM bis KI-gestützte Planungsprozesse – helfen, die vorhandenen Kapazitäten effizienter zu nutzen. Wir sind hier auch im Austausch mit den Bundesministerien, dieses Thema gemeinsam zu adressieren.

Ebenso essenziell ist ein spürbarer Bürokratieabbau. Viele Projekte scheitern nicht an technischen oder finanziellen Grenzen, sondern am Zeitverlust durch langwierige Abstimmungswege und bürokratische Pflichten. Schnellere Genehmigungen und klare Zuständigkeiten würden nicht nur Kosten senken, sondern auch das Vertrauen in die Politik stärken.

Darüber hinaus brauchen Ingenieurinnen und Ingenieure eine faire Vergütung für ihre Leistung. Qualität, Verantwortung und Haftungsrisiken müssen angemessen honoriert werden. Ergänzend dazu ist eine mittelstandsfreundliche Vergabe unabdingbar – denn der Mittelstand ist Rückgrat und Innovationsmotor des Bauwesens. Hier können wir nur an die Bundesregierung appellieren, die Eckpunkte des Koalitionsvertrages nicht aus dem Blick zu verlieren.

Trotz aller Schwierigkeiten bietet 2026 die Chance, Reformen endlich umzusetzen und das Bauingenieurwesen resilienter zu machen. Wenn Politik, Wirtschaft und Berufsverbände gemeinsam handeln, kann aus einem herausfordernden Jahr ein starkes und zukunftsorientiertes werden.

Ihr Dr.-Ing. Heinrich Bökamp
Präsident der Bundesingenieurkammer

Heute gleichen Bauvorhaben oft einem administrativen Hindernislauf: Genehmigungsverfahren ziehen sich über Jahre, Zuständigkeiten sind zersplittert, Vorschriften überlagern sich. Jede einzelne Regel mag oft sinnvoll sein, in der Summe jedoch blockieren sie Fortschritt. Das treibt Kosten, verschärft den Wohnraummangel und verzögert dringend benötigte Investitionen in die öffentliche Daseinsvorsorge.

Besonders deutlich wird das bei der Infrastruktur: Während andere Länder Brücken oder Bahntrassen in wenigen Jahren realisieren, diskutiert Deutschland noch über Planfeststellungsdetails. Ähnlich dramatisch ist die Lage bei der Bildungsinfrastruktur: Marode Schulgebäude, fehlende Klassenräume und improvisierte Containerlösungen sind längst vielerorts Alltag. Doch selbst dort, wo Geld bereitsteht, scheitern Sanierungen und Neubauvorhaben an komplexen Verfahren, langen Prüfketten und wechselnden Anforderungen von Bau-, Umwelt- und Schulbehörden. Für Schülerinnen und Schüler bedeutet das: Lernen unter schlechten Bedingungen – über Jahre hinweg.

Bürokratieabbau heißt dabei nicht, Standards über Bord zu werfen. Sicherheit, Umwelt- und Beteiligungsrechte bleiben unverzichtbar. Aber die Verfahren müssen einfacher, digitaler und verbindlicher werden. Warum gelten für identische Schulbauten unterschiedliche Landesvorschriften? Warum werden Gutachten mehrfach erstellt, obwohl sich die Ausgangslage kaum unterscheidet? Und warum fehlen klare Fristen, in denen entschieden werden muss?

Ein moderner Staat sollte Bauen ermöglichen, nicht verhindern. Digitale Genehmigungen, einheitlichere Bauordnungen sowie eine stärkere Bündelung von Prüfungen könnten enorme Beschleunigung bringen. Gerade beim Wohnungsbau, bei Verkehrswegen, Energieprojekten und Bildungsbauten braucht es ein klares Bekenntnis zum öffentlichen Interesse.

Bürokratieabbau im Bauwesen ist kein technisches Randthema, sondern soziale und wirtschaftliche Notwendigkeit. Damit bezahlbares Wohnen und funktionierende Infrastrukturen Realität werden, kommt es auf politischen Mut und Verantwortungsbewusstsein an.

Die Bundesregierung adressiert dieses Thema – und das begrüßen wir sehr. Neben kurzfristigen Maßnahmen benötigen wir jedoch auch einen Mentalitätswechsel in Behörden und in der Wirtschaft – beispielsweise, wenn es um die Normierung geht. Eine entscheidende Rolle fällt dabei auch der Europäischen Union zu, die mit dem „EU-Pakt für Wohnungsbau“ in der Verantwortung steht, Bürokratie ab- und nicht aufzubauen.

Das Jahr 2026 muss genutzt werden, um die Grundlagen für langfristige Lösungen zu schaffen und so das Vertrauen in den Staat und den Bausektor zu stärken.

Ihr Dr.-Ing. Heinrich Bökamp
Präsident der Bundesingenieurkammer

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Dr.-Ing. Heinrich Bökamp
Präsident der Bundesingenieurkammer

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