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Digitale Leitstellen steuern Zugverkehr zwischen Dänemark und Österreich

Bahn-Tochter rüstet zentrale Nord-Süd-Achse mit europäischem Zugbeeinflussungssystem aus

Digitale Leitstellen übernehmen künftig die Steuerung des Zugverkehrs auf dem ScanMed-Korridor zwischen Dänemark und Österreich. Die DB InfraGO rüstet den deutschen Abschnitt der zentralen Nord-Süd-Achse mit dem European Train Control System (ETCS) aus. Der ETCS-Ausbau umfasst rund 4.500 Kilometer Schienenstrecke und über 30.000 Stelleinheiten.
Das Zugbeeinflussungssystem ETCS bildet die Basis für die Digitalisierung des deutschen Schienenverkehrs: Es steuert Züge digital und sorgt für eine höhere Leistungsfähigkeit der Strecke. © DB InfraGO AG/ Digitale Schiene Deutschland
Das Zugbeeinflussungssystem ETCS bildet die Basis für die Digitalisierung des deutschen Schienenverkehrs: Es steuert Züge digital und sorgt für eine höhere Leistungsfähigkeit der Strecke. © DB InfraGO AG/ Digitale Schiene Deutschland

Das Infrastrukturunternehmen der Deutschen Bahn realisiert damit eines der größten Digitalisierungsprojekte im deutschen Schienenverkehr. Drees & Sommer SE übernimmt die Termin- und Multiprojektsteuerung sowie das Risikomanagement.

Europäische Standardisierung im Schienenverkehr

Der Korridor erschließt Wirtschaftsräume zwischen Skandinavien und dem Mittelmeerraum. André Schulz, Gesamtsteuerer im PMO ScanMed, erläutert die Dimension des Vorhabens: „Er verbessert auch die Zusammenarbeit mit europäischen Eisenbahnverkehrsunternehmen. Ziel ist, technische Schnittstellen zwischen Zügen und Infrastruktur europaweit zu standardisieren und damit Interoperabilität zu gewährleisten. Das erhöht außerdem die Betriebssicherheit, steigert gemeinsam mit weiteren modernen Technologien mittelfristig die betrieblichen Kapazitäten durch kürzere Zugfolgezeiten und verringert die Anzahl der Außenanlagen.“

Funkbasierte Zugbeeinflussung und zentrale Leitstellen

Das Zugbeeinflussungssystem ETCS stellt Informationen, die bisher Signale vor Ort vermitteln, digital über Funk bereit. Eine zentrale Leitstelle überwacht die Positionen der Züge in Echtzeit, gibt Fahranweisungen und steuert die Auslastung einzelner Streckenabschnitte präzise. Die Kombination aus ETCS, digitaler Stellwerkstechnik und dem integrierten Leit- und Bediensystem bildet das Rückgrat der technischen Infrastruktur. Das System ermöglicht eine effizientere Netznutzung bei gleichbleibender Sicherheit.

IP-basierte Schnittstellen und Herstellerunabhängigkeit

Die neuen Stellwerke ersetzen schrittweise ältere Technik. Sie senden Steuerbefehle über Glasfaserkabel an Weichen und Signale. André Schulz erklärt die technischen Vorteile: „Moderne Stellwerke ersetzen nach und nach ältere Stellwerkstypen. Sie senden Steuerbefehle über Glasfaserkabel an Weichen und Signale und kommunizieren über standardisierte, IP-basierte Schnittstellen. So lassen sich zukünftig Komponenten verschiedener Hersteller in einem System kombinieren. Wir fördern damit den Wettbewerb zwischen Anbietern, was langfristig zu wirtschaftlicheren und zukunftsfähigen Lösungen führt.“

Komplexe Koordination zwischen zahlreichen Akteuren

DB InfraGO setzt bei der Modernisierung des Korridors auf branchenübergreifende Partnerschaftsmodelle. Die Initiative Digitale Schiene Deutschland bündelt Fachwissen aus Industrie, Verkehrsunternehmen und Forschungseinrichtungen. Nils Johannsen, Projektleiter bei Drees & Sommer, koordiniert die Teilprojekte und die Zusammenarbeit der verschiedenen Gewerke: „Wenn Bund, Industrie, Verkehrsunternehmen und Forschungseinrichtungen frühzeitig zusammenarbeiten, entsteht ein enormer Mehrwert. Das gebündelte Fachwissen ermöglicht Lösungen, die technisch, wirtschaftlich und politisch tragfähig sind.“

Die Vielzahl der beteiligten Partner erfordert präzises Schnittstellenmanagement. Johannsen beschreibt die Herausforderung: „Viele Partner bedeuten viele Schnittstellen. Das erfordert eine sorgfältige und gut abgestimmte Koordination zwischen Akteuren und Teilprojekten. Deshalb unterstützen wir das PMO und das Projektteam im Termin- und Risikomanagement und stimmen interne Prozesse ab. Das schafft Transparenz und leistet einen wesentlichen Beitrag dafür, dass auch Großprojekte wie der Korridor ScanMed termingerecht fertiggestellt werden können.“

Wissenstransfer für künftige Infrastrukturvorhaben

Das Projekt soll voraussichtlich gegen Ende 2035 fertiggestellt werden. Die Erkenntnisse aus der Umsetzung fließen in die Planung weiterer Vorhaben ein. Nils Johannsen betont den Wert systematischer Dokumentation: „Auch wenn jedes Infrastrukturprojekt andere Rahmenbedingungen hat, lassen sich viele Erfahrungen übertragen. Eine präzise Dokumentation und Analyse der Projektverläufe ist dafür entscheidend. So können wir unsere Methoden kontinuierlich weiterentwickeln.“ (mb)

www.dreso.com

Quelle: ALLPLAN Deutschland GmbH

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