Vom Maschinenbaustudium zur Geothermie
Koenigsdorffs Weg führte über Solarthermie und Bauwesen zur integrierten Energietechnik. Heute steht im Mittelpunkt seiner Arbeit die Frage, wie Gebäude, Bauteile und Untergrund als zusammenhängendes Energiesystem funktionieren. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Nutzung oberflächennaher Geothermie, auf mitteltiefen Thermalwässern in Oberschwaben sowie auf Fragestellungen der tiefen Geothermie — stets mit Blick auf die effiziente Integration der gewonnenen Energie in gebäudetechnische Systeme.
Betondecken als thermische Speicher
Das Konzept ist konkret: Gebäude lassen sich im Sommer über aktivierte Betondecken mit zwölf bis 13 Grad kühlem Erdreich temperieren und der Untergrund dabei zugleich regenerieren. Als Beispiel nennt Koenigsdorff die Gebhard-Müller-Schule in Biberach, die er wissenschaftlich auf einem Niedrigenergie-Standard begleitete. Das Gebäude wird über eine geothermische Wärmepumpe mit Grundwasserbrunnen geheizt und gekühlt — ein Referenzprojekt auch für die Region Oberschwaben.
Forschung mit direktem Praxistransfer
Am Institut für Gebäude- und Energiesysteme (IGE) der HBC arbeiten fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Koenigsdorffs Team; hinzu kommen Doktoranden, die er an Universitäten und direkt an der HBC betreut. Das Drittmittelvolumen seiner Projekte beläuft sich im laufenden Jahr auf 383.000 Euro. Das Team vermisst und überwacht Anlagen, entwickelt Modelle für optimiertes Planen und Betreiben und überführt Erkenntnisse in die Praxis. „Unsere Forschung ist auf Transfer ausgelegt, Wissenschaft wirkt direkt auf die Praxis, wenn zum Beispiel VDI-Richtlinien, an denen wir mitgearbeitet haben, von Behörden übernommen werden.“
Forschendes Lernen im Studium
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse fließen unmittelbar in die Lehre ein. Geothermie ist an der HBC vor allem im Bachelor Energie-Ingenieurwesen und im Master Energie- und Gebäudesysteme verankert. Studierende bearbeiten Projekt- und Abschlussarbeiten in diesem Bereich und können im Masterstudium eine entsprechende Vertiefung wählen. „Als forschendes Lernen bezeichnen wir dieses besondere didaktische Prinzip“, so Koenigsdorff.
Vernetzung als Forschungsstrategie
Das IGE setzt auf Kooperation: Es arbeitet unter anderem mit dem Landesforschungszentrum Geothermie am Karlsruher Institut für Technologie, der Technischen Universität München, der Universität Stuttgart sowie Hochschulen in Rottenburg und Kempten zusammen — ergänzt durch kommunale und industrielle Partner. Neue interdisziplinäre Projekte, etwa die Verknüpfung von Regenwassermanagement und Wärmepumpentechnik in Quartieren, zeigen, wie sich Geothermie in zukunftsfähige Wärmenetze einbinden lässt.
Koenigsdorff sieht die Technologie langfristig im Aufwind: Zwar seien die Investitionen hoch, doch lohne sich der Umstieg. „Wer heute in die Geothermie einsteigt, arbeitet an einer Technologie mit großem Entwicklungspotenzial, gesellschaftlicher Relevanz und enormer Nachhaltigkeit.“ (mb)