Ensembleschutz bestimmt technisches Konzept
Das Gebäude aus den 1930er Jahren steht mit seiner talseitigen Ansicht unter Ensembleschutz. Die Bauherren erhielten die charakteristische Gliederung mit Fluren und Raumaufteilung weitgehend. Lediglich einzelne nicht tragende Wände entfielen, um größere Klassenräume zu schaffen. Die geschwungenen Fensterformen prägen die Fassade und blieben bei der Sanierung erhalten. Diese architektonischen Vorgaben beeinflussten die Wahl der Gebäudetechnik maßgeblich: Zentrale Lüftungsgeräte, Luftkanäle oder Schächte hätten erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz erfordert.
Natürliche Druckunterschiede treiben Luftaustausch
Das Ingenieurbüro entwickelte ein natürliches Lüftungskonzept, das auf Druckunterschiede zwischen den Fassadenseiten setzt. Drei Veranstaltungsräume – zwei im ersten Obergeschoss, einer im zweiten – bilden jeweils eine eigenständige NV Embedded-Zone. Die Querlüftung nutzt natürliche Druck- und Temperaturunterschiede: Verbrauchte Luft strömt ohne mechanische Unterstützung ab, Frischluft gelangt nach. Motorische Antriebe von WindowMaster öffnen und schließen die Fenster automatisch.
Dezentrale Steuerung erfasst Raumparameter kontinuierlich
Jede der drei Zonen arbeitet mit einer autarken WCC 320 P-Steuerung. Raumluftsensoren vom Typ WWS 100 überwachen Temperatur und CO₂-Gehalt kontinuierlich. Wind-, Regen- und Außentemperatursensoren liefern Daten zu den externen Bedingungen. Die Steuerung verarbeitet diese Parameter in Echtzeit und passt die Fensterstellung an den jeweiligen Sollwert an. Das System reagiert auf veränderte Nutzungssituationen und Witterungsbedingungen unmittelbar.
Kompakte Antriebe fügen sich in historische Fenster ein
Die Fensterantriebe montierte das ausführende Unternehmen direkt in die geschwungenen Fensterrahmen. Die kompakten Motoren bleiben weitgehend unsichtbar und beeinträchtigen die historische Fensterarchitektur nicht. Diese dezentrale Installation vermied den Einbau raumgreifender Technik. Die Veranstaltungsräume bleiben frei von sichtbaren Lüftungsgeräten, Kanälen oder Verteilern.
Wärmepumpe ergänzt Gesamtkonzept
Das energetische Konzept kombiniert die natürliche Lüftung mit einer Wärmepumpe. Diese senkt die CO₂-Emissionen des Gebäudes und steigert die Gesamtenergieeffizienz. Die Anlage versorgt die weitgehend barrierefreie Ausbildungsstätte mit Heizwärme. Die Schule qualifiziert Pflegefachfrauen und -männer mit den Vertiefungen Allgemeine Akutpflege, Pädiatrie und Psychiatrie sowie Gesundheits- und Krankenpflegehelfer.
Raumklima ohne mechanische Kühlung
Das Lüftungskonzept gewährleistet ein gleichmäßiges, zugfreies Raumklima. Die kontinuierliche CO₂-Überwachung hält die Luftqualität auf dem erforderlichen Niveau für Bildungsräume. Der Verzicht auf mechanische Lüftung reduziert den Energiebedarf für die Raumkonditionierung erheblich. Die Querlüftung zwischen den Fassaden nutzt physikalische Effekte und minimiert den Strombedarf für den Luftaustausch.
Das Projekt auf dem Trierer Petrisberg zeigt, wie sich Denkmalschutz, Gebäudetechnik und Energieeffizienz in Bildungsbauten verbinden lassen. Die Ausbildungsstätte bietet seit Herbst 2025 eine Lernumgebung mit natürlichem Tageslicht und automatisch geregelter Frischluftzufuhr. (mb)