Photovoltaikanlagen führen mit 16 Prozent Haushaltsdurchdringung, Batteriespeicher haben sich zwischen 2023 und 2025 von drei auf neun Prozent verdreifacht. „Die Vernetzung von Photovoltaik, Stromspeicher und Wärmepumpe mit einem Energiemanagementsystem verwandelt das Zuhause in ein kleines Kraftwerk und ist ein entscheidender Schritt in Richtung Energieautarkie“, erklärt Andreas Habermehl, Geschäftsführer Technik und Berufsbildung des ZVEH.
EMS: Koordination statt Einzelbetrieb
Das Energiemanagementsystem erfasst Erzeugung und Verbrauch im Haushalt in Echtzeit und steuert angeschlossene Geräte automatisch. Produziert die Photovoltaikanlage einen Überschuss, aktiviert das EMS gezielt die Wärmepumpe oder lädt ein Elektroauto. In den Abendstunden greift es auf gespeicherte Energie zurück oder bezieht Netzstrom. Ohne diese Steuerungsebene bleiben Photovoltaik, Speicher und Wärmepumpe voneinander isolierte Einzelsysteme – und damit weit unter ihren Möglichkeiten.
Wärmepumpe: Potenzial nur im vernetzten Betrieb
Die Wärmepumpenbranche meldete für 2025 einen Absatz von 299.000 Heizungsgeräten – ein Plus von 55 Prozent gegenüber 2024, womit erstmals knapp die Hälfte aller verkauften Wärmeerzeuger auf diese Technologie entfällt. Laut Bundesverband Wärmepumpe (BWP) entstanden knapp 80 Prozent der neu installierten Anlagen in Bestandsgebäuden. Ihr Potenzial entfaltet die Wärmepumpe jedoch erst, wenn das EMS sie bevorzugt dann zuschaltet, wenn Solarstrom im Überschuss vorliegt – zum Heizen oder zur Warmwasserbereitung. „Die gezielte Kopplung von Wärmepumpe und Photovoltaikanlage über ein Energiemanagementsystem reduziert die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern erheblich“, erklärt Habermehl. Ein Pufferspeicher ergänzt das System und hält Wärme für nachfrageschwächere Zeitfenster vor. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) erteilte 2025 über 288.000 Förderzusagen für Wärmepumpen – ein Zuwachs von 91 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Elektromobilität als integrierter Baustein
Neun Prozent der deutschen Haushalte besitzen laut KfW bereits ein Elektroauto, gegenüber knapp sechs Prozent im Jahr 2023. Das EMS bindet auch das Fahrzeug in den Energieverbund ein: Es steuert Ladezeiten so, dass bevorzugt Solarüberschuss genutzt wird – und ermöglicht perspektivisch den Einsatz des Fahrzeugs als mobilen Speicher für das Hausnetz. So verbindet das Energiemanagementsystem Stromerzeugung, Wärmeversorgung und Mobilität zu einem abgestimmten Gesamtsystem. „Wer heute in ein digital gesteuertes Energiesystem investiert, legt den Grundstein für langfristige Kosteneinsparungen und leistet gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zur Energiewende“, betont Habermehl.
Fachplanung entscheidet über Systemleistung
Falsch dimensionierte oder schlecht abgestimmte Komponenten mindern das Potenzial des Gesamtsystems erheblich – die Qualität von Planung und Installation ist damit ebenso entscheidend wie die Wahl der Komponenten selbst. Innungsfachbetriebe der E-Handwerke verfügen über das notwendige elektrotechnische Fachwissen, um Photovoltaik, Speicher, Wärmepumpe, EMS und Ladeinfrastruktur aufeinander abgestimmt zu planen und in Betrieb zu nehmen. „Damit alle Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt sind, braucht es fachgerechte Planung und Installation“, betont Habermehl. (mb)