Im Technikumsmaßstab gelang die Herstellung bereits mehrfach. Die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) finanziert das Vorhaben, das die Montanuniversität Leoben leitet. Zum Konsortium gehören die Rohrdorfer Umwelttechnik, die Technische Universität Graz, Porr Umwelttechnik, Saint Gobain Austria sowie Holcim CTEC.
Mehrstufiger Aufbereitungsprozess
Die Umwandlung von Mineralwolleabfall in einen Hüttensandersatz erfordert mehrere Verarbeitungsschritte. Zunächst zerkleinert eine Schredder-Anlage das Material. Anschließend konditionieren die Forscher es mit einem kalziumreichen Sekundärrohstoff. Die aufbereiteten Abfälle durchlaufen dann Schmelz-, Granulier- und Mahlvorgänge, bevor sie in der Zementproduktion zum Einsatz kommen. Die Projektpartner teilten sich die Pilotversuche auf: Die Montanuniversität Leoben führte Probenvorbereitung und Schmelzversuche durch, die Technische Universität Graz übernahm baustoffliche Prüfungen, Porr Umwelttechnik das industrielle Schreddern und Konditionieren und Holcim CTEC produzierte die Zementsorten CEM II/B-M und CEM II/C-M.
Testbetone übertreffen Referenzmaterial
Die Forscher stellten aus den erzeugten Zementen Normalbeton der Sorte B2 her. Das Zentrallabor der Rohrdorfer Unternehmensgruppe in Krieglach unterzog diese Mischungen umfangreichen Testreihen, in denen es unter anderem Druckfestigkeiten und Karbonatisierungswiderstand prüfte. Mehrere B2-Betone aus den Pilotversuchen übertrafen bei ersten Tests den Referenzbeton auf Basis konventionellen Hüttensands. Dr. Theresa Sattler, BitKOIN-Projektleiterin bei der Rohrdorfer Umwelttechnik, erklärt: „Nach aktuellem Stand können wir uns über zwei positive Ergebnisse freuen. Zum einen über einen Hüttensandersatz, der dem Original bei bestimmten gewünschten Eigenschaften in der bisherigen Performance sogar überlegen ist, zum anderen, dass wir durch unser Verfahren sowohl die Gefährlichkeit von Mineralwolleabfällen minimieren als auch eine neue Kreislaufwirtschaft etablieren können.“
Großversuch und Ökobilanz stehen bevor
Das Konsortium plant einen Großversuch bei Saint Gobain, bei dem mehrere hundert Kilogramm Mineralwolleabfälle zu Hüttensand 2.0 verarbeitet werden. Parallel dazu erstellen die Forscher eine Ökobilanz, um die potenziellen Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus zu bewerten. Sie berechnen dabei Umweltwirkungen wie das Treibhauspotenzial, um ein ganzheitliches Bild der ökologischen Folgen des erzeugten Materials zu erhalten. (mb)