Urbane Hitze als Planungsaufgabe
In dicht besiedelten Innenstädten mit hohem Versiegelungsgrad staut sich an heißen Sommertagen die Wärme zwischen Gebäuden, Fassaden reflektieren sie zusätzlich. Die Hitze entweicht oft tagelang nicht. Langanhaltende hohe Temperaturen stellen ein Gesundheitsrisiko dar – Länder und Kommunen müssen deshalb Hitzeaktionspläne erstellen und Beschattungsmaßnahmen umsetzen. Genau hier setzt LivingShade an: Das System bringt Begrünung dorthin, wo Bäume keinen Platz finden.
Sechs Komponenten, eine Konstruktion
Jedes LivingShade-System entsteht standortbezogen als Einzelkonstruktion, setzt sich aber stets aus denselben sechs Komponenten zusammen. Das Fundament bilden Pflanzkübel aus Edelstahl mit einer Grundfläche von 1,50 mal 1,50 Metern und einer Höhe von 80 Zentimetern. Sie nehmen Beschwerungsplatten, Granulat und ein großes Erdvolumen auf und sichern so die Standfestigkeit – ganz ohne Bodenverankerung. Gleichzeitig dienen sie als Pflanzraum für die Kletterpflanzen, die später das schattenspendende Dach bilden. Sitzgelegenheiten lassen sich an den Kübeln anbringen und erhöhen die Aufenthaltsqualität unter der beschatteten Fläche.
Stahlmasten mit integrierter Vernebelung
In den Pflanzkübeln stecken Segelmasten aus Stahlrohr. Jeder Mast trägt drei Vernebelungsdüsen auf unterschiedlichen Höhen, die einen feinen Wassernebel erzeugen. Dieser kühlt die Umgebung und befeuchtet zugleich die Blätter der Kletterpflanzen. Eine zusätzliche Düse versorgt in regelmäßigen Abständen die Erde in den Kübeln mit Wasser. Die Masten fungieren außerdem als Rankhilfe, bevor die Pflanzen das Edelstahlseilnetz erreichen, das an den Rohren befestigt ist. Im Inneren der Masten verlaufen Strom- und Wasserleitungen.
Sensorgesteuerte Bewässerung über digitales Dashboard
Eine smarte Pumpentechnik verteilt das Wasser zu den einzelnen Pflanzkübeln. Der Betreiber steuert das System über ein digitales Dashboard. „Die Wassermenge sowie die Abstände, in denen das Wasser vernebelt wird, variieren je nach Temperatur und Umgebungsfeuchtigkeit“, erklärt Tim Volkmer, Technischer Leiter bei optimal Planen GmbH. „Die Sensoren regeln, dass nur so viel Wasser im System zirkuliert, wie auch tatsächlich gebraucht wird.“ Die Pumpe sitzt an einem der Pflanzkübel, eine Verkleidung bildet eine optische Einheit mit dem Kübel und bietet Platz etwa für eine Infotafel. Eine Ringleitung am Rand des Edelstahlseilnetzes versorgt die übrigen Kübel.
Vierfache Wasseraufbereitung als vierte Komponente
Das Wasser gelangt über eine Zuleitung aus dem Boden in das Pumpensystem. Dort durchläuft es vier Aufbereitungsstufen: Entkalkung, Filtration, Desinfektion mittels energiereichem UVC-Licht sowie eine niedrig dosierte chemische Desinfektion. Diese vierfache Aufbereitung gewährleistet eine hohe Wasserqualität im gesamten System. Ein Rückschlagventil verhindert das Eindringen von ungereinigtem Wasser.
Edelstahlseilnetz als Rankstruktur
Das Edelstahlseilnetz bildet die zentrale Komponente des Sonnensegels. Ein umlaufendes Drahtseil trägt es, seine Struktur bietet den Kletterpflanzen eine Rankhilfe. Mit der Zeit wachsen die Pflanzen zu einem geschlossenen grünen Dach zusammen. Das Netz lässt sich in jeder Größe fertigen und an die jeweilige Fläche anpassen.
Grüner Schatten ohne Bodeneingriff
Die sechste Komponente sind die Kletterpflanzen selbst. Betreiber wählen sie aus einem Katalog geeigneter Arten, die unter anderem ein geringes Gewicht und niedrigen Pflegeaufwand bieten. Nach etwa zwei Sommern bildet die Begrünung ein dichtes Dach, das CO2 bindet und das Mikroklima verbessert. „LivingShade spendet auf einer großen Fläche viel schneller Schatten als ein Baum, muss aber nicht in den Boden eingebracht werden. Es ist sozusagen ein grüner Schatten ohne Nachteile und ein einzigartiger Rückzugsort“, fasst Sebastian Bertsch, Geschäftsführer von optimal Planen GmbH, zusammen.
Von der Anfrage bis zur Montage
Sobald eine Anfrage eingeht, startet das Unternehmen die Konzeptionsphase. „Anhand von Fotos und Angaben zur Fläche, die beschattet werden soll, erarbeiten wir einen ersten Vorschlag und berechnen einen Richtpreis. Dann folgt ein Vor-Ort-Termin mit dem Kunden, bei dem Details in Bezug auf die örtlichen Gegebenheiten und Gestaltungswünsche geklärt werden. Anschließend erstellen wir ein umsetzungsfähiges Konzept und machen ein detailliertes Angebot“, erklärt Sebastian Bertsch.
Die Montage dauert rund drei Tage. Danach lenken die Betreiber die Kletterpflanzen lediglich so, dass sie das Edelstahlseilnetz gleichmäßig bewachsen. Ab dem dritten Jahr steht ein Pflegeschnitt an. Für die Wartung der technischen Komponenten schult das Unternehmen den Betreiber und stellt ein Handbuch bereit. Die Anschaffung lässt sich über verschiedene Förderprogramme für Städte und Kommunen bezuschussen. (mb)