Den Anstoß für das Ensemble gab eine ungewöhnliche Erbschaft. Das Münchner Architekturbüro H2M hatte das Projekt im Auftrag der LongLeif GaPa gGmbH geplant, deren erklärtes Ziel „gemeinnützige und Wohltätigkeitszwecke zu Gunsten von alten und pflegebedürftigen Personen“ ist. Hinter der Gesellschaft steht das Stifterehepaar Leifheit – bekannt durch Haushaltsgeräte wie die Teppichkehrmaschine „Regulus“. Nach dem Tod von Günter Leifheit erhielt die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen 57 Millionen Euro; die Stiftung löste sich daraufhin auf. Mit diesen Mitteln kaufte und sanierte die Gemeinde das ehemalige Finanzamt und errichtete dahinter einen Neubau.
Bestand trifft Neubau: Das Ensemble
Das denkmalgeschützte Finanzamt fungiert nun als barrierefreies Beratungszentrum für pflegerische Unterstützungsleistungen und selbstbestimmtes Leben im Alter. Der Neubau dahinter steht als eigenständiger Baukörper: ein viergeschossiges polygonales Fünfeck mit 24 altersgerechten Wohnungen zwischen 35 und 55 Quadratmetern. Bäder und Nebenräume liegen im Kern, Wohn- und Schlafräume sowie Balkone orientieren sich nach Osten, Süden oder Westen. Ein von oben mit Tageslicht geflutetes Treppenhaus erschließt die Apartments und schafft – wie auch das Wohncafé – Flächen für zufällige Begegnung. Ein eingeschossiger Winkelverbinder schließt beide Gebäude zusammen und rahmt einen intimen Innenhof, der sich zur Westseite hin zum Ortszentrum öffnet.
Türkonzept: Schallschutz, Brandschutz, Barrierefreiheit
Auf den ersten Blick fällt dem Besucher kaum auf, wie viele unterschiedliche Schörghuber-Türen das Projekt durchziehen. Zugangstüren zu den Bewohnerzimmern bestehen überwiegend aus grünen Schallschutztüren der Linie „Access“ mit Einbruchhemmung und Spion – sämtlich geprüft barrierefrei. Im Inneren der Zimmer kommen Vollspantüren zum Einsatz, teilweise als Schiebetüren zur Platzoptimierung. Brandschutztüren mit feststehendem Seitenteil und Oberlicht trennen die einzelnen Brandabschnitte.
Besondere planerische Herausforderungen stellte der Altbau: Hier galt es, Türen in großzügige Bögen einzupassen. Die Lösung besteht zu einem Großteil aus feststehendem Glas der Brandschutzklasse F30, das über teilweise gebogene U-Schienen nahtlos in die Laibung einläuft. Die Türblätter selbst sind vollflächig verglaste Massivholzrahmentüren mit 73 Millimetern Stärke in der Ausführung Slimline – das ergibt extrem schmale Friesbreiten und eine grazile Gesamtansicht. (mb)