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Demontage: Im Pilotprojekt „Windows of Opportunities“ wurden alte Fenster für die Rückführung in den Materialkreislauf vorbereitet. © Institut Konstruktives Entwerfen, ZHAW
Demontage: Im Pilotprojekt „Windows of Opportunities“ wurden alte Fenster für die Rückführung in den Materialkreislauf vorbereitet. © Institut Konstruktives Entwerfen, ZHAW

Alte Fenster als Rohstoffquelle

Alte Fenster als Rohstoffquelle

Alte Fenster als Rohstoffquelle

Von der Demontage bis zum Schmelzofen: Schweizer Pilotprojekt recycelt Isolierglas

Von der Demontage bis zum Schmelzofen: Schweizer Pilotprojekt recycelt Isolierglas

In ausgedienten Fenstern steckt mehr Rohstoffpotenzial, als die Entsorgungspraxis bislang widerspiegelt: Ein Pilotprojekt der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat erstmals in der Schweiz den vollständigen Weg von demontierten Isolierglasscheiben bis zur Wiedereinschmelzung in der Floatglasproduktion dokumentiert – und belegt damit, dass alte Fenster als Rohstoffquelle technisch nutzbar sind. Trotz des erheblichen Energieeinsparpotenzials bei der Glasherstellung landen bis heute große Mengen ausgedienter Fenster auf der Deponie.

In ausgedienten Fenstern steckt mehr Rohstoffpotenzial, als die Entsorgungspraxis bislang widerspiegelt: Ein Pilotprojekt der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat erstmals in der Schweiz den vollständigen Weg von demontierten Isolierglasscheiben bis zur Wiedereinschmelzung in der Floatglasproduktion dokumentiert – und belegt damit, dass alte Fenster als Rohstoffquelle technisch nutzbar sind. Trotz des erheblichen Energieeinsparpotenzials bei der Glasherstellung landen bis heute große Mengen ausgedienter Fenster auf der Deponie.

Demontage: Im Pilotprojekt „Windows of Opportunities“ wurden alte Fenster für die Rückführung in den Materialkreislauf vorbereitet. © Institut Konstruktives Entwerfen, ZHAW
Demontage: Im Pilotprojekt „Windows of Opportunities“ wurden alte Fenster für die Rückführung in den Materialkreislauf vorbereitet. © Institut Konstruktives Entwerfen, ZHAW

Unter dem Projektnamen „Windows of Opportunities“ ist Mitte 2025 der Rückbau von 375 Fensterflügeln aus einem Wohnhaus in Winterthur gestartet. Die demontierten Elemente transportierten die Projektbeteiligten anschließend zu einem nahegelegenen Betrieb von Glas Trösch. Dort trennten Monteure die Isolierverglasung sorgfältig von den PVC-Rahmen, die ebenfalls einer Wiederverwertung zugeführt wurden. Ein spezialisiertes Recyclingunternehmen übernahm das Zerkleinern und Säubern der Glasscherben. Da der Reinheitsgrad der Scherben für die Qualität des Floatglases entscheidend ist, folgte eine abschließende Analyse – mit positivem Ergebnis. Wenige Wochen nach der Demontage führte das Team mehr als 2,6 Tonnen Recyclingglas dem Schmelzofen eines nahegelegenen Floatglaswerks der Glas Trösch Gruppe zu. Die Gesamteinsparung betrug 1,33 Tonnen CO₂-Äquivalente.

Handarbeit für die Qualität: Die Trennung von Glas und Rahmen erfolgte in einem Betrieb von Glas Trösch. © Institut Konstruktives Entwerfen, ZHAW
Handarbeit für die Qualität: Die Trennung von Glas und Rahmen erfolgte in einem Betrieb von Glas Trösch. © Institut Konstruktives Entwerfen, ZHAW

Technische Machbarkeit bestätigt – Optimierungsbedarf bleibt

Das Projekt dokumentiert, dass alle Prozessschritte – Demontage, Lagerung, Trennung, Glassortierung, Rahmenrecycling, Reinigung und Einschmelzen – unter heutigen Bedingungen technisch umsetzbar sind, vorausgesetzt, die Qualitätsanforderungen an die Scherbensauberkeit werden strikt eingehalten. Da viele Schritte manuell abliefen, war der Zeitaufwand vergleichsweise hoch. Darin liegt gleichzeitig erhebliches Potenzial: Die Verwertungskette lässt sich in wesentlichen Teilen noch optimieren.

Die demontierten Isolierglaseinheiten wurden von einem Recyclingunternehmen weiterverarbeitet. © Institut Konstruktives Entwerfen, ZHAW
Die demontierten Isolierglaseinheiten wurden von einem Recyclingunternehmen weiterverarbeitet. © Institut Konstruktives Entwerfen, ZHAW

Fazit der Beteiligten: Grundlage für weitere Schritte

„Beim Flachglasrecycling stehen wir erst am Anfang,“ sagt Michelle Schneider, Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Konstruktives Entwerfen an der ZHAW. „Von daher war es wichtig mit dem Pilotprojekt aufzuzeigen, dass die Wiederverwertung mit etwas Mehraufwand machbar ist.“ Lars Zimmerli, Mitglied der Gruppenleitung bei Glas Trösch, ergänzt: „Die gesammelten Erfahrungen erleichtern es allen Projektbeteiligten besser einschätzen zu können, wie der Recyclingprozess nicht nur technisch und logistisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll organisiert werden kann.“ (mb)

www.glastroesch.com

Hochwertiger Sekundärrohstoff: Die geschredderten Flachglasscherben konnten dem Schmelzprozess wieder zugeführt werden. © Glas Trösch
Hochwertiger Sekundärrohstoff: Die geschredderten Flachglasscherben konnten dem Schmelzprozess wieder zugeführt werden. © Glas Trösch

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