Thermobodenplatten für den nachhaltigen Hausbau

Autor: Christian Schaar

Wärmedämmende Bodenplatten mit integrierter Fußbodenheizung liegen im Trend – und das nicht nur bei Passiv- und Energiesparhäusern. Thermobodenplatten sind nachhaltig, senken den Energieverbrauch, erleichtern den Hausbau und wirken sich positiv auf das Wohnraum- und Wohlfühlklima aus.

Thermobodenplatten mit Fußbodenheizung (Bildquelle: S2 GmbH)

Nachhaltiger Hausbau wird immer wichtiger, um Umwelt, Klima und Ressourcen zu schützen. Das betrifft nicht nur die Wahl der Baustoffe, Transportkosten und -wege der Bauteile, die Verwendung recyclebarer Materialien oder den Einbau energieeffizienter und ökologischer Heizsysteme. Bereits mit dem Fundament eines Hauses kann der Grundstein für mehr Energieeffizienz, niedrige Heizkosten und ein gesteigertes Wohlfühlklima im Sinne der Baubiologie gelegt werden.

(Bildquelle: S2 GmbH)

Wohlfühlklima mit niedrigen Energiekosten

Beim Bau von Passiv- und Energiesparhäusern gehören Bodenplatten mit Kernbetonheizung längst zum Standard. Aufgrund ihrer zahlreichen Vorteile haben sie inzwischen aber auch Einzug in den konventionellen Eigenheim-Bau gefunden. Ursprünglich für nicht unterkellerte Gebäude entwickelt, können die Bodenplatten mit integrierter Fußbodenheizung mittlerweile ebenfalls als Kellerdecke in zwei- bis zweieinhalbgeschossigen Einfamilienhäusern, Gewerbegebäuden, Massiv-, Fertig- oder Blockhäusern eingebaut werden. Da sie in Skandinavien bereits schon länger verbreitet sind, werden sie auch als Schwedenplatte oder Warmgrundfundament bezeichnet. Aufgrund ihrer heizenden Eigenschaften sind sie eine umweltfreundliche Dämmung zum Erdreich und zugleich Fundament und Heizung eines Hauses.

Thermobodenplatten erleichtern den Hausbau und reduzieren die Bauzeit

Im Vergleich zu konventionellen Bodenplatten haben Thermobodenplatten zahlreiche Vorteile für den Hausbau. Durch ihre wärmenden Eigenschaften ist es nicht notwendig, die Erde für das Fundament bis zur Frostgrenze in 80 Zentimeter auszuheben. Ein Erdaushub von 30 Zentimetern ist vollkommen ausreichend und die Fußbodenheizung sorgt dafür, dass sich unter der Bodenplatte kein Eis bildet. Der Einbau von Thermobodenplatten erleichtert und verkürzt den Hausbau um ein Vielfaches. Das Aufbringen von Fundament-Kies macht ein Betonfundament überflüssig, das erst gegossen werden müsste und sechs Wochen bräuchte, um zu trocknen. Eine Schwedenplatte ist dagegen in drei bis fünf Tagen eingebaut, wodurch sich die Bauzeit des Hauses um bis zu einem Monat verkürzt. Des Weiteren können mit den Heizschlangen der Fußbodenheizung auch direkt Kalt-, Warm- und Abwasserleitungen in die Bodenplatte eingelassen werden. Die zwei Dämmschichten des Fundaments, zwischen denen sich eine Feuchtigkeitssperre aus Alu, Vlies oder Polymerbitumen befindet, machen nicht nur eine zusätzliche Isolation der Leitungen überflüssig, sondern reduzieren auch die Menge des benötigten Betons. Durch die Fußbodenheizung muss ebenfalls kein Heizestrich gegossen werden, sondern der Bodenbelag kann direkt auf die Bodenplatte aufgebracht werden. 

Wärmedämmende Bodenplatten senken den Energieverbrauch

Eine Thermobodenplatte ist zwar etwa 30 Prozent teurer als eine gewöhnliche Bodenplatte und kostet zwischen 140 und 150 Euro pro Quadratmeter. Allerdings amortisieren sich die Anschaffungskosten relativ schnell. Das liegt nicht zuletzt an den positiven Effekten auf den Energieverbrauch und die Heizkosten.

(Bildquelle: S2 GmbH)

Eine Bodenplatte mit Kernbetonheizung verfügt über ausgezeichnete isolierende Eigenschaften. Der Beton dient als Wärmespeicher und die hohe Dämmstärke sorgt dafür, dass wenig Wärme nach außen und insbesondere an den Boden abgegeben wird. Der U-Wert, der das Maß der Wärmedämmung von Bauteilen angibt, liegt bei einer Thermobodenplatte bei 0,10 bis 0,17 Watt pro Quadratmeter und pro Kelvin (W/m²K). Damit liegt der U-Wert deutlich unter dem Maximalwert von 0,35 W/m²K für eine konventionelle Bodenplatte, den das Gebäudeenergiegesetz vorsieht. So verringert sich der Energieverbrauch durch den Einbau einer Thermobodenplatte um 30 oder maximal sogar um 50 Prozent.

Gesundes Raumklima mit natürlichen Materialien schaffen

Durch die Betonkernaktivierung, auch thermische Bauteilaktivierung genannt, ist es möglich, das Haus im Sommer zu kühlen und im Winter zu heizen. Dabei benötigt die integrierte Fußbodenheizung lediglich eine Vorlaufwärme von 23 bis 25 Grad, ohne Betonkernaktivierung 30 bis 34 Grad, und heizt den Boden mit Temperaturen zwischen 18 und 24 Grad. Um die wärmeleitenden Eigenschaften der Thermobodenplatte effektiv zu nutzen, sind für den Bodenbelag, der direkt auf die Platte aufgebracht werden kann, natürliche Materialien besser geeignet als künstliche. Bodenbeläge wie Keramikfliesen, Holz, Beton, Kork oder Natursteine leiten die Wärme besser als Laminat oder Vinyl. Zudem sind sie umweltverträglich, recycelbar, langlebig, schadstofffrei und schaffen ein gesundes Raumklima. Durch den Einbau einer Thermobodenplatte entstehen keine Kälte- und Wärmebrücken oder Probleme mit Nässe und Schimmel. Wird beim Hausbau für jeden Raum ein eigener Heizkreislauf eingerichtet, kann die Fußbodenheizung zudem über ein Thermostat individuell angesteuert werden.

Thermobodenplatten mit Fußbodenheizung erzeugen angenehmes Wohlfühlklima

Die wärmedämmende Bodenplatte mit integrierter Fußbodenheizung sorgt dafür, dass die Wärme im  Gebäude besser gehalten und gleichmäßig an Raumluft, Wände und Decke abgegeben wird. Weitere Heizkörper sind nicht erforderlich, was sich positiv auf das Innenraumklima und die Wohnraumgestaltung auswirkt. Denn beim Betrieb von Heizkörpern wird Staub aufgewirbelt, was insbesondere für Allergiker und Asthmatiker ein Problem darstellt. Zudem sorgt die Fußbodenheizung dafür, dass die Luftfeuchtigkeit gleich bleibt und so auch keine Schimmelpilze entstehen. Davon abgesehen, erzeugt die Flächenheizung im Boden Strahlungswärme, die als deutlich angenehmer empfunden als die von Heizkörpern erzeugte Konvektionswärme. Gestalterisch sind in Räumen mit Fußbodenheizung bodentiefe Fenster möglich, da sich Heizkörper sonst in der Regel unter Fenstern befinden. Auch hinsichtlich der Wohnungseinrichtung ergeben sich mehr Freiheiten, da nicht darauf geachtet werden muss, dass Heizkörper durch Möbel verstellt werden. Das ist insbesondere im Hinblick auf barrierefreies Wohnen ein weiterer Vorteil der Thermobodenplatten.

Autor:
Christian Schaar ist Geschäftsführer der S2 GmbH. Seine baubiologischen Kenntnisse erlangte er durch den täglichen Umgang mit Problemen der Baubiologie in verschiedenen Unternehmen des ökologischen Holzbaus. Als Geschäftsführer eines Planungsbüros, dessen Schwerpunkt ebenfalls der ökologische Holzbau ist, wird er bei Neubauprojekten und Sanierungen regelmäßig mit baubiologischen Fragestellungen konfrontiert und als Experte auf diesem Gebiet konsultiert.

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