Dreiklang aus Glas, Stahl und Leichtbeton

Musikhaus am Jesuitensteig, Wien

Für einen Anbau mit Treppenhaus und Aufzug am Wiener Musikhaus suchten RAHM Architekten einen Baustoff, mit dem sich der monolithische, skulpturale Charakter des neuen Erschließungskörpers optimal umsetzen ließ. Fündig wurden sie in Liapor-Leichtbeton, der zugleich auch alle statischen und energetischen Anforderungen erfüllte.

Der Aufzugschacht aus Liapor-Leichtbeton steht in betonendem Kontrast zur seitlichen Ganzglasfassade. Foto: Stephan Trierenberg

Eines der auffälligsten Merkmale der Musikschule am Wiener Jesuitensteig ist der neue Erschließungskörper an der Ostseite des Gebäudes. Er beinhaltet ein Treppenhaus und einen Personenaufzug und erlaubt damit eine ganz neue, barrierefreie Erschließung der drei Geschosse des Ende des 18. Jahrhunderts erbauten Wohn- und Verwaltungshauses. Konzipiert und umgesetzt wurde der Anbau von RAHM Architekten aus Wien. Diese verfolgten dabei klare Ziele, insbesondere was die Baukörpergeometrie und das Zusammenspiel aus offenen und geschlossenen Flächen anging: "Der Anbau sollte als monolithischer, skulpturaler Baukörper umgesetzt werden, der sich vollständig zum Garten hin öffnet und insbesondere durch die Menschen auf den Treppen die Lebendigkeit des Gebäudes sichtbar macht", erläutert Architekt Hans Schartner. Gelöst wurde dieser Ansatz durch die große, seitliche Ganzglasfassade, die dem Treppenhaus das gewünschte Maß an Offenheit, Licht und Transparenz verschafft.

Durch die Reduktion der verwendeten Materialien wirkt das Innere des neuen Anbaus schlicht, aber doch lebendig.
Foto: Stephan Trierenberg

Aber auch an die restlichen geschlossenen Flächen des Anbaus – also Aufzugschacht, Sockel, Dach und Stirnseite – stellten die Architekten hohe Ansprüche: "Wir waren auf der Suche nach dem besonders reinen, einfachen Baumaterial, das die Offenheit des Stiegenhauses in schlichter Poesie kontrastiert und betont", erzählt Architekt Hans Schartner. Der Baustoff musste dabei natürlich auch alle statischen Anforderungen erfüllen, die sich aus der geometrischen Komplexität des Anbaus ergaben. "Fündig wurden wir im Liapor- Leichtbeton, mit dem wir alle gestalterischen und statischen Vorstellungen und Vorgaben sicher umsetzen konnten. Dazu kommt, dass der Baustoff auch den nötigen Wärmeschutz bietet, und zwar ohne zusätzliche Dämmschichten."

Nach zehnmonatiger Planungszeit begannen Anfang 2017 die Bauarbeiten für den Erschließungskörper. Den Auftakt bildete eine Musterwand aus Liapor-Leichtbeton, die inzwischen als fixes Bühnenelement am Platz vor dem Musikpavillon im Garten Verwendung gefunden hat. An ihr sammelten alle Beteiligten wertvolle Erfahrungen, die ihnen später für den eigentlichen Bau zugute kamen. Unter der Bauherrschaft der Aulos GmbH in Linz übernahmen die Wiener Motivbau GmbH und die Wale Baugesellschaft mbH die Bauausführung. Der Liapor-Leichtbeton wurde von der Perlmooser Beton GmbH in Wien hergestellt und geliefert. Insgesamt kamen für den neuen Anbau rund 50 Kubikmeter eines LC12/13 zum Einsatz. Im Detail wurden damit der Aufzugturm, der Gebäudesockel sowie die Dach- und Vorderseite in jeweils 40 Zentimetern Stärke errichtet. Dachund Vorderseite des Baukörpers wurden später noch begrünt.
Die Treppenspindel wie auch die Laufplatten der Treppe selbst bestehen aus Normalbeton. "Statisch herausfordernd waren das Dach, die begrünte Wand und das Stiegenpodest über dem Eingang, die gemeinsam mit der Spindel ein statisches System darstellen", berichtet Architekt Hans Schartner.

Parallel zum neuen Anbau wurde unter der Leitung von RAHM Architekten auch das bestehende Gebäude saniert, und nach rund 14-monatiger Gesamtbauzeit konnte das Musikhaus Wien im Februar 2018 feierlich eingeweiht werden. "Das Stiegenhaus mit der Glasfassade zum Garten ist inspiriert von der Leichtigkeit der Musik und lässt in der Betrachtung die kleinen MusikerInnen die Stiegenläufe wie Tonleitern erklimmen", so das Fazit von Architekt Hans Schartner. "Die Reduktion der verwendeten Materialien in Form von Beton, Glas und Stahl gibt dieser Beziehung von innen und außen ihren besonderen Raum."

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