Coronavirus - Mitarbeiter erkrankt - was tun?

Was tun, wenn das Coronavirus (COVID-19) auch vor Ihrem Unternehmen nicht Halt macht? Wird schon nicht passieren? Und wenn doch? Haben Sie darüber schon nachgedacht? Es gibt keinen Grund zur Panik. Bleiben Sie ruhig und lassen Sie sich nicht von Verschwörungstheorien und Fake News zum Thema beeinflussen. 

Quelle: Photo by Austin Distel on Unsplash / www.distel.com

Aber Fakt ist: Das Coronavirus wird sich in den nächsten Wochen und Monaten weiter ausbreiten. Wie lange das noch geht und wie viele Menschen und damit auch Unternehmen davon betroffen sein werden, kann derzeit noch keiner beurteilen. Es ist nicht auszuschließen, dass Ihr Unternehmen betroffen ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits Ende Januar den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Ver- und befolgen Sie die allgemeinen Empfehlungen der Risikoeinschätzung und Handlungsempfehlungen des Robert-Koch-Instituts.

Grundsätzlich ist strukturiert und ruhig zu überlegen: Was, wenn sich zum Beispiel Mitarbeiter infiziert haben? Was, wenn Sie Ihre Produktion bzw. gewisse Tätigkeiten einstellen müssen, weil zu viele Mitarbeiter erkrankt sind oder Behörden den Zugang zur Firm oder gelagerten Materialien nicht mehr gestatten? Kann es zu Lieferengpässen kommen? Was, wenn eine Großveranstaltung ansteht, die vielleicht abgesagt werden muss? Sollten Sie vielleicht in Betracht ziehen, die Regeln für Krankmeldungen oder Home Office in Ihrem Unternehmen für einen gewissen Zeitrahmen zu ändern bzw. Anzupassen? Was wäre das Worst-Case-Szenario und wie kann man darauf reagieren?

Gerade in unserer schnellen kommunikativen Welt gilt es, einen Krisenplan zu haben. Eine falsche Entscheidung, ein falsches Wort gegenüber Journalisten oder im Internet kann die Krise Ihres Unternehmens erst richtig entfachen. Einfach gar keine Entscheidungen zu treffen und nicht zu kommunizieren, funktioniert nicht. Man kann nicht nicht kommunizieren. Das wissen wir spätestens seit dem gleichnamigen Werk des Philosophen Paul Watzlawick, der betonte, dass wir auch ohne Worte jederzeit im Austausch mit unseren Mitmenschen stehen - ob wir wollen oder nicht. Keine Reaktion bzw. die Vogel-Strauß-Taktik gehen mit ziemlicher Sicherheit nach hinten los. Eine fehlende oder falsche Kommunikationsstrategie kann längerfristigen Umsatz- und Gewinnrückgang verursachen, der vermeidbar ist. Sie kann sogar das ganze Unternehmen gefährden.
Wichtig: Sie selbst können durch die richtige Reaktion die Krise beeinflussen und langfristig dafür sorgen, dass Ihr Unternehmen so wenig wie möglich darunter leidet. Handeln Sie, bevor es zu spät ist. Warten Sie nicht, bis Ihr Ruf und Geschäft nachhaltig geschädigt sind. Sehr kleine Firmen, die von der Öffentlichkeit noch nie richtig wahrgenommen wurden, nur eine handvoll Mitarbeiter haben und keine Großveranstaltungen auf die Beine stellen, werden zwar nicht so im Kreuzfeuer der Öffentlichkeit stehen, wie große Unternehmen, sollten sich aber auch Gedanken machen, denn Corona-Infizierte werden immer ein Thema sein, das die Öffentlichkeit interessiert. Damit kann sich keiner einfach aus der Öffentlichkeit und Verantwortung heraushalten.

Legen Sie jetzt folgende Punkte fest:

  1. Wer kommuniziert, wenn Corona-Fälle auftreten? Ist Ihr Geschäftsführer, Ihre Geschäftsführerin (Sie selbst) dafür geeignet? Oder ist der- oder diejenige vor Journalisten oder Kunden zu nervös, zu impulsiv, zu unbedacht oder ähnliches? Gibt es dann einen Pressesprecher oder eine Pressesprecherin oder eine andere geeignete Person, die angemessen für Sie kommunizieren kann? Wer könnte das sein?
  2. Wer sind die Stakeholder? Niemanden vergessen? Mitarbeiter? Kunden? Behörden? Presse? Wer noch? In welcher Reihenfolge muss informiert werden? Häufig ist es sinnvoll, die Mitarbeiter zuerst zu informieren, damit sie es nicht aus der Presse erfahren, was nicht gut ankommt.
  3. Welche Formulierungen dienen dazu, offen und ehrlich, ohne etwas zu verheimlichen, aber gleichzeitig ohne Panik zu schüren, die Fakten mitzuteilen? Wichtig: Verheimlichen oder verharmlosen Sie niemals, kommunizieren Sie so transparent wie möglich, reden Sie die Sache nicht schön. Vermeiden Sie unbedingt überhebliches, arrogantes, beschwichtigendes oder gar aggressives Verhalten. Informieren Sie schnell, aktiv, also von sich aus, offen, emotional, betroffen, menschlich und empathisch. 
  4. Auf welchen Wegen können Sie kommunizieren? Wie erreichen Sie alle Mitarbeiter? Gibt es interne Verteiler? Müssen noch welche geschaffen werden? Welche kommunikativen Maßnahmen sind nach außen nötig? Bietet sich eine Pressekonferenz an? Ist eine Pressemitteilung das Mittel der Wahl? Ist der Verteiler dafür aktuell? Wie können Sie auf Social-Media-Kanälen kommunizieren? Wen müssen Sie direkt anrufen oder per E-Mail informieren? Bietet es sich an, auf Ihrer Webseite über Maßnahmen des Unternehmens zum Schutz vor dem Virus oder eben den Coronavirus-Ausbruch zu informieren? Kann man da schon etwas vorbereiten?
  5. Kann es sein, dass eine Veranstaltung abgesagt werden muss? Welche Kosten entstehen? Welcher Reputationsschaden würde entstehen, wenn sich Menschen infizieren? Ist diese Verantwortung tragbar? Wie wahrscheinlich ist es? Größe und Ort und die Frage nach der Internationalität sind hierbei aktuell sicherlich mit die entscheidenden Punkte. Bisher sind Großveranstaltungen hierzulande nicht verboten, aber die Tourismusmesse ITB in Berlin und die Internationale Handwerksmesse (IHM) in München wurden abgesagt, die Pharma-Konferenz Vision.A in Berlin wurde verschoben. Auch die Leipziger Buchmesse findet in diesem Jahr nicht statt. Der Cyber Security Tech Summit Europe und die Internationale Messe für Technologien der Metallbearbeitung abgesagt. Die Schweiz hat bereits alles ab 1.000 Zuschauern verboten. Im Bundestag wird noch debattiert.
  6. Last but not least: Sorgen Sie unbedingt immer und zu jeder Zeit – und jetzt erst Recht – für eine gute Reputation des Unternehmens. “Eine gute Reputation ist wie ein funktionierendes Immunsystem. Und ein solches will beständig gepflegt werden”, schreibt Martin Wohlrabe in seinem soeben, aber noch vor Corona erschienenen Buch ”Litigation-PR.” Wann aber könnte dieser Hinweis besser passen als gerade jetzt, in einer Zeit, in der unsere Unternehmen und seine Mitarbeiter möglicherweise von einem neuartigen Virus bedroht werden. Vergessen Sie auch nicht, die Erkenntnisse festzuhalten und Schlüsse daraus zu ziehen. Denn nach der Krise ist vor der Krise.

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