Brückenrekonstruktion mit Leichtbeton-Elementen

Bahnhof Ostkreuz, Berlin

Wie sich historische Bauwerke mit modernen, leistungsfähigen Baustoffen originalgetreu wiederherstellen lassen, zeigt die Fußgängerbrücke am Berliner Bahnhof Ostkreuz. Hier wurde das Stahlträgerwerk aus Gewichtsgründen mit knapp 200 großformatigen Fertigteil-Elementen aus Liapor-Leichtbeton ausgefacht.

Die Stahlträgerkonstruktion der Abgänge und des Überbaus wurde mit knapp 200 Leichtbeton-Elementen ausgefacht. / Foto: Beton und Naturstein Babelsberg GmbH

Das Berliner Ostkreuz wurde 1882 in Betrieb genommen und stellt heute den größten Nahverkehrsknotenpunkt der Hauptstadt dar. Seit 2006 wird der Bahnhof bei laufendem Betrieb umgebaut. Das Projekt, das sich aktuell im Abschluss befindet, hat zum Ziel, den Reisekomfort zu erhöhen und auch die Anbindung von Regionalverkehrszügen an den ehemaligen S-Bahnhof zu verbessern. Dafür entstanden ganz neue Objekte wie beispielsweise die über 130 Meter lange Ringbahnhalle aus Stahl und Glas. Gleichzeitig werden aber auch historische Elemente wie die Fußgängerbrücke westlich der Ringbahnhalle wieder errichtet. Sie überspannt die unteren Bahnsteige und verbindet die Sonntagsstraße mit dem Markgrafendamm. Errichtet wurde sie 1923 nach den Plänen des Architekten Richard Brademann. Dieser war auch am Bau der Bahnhöfe Westkreuz, Wannsee und Bornholmer Straße beteiligt. Im Zuge der aktuellen Umbauarbeiten wurde die alte Konstruktion durch eine Behelfskonstruktion ersetzt. Verwertbare Bauteile wie Brückenstützen und Gitterträger  waren zuvor eingelagert worden.

Die nach den Originalplänen wieder aufgebaute Fußgängerbrücke
ist Anfang 2019 komplett nutzbar. / Foto: Beton und Naturstein Babelsberg GmbH

Im April 2016 begann der Wiederaufbau der historischen Fußgängerbrücke. Zunächst wurden die Brückenstützen, die Widerlager und der Unterbau der Treppenabgänge aus Stahlbeton erstellt. Im Anschluss erfolgte der Bau der darüberliegenden Stahlträgerkonstruktion. Diese bildet das Grundgerüst für das Dach und die Seitenwände sowohl des Überbaus als auch der Abgänge. Danach galt es, die Stahlträgerkonstruktion im Bereich des Überbaus, der vier Treppen und der beiden seitlichen Abgänge mit einem geeigneten Material auszufachen. „Um hier die statischen Grenzen der Stahlträgerkonstruktion nicht zu überschreiten, wurden besonders leichte Fertigbauteile aus Liapor-Leichtbeton mit den Druckfestigkeitsklassen LC8/9 und LC12/13 eingesetzt“, erklärt Martin Philipp von der Beton und Naturstein Babelsberg GmbH in Potsdam, die die Elemente herstellte und lieferte. „Insgesamt fertigten wir knapp 200 Leichtbeton-Elemente in einer Stärke von 12 Zentimetern, die Gesamtfläche betrug 840 Quadratmeter.“  

Die ornamentartige Optik der Brücke wird durch die charakteristischen
Sprossenfenster komplettiert. / Foto: Beton und Naturstein Babelsberg GmbH

Die Rezeptur für die Fertigteile wurde in enger Zusammenarbeit mit Liapor erstellt. Vor Ort wurden verschiedene Probeelemente erstellt, um die Einhaltung aller bautechnischen Vorgaben zu gewährleisten. Im Betonwerk wurden alle erhabenen Oberflächen der Leichtbeton-Elemente geglättet ausgeführt, um die spätere, ein Zentimeter starke Schicht aus mineralischem Spritzputz optimal aufnehmen zu können. Die übrigen nicht sichtbaren, von den Stahlprofilen verdeckten Flächen und Kanten erscheinen schalungsglatt. Bei der Beton- und Naturstein Babelsberg GmbH wurden auch eine Stahlbewehrung, Transportanker sowie maßgenaue Montagehülsen in die Bauteile eingebracht. „Die Herstellung der Leichtbeton- Elemente verlief ohne Probleme und erfolgte zwischen 2016 und 2018 auf Abruf, immer genau auf den jeweiligen Baufortschritt abgestimmt“, berichtet Martin Philipp. „Anschließend gelangten die großformatigen Elemente zum Teil per Innenlader auf die Baustelle.“ Dort wurden sie per Kran in die Stahlträgerkonstruktion eingehoben und montiert. 

Nach der Montage erfolgte der Auftrag des weißen Putzes. Gleichzeitig wurden die charakteristischen Sprossenfenster und die flachen Zeltdächer der Abgänge und des Überbaus nach den Originalbauplänen errichtet. Bis Ende 2018 soll die Fußgängerbrücke komplett fertiggestellt sein. Als originalgetreues Bauwerk in moderner Ausführung lässt sie dann ein Stück Architekturgeschichte aus der Zeit der Weimarer Republik wiederaufleben, bildet aber auch einen reizvollen Kontrast zur neuen, modernen Bahnhofsarchitektur des Berliner Ostkreuzes. 

www.liapor.com/de/ 

Betondeckung abmindern

Seit Januar 2019 gibt es eine neue allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) für feuerverzinkte Betonstähle. Neben praxisrelevanten Verbesserungen...

Weiterlesen

Rolltore für Gewerbe, Industrie und den privaten Bereich

Bei dem gewaltsamen Eindringen durch Tore und Garagen wird oft der Behang nach oben geschoben oder das Tor mit einem Hebelwerkzeug aus der...

Weiterlesen

Lastenaufzug mit neuer Technik und Designoptionen

Einheitliche Gestaltungskonzepte für Aufzüge unterstützen ältere Menschen bei der Orientierung in Seniorenresidenzen und Krankenhäusern. Sie setzen...

Weiterlesen

Erdwärme – Energie frei Haus

Die Ernte oberflächennaher Erdwärme stellt eine universelle Möglichkeit dar, regenerative Energie zu nutzen. Eingebunden in eine haustechnische...

Weiterlesen

Historischer Wasserturm schimmelfrei gedämmt

Viele Jahre nach der Stilllegung wurde der 1899 im Stil der Neogotik erbaute Prenzlauer Wasserturm nach Plänen des Architekten Olaf Beckert zum...

Weiterlesen

Flexibel und verarbeitungssicher: mineralische Spritzdämmung

Ressourcenschonend, frei formbar und einfach aus dem Silo zu verarbeiten präsentiert sich die mineralische Spritzdämmung „Ecosphere“ aus dem Hause...

Weiterlesen

Gelungene Premiere auf der BAU in München: F&E-Projekt INTHERMO VHF-Hybrid

Je vier Live-Vorführungen an sechs Messetagen brachten zahlreichen Interessenten das projektierte Fassadensystem INTHERMO VHF-Hybrid und seine Vorzüge...

Weiterlesen

Schwebende Eleganz

Die beiden großzügigen, hellen Dachflächen sind das auffälligste Merkmal des neu gestalteten Bahnhofs der nordhessischen Kreis- und Hansestadt...

Weiterlesen

Glasfaserverstärkter Beton für Londoner Crossrail-Netz

Crossrail ist eine aktuell in Bau befindliche  118 Kilometer lange Eisenbahnlinie in London und den Grafschaften Berkshire, Buckinghamshire und Essex....

Weiterlesen