Der Ingenieur: „Einer der beliebtesten Berufe“

Baukammertag in Berlin

Bild: Kirsten Ostmann

Die Baukammer Berlin hat am 5. Oktober ihren Baukammertag im Leibniz-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften begangen. Die Grußworte sprachen der Präsident der Berliner Baukammer, Dr.-Ing. Ralf Ruhnau, und Petra Wesseler, Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Den Festvortrag mit dem Titel „Wir brauchen gebildete Eliten.“ hielt der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus.
„Was dürfen wir als Ingenieure für uns von der Politik erwarten?“, fragte Dr. Ruhnau in seinem Beitrag. Und er stellte fest, dass es über die im Bauwesen tätigen Ingenieure fast nur Erfreuliches zu berichten gebe. „Kein berufsständisches Jammern, kein Schimpfen, kein Nörgeln, kein Zweckpessimismus: Dem Bau geht es gut. Den Planern geht es gut.“
Die Branche atme seit Anfang der 90er-Jahre wieder durch. Trotzdem lägen die Ingenieure im Vergleich zu den anderen Freien Berufen bei der Höhe der Honorierung weit zurück. Der Ingenieur sei bescheiden. Doch statt die Gunst der Stunde zu nutzen und anständige, angemessene Honorare zu vereinbaren, unterböte man sich häufig noch gegenseitig bei Vergabeverfahren (und oftmals viel zubillig).
„Für gute Ingenieurleistung müssen wir schon im Interesse unserer Berufsehre selbstbewusst eine angemessene Bezahlung erwarten“, appellierte der Präsident der Berliner Baukammer an seine Kollegen.
Und er gab seiner Sorge in Bezug auf die öffentlichen Auftraggeber Ausdruck. Das Wichtigste beim Planen und Bauen sei ein starker und technisch versierter Bauherr. Allerdings zeige sich, dass Bauvorhaben wegen des Mangels an Spezialisten in der Verwaltung, sprich an Ingenieuren, warten müssen. Der Bedarf an Planern beispielsweise in den Berliner Behörden sei teilweise so groß, dass nach Prioritäten ausgewählt werden müsse, welche Bauwerke oder wichtige Infrastrukturprojekte als nächstes angegangen werden könnten.
Kosten senke man nur dann, wenn zuerst geplant und dann gebaut werde. Dies setze allerdings voraus, dass von Anbeginn des Planungsprozesses die planungsbeteiligten Architekten und Ingenieure unter Einbeziehung der Erfahrungen der Baupraktiker auf Augenhöhe im Team zusammenarbeiten: „Wenn wir unsere bewährte kleine und mittelständische Planungskultur in Deutschland zurecht erhalten wollen, dann müssen wir uns den Realitäten stellen. Und was die Honorierung anbelangt: Wenn wirklich eine qualitätsvolle, sorgfältige Planung gewollt ist, dann müssen Planungsaufträge selbstverständlich zu angemessenen Honoraren erteilt werden.“
Ruhnau prangerte auch den „Bürokratiewildwuchs“ in Deutschland an und nannte exemplarisch die „massiv geförderte energetische Gebäudesanierung und dass die EnEV jedes Jahr auf Teufel komm raus“ verschärft werde. EnEV-Anforderungen dürften nicht zum Selbstzweck werden und das Bauen nicht noch mehr verteuern.
Die zunehmende Überbürokratisierung des Planens und Bauens sei überhaupt nicht mehr praxistauglich, zeigte sich der Baukammer-Präsident überzeugt. „Wir ersticken an der Normenflut. Sie behindert uns und unseren Berufsstand in dem, was ihn ausmacht: technische Kreativität zu entwickeln. So sind wir Planer auf Dauer nicht wettbewerbsfähig.“ Gleichzeitig würden notwendigste Sicherheitsvorschriften (beispielsweise die Bauregellisten A und B oder die Ü-Kennzeichnung) durch europäische Vorgaben (EuGH-Urteil)„verwässert“.
Er lobte an dieser Stelle, dass die Bundesingenieurkammer in Brüssel „zurecht gegen massive Angriffe auf das Rückgrat unserer mittelständischen Wirtschaft, auf unsere Freien Berufe“ vorgehe. Das Wesen des Freien Berufs, geistig schöpferische Leistungen auf hohen, durch den Berufsstand selbst festgelegten Qualitätsmaßstäben unter Wahrung des Schutzes des Verbrauchers zu erbringen, werde durch die EU missachtet. „Ein zum Teil Jahrhunderte altes, zum Wohl des Verbrauchers und auch unserer Baukultur erprobtes und bewährtes System soll einfach so gekippt werden“, kritisierte Ruhnau und rief zur Verteidigung der hohen Standards der Freien Berufe und ihrer freiberuflichen Selbstverwaltung auf.
Er schloss seinen Vortrag mit mahnenden Worten zum aus seiner Sicht „größten Gefahrenpotenzial für unseren Berufsstand, für unseren volkswirtschaftlichen Wohlstand“: dem Umgang mit dem Bildungswesen. Bologna sei– das spiegeln mehrere Studien wieder – gescheitert. Daher begrüße er das Plädoyer der Länderingenieurkammern und der Bundesingenieurkammer für eine qualitativ hochwertige Ingenieurausbildung. „Wir Ingenieure tragen viel Verantwortung für den technischen Fortschritt im Land, für unser volkswirtschaftliches Vorankommen und dafür dass unsere Zivilisation so hoch entwickelt bleibt, wie sie ist. Der Ingenieurberuf ist einer der beliebtesten und angesehensten Berufe in Deutschland.“

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