17.06.2019 | Ausgabe 6/2019

Primärenergiebedarf bleibt weiter entscheidend

FIW-Studie zur Grauen Energie von Wohngebäuden

Die Studie des FIW anhand eines Einfamilien-Typengebäudes zeigt: Über einen Lebenszyklus von 50 Jahren gibt es bezüglich „Grauer Energie“ mit den aktuell verfügbaren Daten keine signifikanten Unterschiede zwischen Holz- und Mauerwerkskonstruktionen. Dagegen spielt der Primärenergiebedarf für den Betrieb der jeweiligen Energieeffizienzhäuser nach wie vor die entscheidende Rolle in der Energiebilanz. / Grafik: FIW München

Mit der Auswahl des Wandbaustoffs allein wird noch kein Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet. Eine Modelluntersuchung des Forschungsinstituts für Wärmeschutz e. V. München (FIW) für ein Einfamilien-Typengebäude zeigt: Für die Bewertung der Grauen Energie ist nicht nur das Bauteil selbst, sondern dessen Rolle im gesamten Gebäudelebenszyklus  entscheidend. Auf lange Sicht gebe es bezüglich Grauer Energie keine signifikanten Unterschiede zwischen Holz- und Mauerwerkskonstruktionen, so die FIW-Forscher um Professor Andreas Holm.

Mögliche Differenzen werden umso kleiner, je länger ein Gebäude steht. Dagegen spielt der Primärenergiebedarf in der Nutzungsphase  nach wie vor die entscheidende Rolle in der Energiebilanz. Sein Anteil sei im Vergleich zum Anteil der Grauen Energie deutlich höher und nehme mit steigendem Nutzungszeitraum weiter zu, heißt es in der Studie. Die Forscher können weder einen Baustoff uneingeschränkt empfehlen noch verwerfen. Vielmehr verweisen sie darauf, dass der ideale Baustoff in einem ausgewogenen Verhältnis hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und bautechnischer Aspekte stehe und auch weiteren Anforderungen wie Schall- und Brandschutz gerecht werden müsse. 

Bauweisen sind keine Glaubensfragen
„Ich hoffe, dass die FIW-Studie zu einer Versachlichung der Diskussion über die energetische Bilanzierung von Gebäuden beiträgt“, kommentiert Ronald Rast, Geschäftsführer der DGfM, die Studienergebnisse. „Die Wahl einer bestimmten Bauweise ist keine Glaubensfrage. Die ideologische Überhöhung einzelner Bauweisen – zuletzt der Holzbauweise durch die Politik – ist kein Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele“, so Rast weiter. „Die aktuell noch sehr heterogene Datengrundlage kann ohnehin nur eine Orientierung und keine verbindlichen Aussagen zur Treibhausgasemission und Energiebilanzierung über den gesam tem Lebenszyklus geben. Die wissenschaftliche Untersetzung der Daten ist für eine gesetzliche  Förderung in der Vielfalt aller möglichen Bauweisen noch völlig unzureichend.“ Zudem könne die FIW-Studie helfen, überhaupt erst einmal eine verbindliche Definition des Begriffs Graue Energie zu finden, welche es in Deutschland bislang nicht gebe. „Dies wäre im Hinblick auf eine Lebenszyklusbetrachtung im Rahmen kommender Klimaschutzgesetze wichtig“, unterstreicht Rast.

Bewertungssystem des Bundes
Die FIW-Forscher verglichen auf der Basis ihrer  Definition zur „Grauen Energie“ für ihre Untersuchung fünf Wandkonstruktionen aus verschiedenen  auersteinen und zwei Holzbaukonstruktionen. Die Analysen wurden für das Typengebäude „Einfamilienhaus“ im EnEV 2016-Standard sowie im Bewertungssystem für nachhaltige Bauten des Bundes durchgeführt. Als Grundlage der Berechnungen dienten die öffentlich verfügbaren Daten der Baustoffdatenbank Ökobaudat, ergänzt um eigene Datensätze.