15.04.2019 | Ausgabe 4/2019

BIM Collaboration

Praktische Anwendung von BIM-Standards im Informationsmanagement

Abb. 1: BIM ist mehr als nur Software. Es geht vor allem darum, wie in Projekten  miteinander gearbeitet wird. Daher sollte BIM auch als eine Arbeitsmethode verstanden werden, in der Collaboration im Fokus steht. / Grafik: think project!

Abb. 1: BIM ist mehr als nur Software. Es geht vor allem darum, wie in Projekten miteinander gearbeitet wird. Daher sollte BIM auch als eine Arbeitsmethode verstanden werden, in der Collaboration im Fokus steht. / Grafik: think project!

Die Baubranche soll bis 2030 weltweit um 85 Prozent expandieren und ein Volumen von 15,5 Billionen USDollar erreichen, prognostiziert ein aktueller Report der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Um mit dieser Entwicklung Schritt halten zu können, müssen neue Arbeitsmethoden und neue Konzepte der Zusammenarbeit eingesetzt werden, wie natürlich allen voran BIM. Um dieser Entwicklung  international gerecht zu werden, wurde die ISO 19650 veröffentlicht. Diese Norm fokussiert auf das Informationsmanagement bei Bauprojekten und unterstützt dabei, dass das Potential von BIM über Projekte und Unternehmensgrenzen hinweg noch besser ausgeschöpft werden kann. Doch was genau steckt hinter diesen neuen BIM-Normen und Standards und welche Auswirkungen haben diese für die Praxis?

Normengerechtes Informationsmanagement
Es wurden bisher viele Standards geschaffen,  die versuchen, die Frage nach der praktischen Anwendung von BIM zu beantworten. Diese fokussieren meist auf die Techniken und Anforderungen sowie organisatorischen Aspekte bei Bauprojekten mit BIM. Ein wichtiger, aber oft übersehener Aspekt hierbei ist das Informationsmanagement für Projekte, die die BIMMethodik anwenden („BIM Collaboration“). Der britische Standard BS 1192 ist seit geraumer Zeit einer der Wegbereiter für BIM Collaboration. Seit kurzem ist die ISO 19650 verfügbar, die nun eine internationale Sicht auf dieses Thema bietet und Antworten zum Informationsmanagement und dessen Umsetzung liefert. Im Folgenden werden die damit zusammenhängenden Rahmenbedingungen und ebenso die technischen Anforderungen und aktuellen BIMStandards diskutiert.

Container-basierte Zusammenarbeit Alle Projektbeteiligten müssen sich in technischer  sowie organisatorischer Hinsicht während aller Projektphasen abstimmen (Abb. 1), und dies selbstverständlich so effektiv wie möglich. So entsteht daraus ein gezielter Einsatz von BIM und sorgt für einen erfolgreichen Projektablauf und -abschluss. Hilfreich sind hierbei nationale und internationale Richtlinien und BIM-Standards, in denen grundlegende Rollen, Aufgaben und Prozesse der Zusammenarbeit definiert sind.

Wesentliche Grundlagen für die Kooperation  regelt die ISO 19650 („Information management using building information modeling“). Sie wurde Ende 2018 als DIN EN ISO veröffentlicht. Ihre Prinzipien wurden bereitsim Stufenplan des Bundesministeriums für Verkehr  und digitale Infrastruktur für Deutschland aufgegriffen. Die ISO 19650 basiert in weiten Teilen auf der englischen PAS 192-2 zum Informationsmanagement in Planung und Bauausführung.Die container-basierte Zusammenarbeit  läuft demnach über:

Informationscontainer: In ihnen werden Fachmodelle von den Projektteilnehmern gespeichert. Informationslieferketten, in denen die Projektbeteiligten die Fachmodelle austauschen, prüfen und weiterverwenden. CDE bzw.
gemeinsame Datenumgebung: Ein CDE (Common Data Environment) dient zum zentralen Verwalten der Informationscontainer und zum Koordinieren der Lieferprozesse. 

Die internationale BIM-Standardisierung wird durch nationale Richtlinien ergänzt. Für Deutschland sind dies insbesondere die VDI-Richtlinie 2552 „Building Information Modeling“ sowie einzelne DIN-Normen.

Erfolgreiche Organisation  von BIM-Prozessen
Zentral für die Gestaltung der container-basierten  Zusammenarbeit sind die Lieferprozesse für Informationen. Dabei wird geregelt, welche Projektteilnehmer welche Modelle und Dokumente zu welchem Zeitpunkt und in welcher Qualität und Struktur an welchen Projektarbeiter liefern müssen.

Die ISO 19650 bietet hierfür Planungsinstru  mente, wie beispielsweise Exchange Information Requirements (EIR bzw. AIA), BIM Execution  Plan (BEP bzw. BAP) und Master Information Delivery Plan (MIDP). Für die Praxis heißt dies nun, dass bei BIM-Projekten zuerst Organisationsstrukturen im Projektmanagement detailliert festgelegt werden. Zusätzlich zu den Prozessen, Rollen und erforderlichen Leistungen und Informationen werden dabei auch BIM-Anwendungsfälle und die nötige IT-Infrastruktur betrachtet. Als zentrales Dokument hat sich hierfür der BAP etabliert, der alle Vereinbarungen für die Projektteilnehmer zusammenfasst.

Des Weiteren gehören die Regeln für den Datenaustausch und die Kommunikation zur IT-Infrastruktur. Sie definiert einerseits Softwareversionen, offene und proprietäre Datenformate (wie IFC 2x3, SMC) und Modellierungsrichtlinien, andererseits Festlegungen bezüglich Ablagestrukturen, Zugriffsrechte und Workflows für die Verwaltung, Verteilung und Qualitätssicherung der Projektinformation in der gemeinsamen Datenumgebung, einem CDE.

Dank CDE zu einem geregelten Informationsmanagement  Mit der Nutzung eines cloudbasierten CDEs ist die sichere Verwaltung sämtlicher Projektinformationen und die effiziente Kommunikation unter allen Beteiligten gewährleistet. Für das Projektmanagement können im CDE einfach zahlreiche Workflows wie Planprüfung, Rechnungsfreigaben oder Mängelmanagement eingerichtet werden. Außerdem tragen mobile Apps und Analysedienste dazu bei, dass Projektinformationen auf der Baustelle effizient erfasst und ausgewertet werden.

Alle Projektinformationen im CDE werden in Containern mit zusätzlichen Angaben zu Autoren,  Inhalten, Aufgaben, Status und Versionshistorie gespeichert. Die wichtigsten Container in der Zusammenarbeit sind
Teilmodelle: BIM-Modelle von einzelnen Gewerken  oder Teilprojekten.
Koordinationsmodelle: Kombinationen mehrerer,  zusammengehörender Teilmodelle.
3D-Maker: Markierungen mit Kommentaren im Teil- oder Koordinationsmodell.
Projektdokumente: Pläne, Verträge, Berichte,  Protokolle und Fotos, strukturierte Leistungsverzeichnisse, Kosten, Terminpläne und Weiteres.

Die BIM-Standards ISO 19650 und DIN SPEC  91391 definieren Klassifikationen für das einheitliche Verschlagworten von Teilmodellen sowie einfache Prüfworkflows. In der Praxis müssen diese meist erweitert und angepasst werden, denn in vielen Bauprojekten bestehen bereits Klassifikationen für die jeweiligen Fachbereiche und Workflows für die Planprüfung oder VOB-Kommunikation. In die Prüfprozesse sollten darüber hinaus auch Koordinationsmodelle und 3D-Marker integriert werden. Diese können in der CDE oder auch in externer BIM-Software (z. B. DESITE, Navisworks, Solibri) und im BIM-Collaboration-Format (BCF) erstellt werden.

Fazit: BIM wird für die Praxis realisierbar   
Wer mit BIM seine Bauprojekte verwirklicht,  ermöglicht im Idealfall eine schlanke, datengestützte und transparente Projektabwicklung sowie eine integrierte Prozesskette ohne Informationsbrüche über den kompletten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg. Gelingen kann dies natürlich nur, wenn sich alle Beteiligten an die vereinbarten Inhalte und Abläufe halten und das Projekt über ein geregeltes Informationsmanagement verfügt. Wie dies genau auszusehen hat, regeln nun Standards wie die ISO 19650. Solche Regelwerke sind wichtig und sinnvoll, damit eine einheitliche Sprache für das Informationsmanagement vorherrscht. Auf diese Weise wird BIM für die Praxis realisierbar und erfolgreich. Beispielsweise weiß der Auftragnehmer, sei er Planer, Bauunternehmer oder ein Nachunternehmer, durch diese Festlegungen genau, was er wann und in welchem Umfang liefern muss, und kann so in seiner Preisbindung sehr viel konkreter arbeiten. Voraussetzung, um in eine solche abgestimmte, modellbasierte Arbeitsweise auch tatsächlich hineinwachsen zu können, ist, dass  ein Verständnis aller Projektarbeiter für BIM und BIM Collaboration vorherrscht. Weitere Herausforderungen sind die zusätzlich zwingend erforderlichen Investitionen in die dafür notwendige IT-Infrastruktur, der Aufbau des entsprechenden Know-hows sowie das Schaffen der dazugehörigen Strukturen.
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