15.04.2019 | Ausgabe 4/2019

OPEN BIM funktioniert

BIM-basierte Mengen- und Kostenermittlung mit ARCHICAD

Ein mit der BIM-Software ARCHICAD erstelltes BIM-Modell wurde via IFC in die AVA-Software übergeben. Die Ergebnisse der Mengenermittlung mit den neun bisher getesteten Programmen konnten überzeugen. / Quelle: Graphisoft, München

BIM bringt Architekten und Ingenieuren konkrete Vorteile, wenn es um die Kosten geht: Erstens bei der exakten Mengenermittlung – der Grundlage der Schätzung, Berechnung und Kostenermittlung beim Bau des Gebäudes.   Zweitens spart BIM Kosten im Büro durch weniger Arbeitsaufwand bei der Mengenberechnung, denn die Mengen  erden mit BIM genauer als auf manuellem Wege ermittelt. Das sind die Ergebnisse eines OPEN-BIM-Projekts des ARCHICAD-Herstellers GRAPHISOFT mit neun Herstellern von Software zur Mengenermittlung, Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung von Baukosten.

Durchaus 50 Prozent geringer kann der Arbeitsaufwand der BIM-Mengenermittlung  im Vergleich zur manuellen Ermittlung sein. Denn eine AVA-Software berechnet Flächen in Quadratmetern und Volumen in Kubikmetern aus den Geometrien der Bauteile. Türen und Fenster beispielsweise zählt die Software in Windeseile durch. Was manuell bei komplexen Vorhaben Tage dauern kann, lässt sich mit ihr  mgehend erledigen.

BIM ermittelt Mengen genauer 
Im Rahmen des Projekts sind die Mengen  eines Test-Gebäudes (Abb. 1) unterschiedlich ermittelt worden: das BIM-Modell wurde via IFC aus ARCHICAD an die verschiedenen Programme zur Mengenermittlung übergeben sowie mit dem Solibri Modellchecker ausgegeben. Das Ergebnis: die errechneten Mengen sind praktisch identisch. Die Abweichungen belaufen sich auf äußerst geringe 0,05 bis 0,85 Prozent zur Referenzmethode, einer manuellen Mengenermittlung (Abb. 2 und Tabelle). Wie erfahrene Kalkulatoren aus 1- bis 120-Personen-  Büros bestätigen, ist die BIM-Mengenermittlung in der täglichen Praxis erheblich genauer als bei einer manuellen Ermittlung. Denn bei dieser Methode tendiert man immer zu Sicherheitszuschlägen. Summiert führen sie zu erheblich höheren Abweichungen als mit BIM.

Die BIM-Mengenermittlung erfordert jedoch,  dass im Architekturbüro ordentlich modelliert wird:
Konsequent 3D modellieren: Jede BIM-Software ermittelt Mengen aus Bauteilen, z. B. Quadratmeter-Oberflächen oder Kubikmeter- Kubaturen von Wand-Bauteilen. Mit „dummen“ Linien ist das nicht möglich.

Keine doppelten Elemente: Praktisch kommt der Fehler vor, dass Elemente doppelt übereinanderliegen.   BIM-Planungsprogramme haben Hilfsmittel, um das Modell auf Dopplungen zu überprüfen.

Modellierungsrichtlinien einhalten: Nicht nur für die Mengenermittlung ist es wichtig, dass in einem Büro gleichartig gezeichnet wird. Diese Arbeitsweise verringert den Arbeitsaufwand in allen Projektphasen, da sie Transparenz über Anpassungen und Planungsänderungen bedeutet.  Die im Kooperationsprojekt erarbeitetenModellierungsrichtlinien finden sich unter www.graphisoft.de/open-bim/openbim-  funktioniert/Die Beteiligten des Kooperationsprojektes sind: AVA.relax, AVANTI, Bechmann BIM, BIM4You, BUILDUP, California.pro, Nevaris BIM, NOVA AVA und ORCA AVA. Das Projekt dauert an. Weitere Hersteller kommen hinzu, ergänzende  ebäudetypen und komplexere Bauteile werdengetestet.

 www.graphisoft.de